„Bukarest – the city of good life“

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Rezension im 07Stadtmagazin
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„Dieses Buch ist ganz sicher keines, das die Bukarester Tourist-Information in ihr Angebot aufnehmen wird. Und doch ist es ein Muss für alle, die Dokumentarfotografie und Reiseliteratur mögen, sich für Rumänien interessieren und Bukarest für sich entdecken wollen. Die vorwiegend düsteren Momentaufnahmen – von Filmemacher und Fotograf Marcel Schreiter zwischen 2015 und 2017 eingefangen – strafen den Titel eigentlich Lügen. Und doch hat dieser Band mit seinen scheinbar wahllos aneinander gereihten schwarz-weißen Fotografien etwas Berührendes. Sie nehmen gefangen, ziehen den Betrachter immer tiefer in das Leben dieser Metropole mit ihren unterschiedlichen Facetten, zahlreichen Schicksalen und rapiden Entwicklungen. Dabei ist der vertraute Blick des Fotografen zu spüren, der mehrere Jahre in Bukarest lebte und die Stadt aus dem Effeff kennt; wie auch Michael Schweßinger, dessen sparsamen und eher fragmentarischen Texte mit den Aufnahmen im Gespräch zu sein scheinen.“
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Interview im „Ahoi“-Stadtmagazin Leipzig
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… Ahoi: Bukarest und Rumänien in seiner Gänze hat in der hiesigen Szene nicht unbedingt den besten Geruch, glaube ich. Was möchtest Du mit deinem Buch erzählen? Man spürt ja die liebevolle Sicht auf die dort lebenden Menschen.

Schreiter: Das ist ein wichtiger Punkt, den auch die Rumänen selbst haben nicht unbedingt den besten Ruf und sind etlichen Vorurteilen ausgesetzt. Das Thema der Wanderarbeiter und den Umgang mit diesen Menschen möchte ich jetzt nur kurz andeuten. Aber im Wesentlichen neigen die Menschen hierzulande gern dazu, ihre westlichen Vorstellungen und Erklärungsmuster auf andere Kulturen überzustülpen, ohne eigentlich die Menschen und deren Probleme und Umstände genauer zu verstehen. Und manchmal geht es auch gar nicht um das argumentative Verstehen als Ansatz. Auch dieses scheint mir derzeit ein gefährlicher Weg, da auch der Umgang mit Informationen gelernt sein will. Anstatt Erklärungen zu bieten möchte ich das Leben und dessen Brüche und Widersprüchlichkeiten selbst darstellen. In unserem Buch tritt immer wieder die Bukarester Lebenswelt auf Versprechungen der Werbeindustrie als Thema hervor. Im Gegensatz dazu zeigen sich schöne zwischenmenschliche Momente und Herzlichkeit. Aber generell möchte ich, dass die Bilder selbst ihre kleinen Geschichten erzählen, um so ein Gesamtbild zu entwickeln. Dadurch ist es möglicher, Verständnis und vielleicht auch daraus resultierend Solidarität aufzubauen. Ein Bild erklärt mehr als tausend Worte. So kitschig es auch klingen mag, aber es ist eine Sprache, die von allen Menschen verstanden werden kann, da sie auf der Gefühlsebene funktioniert. Während das Denken Erklärungsmuster schafft, um die Realität zu verstehen, bediene ich mich dem direkten Zugang über die Emotion. In meinem Fall war dies auch ein liebevoller und melancholischer Blick auf die Stadt und deren Bewohner. …“

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Rezension im „Freitag“
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„… Bei genauerem Betrachten sind manche Bilder auf den Seiten so geschickt aneinandergesetzt, dass sie wie ein Bild wirken, aus denen solche und andere Zusammenhänge bzw. Kontraste entstehen. Bisweilen spielen die Rumän:innen selbst mit, treten aus dem Beobachtetwerden heraus, und kommentieren das thematisierte Gefälle zwischen Alltag und Glamour scheinbar selbst, wenn etwa der Kellner auf dem fotografierten Quittungszettel als “Robert de Niro” ausgewiesen wird. Der etwas mafiös dreinschauende Restaurantgast mit seinem Häppchen in der Hand, der darüber abgebildet ist, ob er wohl für diese Art des Humors zu haben ist?

Schreiter bedient mit seiner Bildbearbeitung und den Motiv-Arrangements sehr stark das “Kontraste-Klischee”, mit dem Rumänien und auch Bukarest gerade aus “westlicher” Sicht oft beschrieben werden. Daher bleibt eine leichte Ambivalenz beim Betrachten der Bilder, ob sich diese Vorstellung nun nicht zwangsweise weiter zementiert. Es gibt gefälligere Annäherungen…

[…]

Doch Schreiter und Schweßinger treibt ein gesellschaftliches Thema um: Ihr Anliegen ist es, den neokapitalistischen Osten zu zeigen, bei dem die Vielen auf der Strecke bleiben. Und das geht in einer Hauptstadt, die immer auch Aushängeschild des so genannten Fortschritts ist und somit die Konflikte am stärksten kontrastiv entstehen lässt, am besten. Die Betrachter*innen westlicher Gesellschaften sollen, so scheint es, das eigene marktwirtschaftliche Kapitalsystem in Frage stellen und und zur kritischen Reflexion gezwungen werden. Im Vergleich zu den subjektlosen und architektonisch-ästhetisierenden Aufnahmen der Instagram-Accounts nehmen sie die soziale Wirklichkeit in den genannten Jahren in den Blick. …“

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Interview im Geheimtipp Leipzig
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… „Sozialistische Blocks, unsanierter Jugendstil, daneben eine Shopping-Mall“, lesen wir und denken, das scheint uns doch vertraut zu sein. Sind Dir als studiertem Völkerkundler Gemeinsamkeiten zwischen Leipzig und Bukarest aufgefallen?

Die Vergleiche sind immer etwas schwierig, weil es da verschiedene Dynamiken gibt, alleine schon durch die unterschiedliche Größe und die stetigen Anreize von Exilrumänen aus den europäischen Hauptstädten, was Trends betrifft. Bukarest ist auf der einen Seite hypermodern und dynamisch, auf der anderen Seite auch sehr langsam und „unmodern“, wenn man so will. Vielleicht eine der Städte, über die man auch immer das Gegenteil sagen kann, ohne falsch zu liegen. Eine großartige Ambiguität und Ungewissheit. Wir hätten auch eine gegenteilige Welt voller Hochglanz beschreiben können, die genauso wahr gewesen wäre. Mich interessieren beim Schreiben die Bruchstellen immer mehr als der Glanz. Das ging mir schon in Lindenau bei „In Darkest Leipzig“ so. Dass ich mit Marcel Schreiter, mit dem ich schon über den Seemann des Leipziger Westens gedreht hatte, dann in Bukarest wieder zusammengetroffen bin, passte auch irgendwie. Wir haben beide einen recht speziellen Blick, der immer ganz gut harmoniert, ohne dass sich Bild und Wort erdrücken. Was beiden Städten gemein ist, ist das Konturenreiche, dieser postsozialistische Umbruch. Es sind keine fertigen Städte, sondern Städte, die sich stetig reiben. In Rumänien sind diese Umbrüche natürlich wesentlich härter. An schlechten Tagen erschien mir Bukarest oftmals als eine Art dystopische Vollendung des Kapitalismus, so eine Art Blade-Runner-Feeling. Joy Division auf die Ohren und durch die Stadt laufen – das harmonierte immer hervorragend. …“

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Rezension in der Leipziger Internetzeitung
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„… Vielleicht braucht man wirklich jede Menge Kraft, um wütend sein zu können. Vielleicht ist es eine Anmaßung zu denken, dass man gegen die Machenschaften der Mächtigen und Nimmersatten irgendetwas ausrichten kann. Dass einen das letztlich alles nicht betrifft, das überall flackernde „globale Werbeesperanto“, wie es Schweßinger nennt. Dass es vielleicht sogar wichtiger ist, sich einfach die Zeit zu nehmen, den „somnambulen Spaziergängen“ einer verkrüppelten Taube zuzusehen. Also einfach mal gründlich herunterzukommen vom wild gewordenen Ross der Zeit.

Vielleicht ist Bukarest wirklich genau das: eine Stadt, die das gute Leben kennt. Nicht weil es die glitzernden Shopping-Malls gibt, sondern weil die meisten Menschen sich genügen müssen und Zeit und Kraft für das Alltägliche haben. Auch wenn das der Besucher nicht entschlüsseln kann. In diesem Fall aber eben auch weiß, dass er nur Beobachter ist: „Vor mir lag die Stadt in ihrer ganzen Banalität und Abstraktion“.

Man reist, man schaut. Man versucht die Sprache der fremden Stadt zu lesen. Heraus kommen dann so nachdenkliche Texte, wie sie Schweßinger schreibt. Und so dichte und manchmal ganz rätsellose Bilder, wie sie Marcel Schreiter gemacht hat. Eine fast traumhafte Reise in Schwarz/Weiß in die „City of Good Life“. …“

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Kurzrezension von Sybille L.
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„Hässlichschöne Bilder und Begegnungen aus einer Stadt voller schönhässlicher Geschichten und Gestalten. Kälte in den Knochen, Wärme im Herzen und dazwischen alles, was die menschliche Existenz zu bieten hat. Ein Fotoband mit viel Seele. Wunderbares Buch.“
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„Wort & Klang“-Radiofeature
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M.Kruppe stellt in seinem Radioformat den in Zeitz lebenden Autor und Weltenbummler Michael Schweßinger vor. Er ist nicht nur ein langjähriger Freund, sondern hoch geschätzter Kollege; im Feature wandern die Themen vom Backen übers Reisen, Corona und die Kultur, aber auch und vor allem aber hin zum neuen Buch von Marcel Schreiter, dem Schweißnger einige Texte beisteuerte.

Zum Radiofeature geht es hier entlang.
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„Bukarest – the city of good life“ in unserem Onlinestore: bitte hier entlang.
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