Im Interview gibt Pia Lüddecke Buchbloggerin Sarah Conrad anlässlich ihres neuen Schauerromans „Das Ende der Nacht“ Einblicke in ihre Vorliebe für morbide Lost Places, ihre Recherchen zu Bunkeranlagen und ihre Faszination für Gruselgeschichten am Lagerfeuer:
Wie bist du auf die geschichtlichen Aspekte gestoßen? Und wie viel Fiktion/Wahrheit steckt dahinter?
Beides ist gut durchmischt. Ich habe versucht, die Hintergründe so realistisch wie möglich darzustellen und mich bei der Schilderung von Schauplätzen und Handlungen an reale Zeitzeugenberichte angelehnt. Hinzu kommt, dass ich für eine Reportage im Stadtmagazin Castrop-Rauxel über den Luftkrieg 1939 1945 und Bunker bzw. Luftschutzstollen hier in der Umgebung recherchiert habe. Überreste wie Bunkeranlagen, Bombenkrater und Einschusslöcher im Mauerwerk erzählen bis heute von dieser schlimmen Zeit. In ›Das Ende der Nacht‹ wird der reale Schrecken mit einer übernatürlichen Bedrohung verwoben: Der Krieg gebiert ein Monster. Ob dies wörtlich oder im übertragenen Sinne zu verstehen ist, will ich an dieser Stelle nicht spoilern. Aber natürlich ist es kein historischer Roman, alle Figuren und Ereignisse sind frei erfunden.

Welche der Figuren ist dein Lieblingscharakter und was macht ihn/sie so besonders?
Meine Heldin Nuri! Sie wirkt im ersten Moment vielleicht etwas eigen und hat mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen. Aber genau das macht sie interessant. Außerdem verbindet uns eine gewisse Faszination für morbide Themen. Ich würde gerne mal einen Abend mit ihr verbringen: Mitsommernachtspunsch trinken, Gruselgeschichten am Lagerfeuer austauschen und gemeinsam über den Friedhof wandern. Ich hätte mit ihr an meiner Seite auf jeden Fall weniger Angst vor den Monstern, die in der Dunkelheit lauern.
Was hat dich beim Schreiben inspiriert?
Bei uns im Ruhrgebiet gibt es ziemlich viele Lost Places, die einen morbiden Charme verströmen und das Kopfkino ankurbeln: Ein verwildertes Gärtnereigelände. Das verfallene Spukhaus am Ende der Straße. Alte Bunker und Fabrikruinen im Wald. Ich frage mich: Was könnte an Orten wie diesen passiert sein? Welche Gespenster sind hier zu Hause? Und ehe ich mich versehe, geistert mir eine neue Geschichte durchs Hirn.
Schreibst du bereits an deinem nächsten Buch und magst hier ein paar Einblicke geben?
Gerade mache ich eine kreative Pause. Aber ich habe schon wieder Ideen für mindestens drei Romane in meinem Kopf. Wahrscheinlich werde ich mich als nächstes der Legende von der weißen Frau widmen. Als Spukschlossbewohnerin sitze ich ja sozusagen an der Quelle. Auf jeden Fall wird es finster.
An dieser Stelle möchte ich mich nochmals bei Pia für die genommene Zeit bedanken und hoffe, ich habe auch euch auf ihren Roman neugierig gemacht.
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