„Mitternachtssymphonie“

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Rezension im 07 Magazin _____________________________________________________________________________________

„Der Fahrer einer Wach- und Schließgesellschaft beschert einer einst berühmten, jedoch in Vergessenheit geratenen und leicht dementen Schauspielerin einen letzten großen Auftritt, nachts in einem großen Industrieareal – ihre Mitternachtssymphonie. Wie in der Titelgeschichte drehen sich alle 15 Erzählungen dieses Bandes um vom Leben gebeutelte Menschen. Einsame Einzelgänger, die auf der Flucht vor sich selbst und ihren Erinnerungen wie Geister lebend die Nacht durchstreifen. Diese Dunkelheit macht sie irgendwie alle gleich, in ihr zählt nicht, was tags passiert, für die paar dunklen Stunden sind alle Regeln außer Kraft gesetzt.

Da ist der Mann, der Drogen vertickt, obwohl er inzwischen selbst clean ist; oder der, der gerade verwitweten Frauen überteuerte, angeblich noch von ihren Männern bestellte Bibeln andreht; das Paar, dass sich nur zu Liebesspielen in Hotels trifft; der Feuerteufel, der mit seinen Bränden den Menschen Türen in andere Welten öffnen will; einer, der sich aus verschmähter Liebe umbringen will; eine Studentin und ein Schriftsteller, die vögeln als gäbe es kein Morgen mehr…

Lebendig und bildgewaltig erzählt Alexander Pfeiffer von dieser mystisch erscheinenden Welt voller Einsamkeit, Erotik und Kreativität.“ _____________________________________________________________________________________

Rezension in der Leipziger Internetzeitung _____________________________________________________________________________________

„In Pfeiffers Geschichten (der Verlag hat sie unter Erzählungen klassifiziert – man misstraue den Klassifizierungen!) passiert immer etwas. Denn Pfeiffers Figuren sind keine als Nachtgestalten verkleideten Philosophen.

Sie sind mit all ihren Verlusten, Ängsten, Sperrigkeiten sehr real. Manchen begegnet man in den täglichen Polizeiberichten. Der Held aus „Nachts auf Tour“ könnte dazugehören, genauso wie der aus „Der dunkle Ort“.

Etwas treibt sie Nacht für Nacht auf die Autobahn, lässt sie dort aus ihren alten Autos auch noch das letzte an Geschwindigkeit herausholen, während die blauen Schilder vorbeijagen und die weiße Linie immer näherkommt.

Doch es geht ihnen eigentlich nicht ums Rasen, nicht um den Nervenkitzel. Sie sehen genauso müde und fertig aus wie die Trucker, denen sie an den Raststätten begegnen und mit denen sie sich unterwegs Rennen liefern, sich abdrängen lassen oder die riesigen Laster ausbremsen, erfüllt von einer Wut, die sich in kleinen, bösen Gesprächen entlädt.

Denn tatsächlich sind sie ganz und gar nicht in derselben Welt unterwegs wie die Trucker, die sich mühsam mit Kaffee wachhalten, um ihre Fracht rechtzeitig ans Ziel zu bringen.

Ihnen fehlt dieses Ziel. Dafür haben sie etwas, was sie vergessen wollen. Ihr Aufenthalt in der Nacht ist eine Flucht. Und nicht nur ihrer. Im Grunde erzählen fast alle Geschichten von der Unfähigkeit der auftretenden Gestalten, sich wirklich einzulassen auf andere. Oder sich selbst.

Auch wenn man in „Rallye Solitaire“ einem begegnet, der seine neue Aufgabe darin gefunden zu haben scheint, einen jungen Mann vom Sprung von der Eisenbahnbrücke abzuhalten. Dabei hilft der Spruch, den er sich wohl selbst immer wieder sagt, um die immergleichen Tage im Auto durchzuhalten: „Weißt du, das ist das Komische im Leben. Man weiß nie, wozu es noch mal gut ist.““

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„Mitternachtssymphonie“ in unserem Onlinestore: bitte hier entlang. _____________________________________________________________________________________
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