„Robinsonaden vom 40. Breitengrad“

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Rezension im „Ahoi“-Stadtmagazin

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Das Leipziger Stadtmagazin „Ahoi“ widmet sich Michael Schweßingers aktuellem Buch „Robinsonaden vom 40. Breitengrad“:

Zitat: „In „Robinsonaden vom 40. Breitengrad“ verarbeitet Schweßinger seine Erlebnisse als Brot-, Brötchen- und Backwerkerstellender im Pauschaltouristenclub Lotophagen-Island an den Ufern Italiens. Inklusive all der Verwerfungen im Massentourismus. Dabei schafft er ein großes, lebendiges Kunstwerk, nämlich teilhaben zu lassen am Ändern von Meinung…

[…]

Die „Robisonaden“ sind in der Edition Outbird erschienen, wo auch Hauke von Grimm und die grandiose Berliner Barfliege Frau Kopf literarisch beheimatet sind. Das ist gut so, schließlich wissen die Outbirds um die Größe des literarischen Markts und machen lieber kleine, liebevolle Bücher als Massenramsch für die Grabbelkiste. Und lieben die Sprache wie Schweßinger auch: „Die Sprache ist etwas Wunderbares, weil sie entlarvt, weil sie die Lügen offenbart und unser System ist eine einzige Lüge, also schreiben wir munter dagegen an.“ Womit Schweßinger auch viele seiner Freunde mit einschließt, die sich nicht mit Marktfutter, sondern Literatur befassen.“

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Rezension von Benjamin Schmidt

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„In der Vorstellung von Heimat liegt etwas Fremdes und in der Fremde findet sich immer etwas Vertrautes, das meine Erinnerung belebt.“ – Der Erzählsound Schweßingers setzt sich mit seiner unaufdringlichen Weisheit so in meinen Gedankengängen fest, dass ich kaum bemerke, wie er sich schon mit meinem Atem, meinen Lippenbewegungen beim Lesen dieser wundervollen Zeilen synchronisiert hat. In ihm wohnt so eine angenehme Melancholie, die aufwühlend und beruhigend zugleich ist.

Schweßinger taucht als Bäcker, als einer von vielen Servicekräften in die desillusionierenden Höllen eines apulischen Club-Betriebes während der Hochsaison und schreibt über die zahlreichen Scheinwelten einer solchen Urlaubshölle, angefangen vom künstlichen Dauerlächeln der Empfangsdame bis hin zur absurden Mechanisierung von Mitarbeitern, ausgelaugt und abgestumpft vom aufgezwungenen Wirtschaftswachstum, wo am Ende doch nur zwei Hände sind, die immer älter und schwächer werden und sich verkrampfen. In seiner Kritik bleibt er stets bodenständig. Seine Ansichten lassen sich nicht durch Wut verhärten und suchen einen Weg, die harten Panzer zu durchbrechen. Und so bleibt bei den kleinen Regelverstößen, die sich der Bäcker/Autor erlaubt, um weiter Mensch sein zu dürfen, beim Lesen immer ein Lächeln erhalten, etwa durch die Ablehnung lächerlicher Kleidungsvorschriften oder einen spontanen Anschlag mit Diamanda Galás aufs DJ-Pult zur Unterbrechung der vermeintlichen Dauerbespaßung durch Schlager. Auch das typische Deutschtum einiger Clubbesucher, die anstelle von neuen Abenteuern nur eine exakte Kopie ihrer Heimat mit dezentem italienischen Anstrich suchen, sorgen immer wieder für verzweifelt komische Momente.

Der Grundtenor der „Robinsonaden“ bleibt dennoch ein ganz anderer: “ …die Welt wird neu vermessen und die Landvermesser denken nicht mehr national. Sie haben ihre Lektion gelernt. Nur ihre Knechte denken national, sie denken rechts- oder linksnational und die Herren ziehen derweil stillschweigend den eisernen Vorhang nicht mehr zwischen Ost und West oder Nord und Süd, sondern zwischen oben und unten und amüsieren sich über den Kleinkrieg der Kleinen.“ Auf so wenigen Seiten verdichten sich so viele Facetten über die Folgen unseres Wirtschaftssystems und des immer mehr ansteigenden Wachstums, die eine dumpfe Hoffnungslosigkeit zurücklassen könnte… Schweßinger aber hat noch Hoffnung. Vielleicht nicht viel, aber was er hat, das teilt er in seinem Buch und so schafft er einen Zugang zu anderen Welten. Und wie das Reisen selbst enttäuscht seine Literatur die Angst.“
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Kurzrezension von David Gray
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„Und ein neues Buch eines der besten Autorenkollegen. Geht schlechter das Wochenende einzuläuten. Michael Schwessingers „Robinsonaden vom 40. Breitengrad“ ist ein grossartiges Buch. Voller kluger Beobachtungen und getragen von einer kühlen Wut über Missstände in der Welt. Dabei jedoch nie langweilig oder -Oh Horror! – gar oberlehrerhaft. Sondern voller Witz und Weisheit. Der Weisheit eines Weltreisenden.“
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Rezension von Klaus Märkert
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„April 2018. Es ist warm wie im Sommer. Die Sonne scheint, und sie scheint ganz besonders aus dem aktuellen Roman von Michael Schweßinger. Selbst wenn es in den „Robinsonaden vom 40. Breitengrad“ eher um die Schattenseiten des Massentourismus, die Ausbeutung der Mitarbeiter einer gewinnmaximierten Branche geht, sowie um deren Feriengäste, die den heimischen Balkon stets im Gepäck bei sich tragen, egal wie weit sie sich von zu Hause entfernt haben.

Der Roman besticht vor allem durch die äußerst gelungene sprachliche Umsetzung und die wohltuende Zurückhaltung des Autors/Protagonisten. Er ist eben nicht der Besserwisser und Könner, sondern bezieht sich ein in den Kreis der Verlierer. Im neoliberalen Dschungel geht es ohnehin nur ums Verlieren und darum, dass ab und an die Sonne scheint!“
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Rezension im „Kreuzer“-Stadtmagazin
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„Seine Storys bringen es insgesamt nur auf knapp über hundert Seiten, aber auf jeder einzelnen davon knirscht die Wahrheit unserer Zeit mit den Zähnen. Mit scharfem Blick und zunehmender Wut beobachtet Schweßinger die „Tourismus-Maschine“ aus nächster Nähe.
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Vor allem schockierte Schweßinger die Selbstverständlichkeit, mit der die Angestellten sich ausnutzen ließen. Es habe keinen Widerspruch und erst recht keine Solidarität unter den Mitarbeitern gegeben, um sich gegen „die da oben“ zu wehren.

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Auf die Frage, was er, wenn er könnte, in der Welt ändern würde, überlegt Michael Schweßinger lange, bevor er mit leiser, aber entschlossener Stimme antwortet: „Lass uns das Ganze auf Null setzen. Und nochmal neu versuchen, ob wir nicht doch ein bisschen menschlicher miteinander umgehen können“.“

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Rezension in der L-IZ
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„… Wo Wallraffs Klassiker aus den Knochenmühlen der Bonner Republik vor allem von einer aufrechten, hin und wieder in Predigten abfallende Empörung getragen wird, begegnet man in Schweßingers Text vor allem einem abgeklärten, nur unterschwellig flackerndem Zorn über die Zustände, denen er sich in seiner Backstube ausgesetzt sieht. Diese Abgeklärtheit führt ihn zu ungewöhnlichen Einsichten ins Räderwerk einer globalisierten Bespaßungsindustrie, die nicht zynisch daherkommen, auch wenn sich einige so lesen lassen mögen.

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Dabei beurteilt er seine Helden nicht von oben herab. Noch die skurrilste der Figuren, die er aus dem Clubkosmos herausgreift, wirkt authentisch und durch jahrelange Saisonarbeit passend clubstromlinienförmig zurechtgeschliffen für jenes Kunststoffidyll aus stets nachgefülltem Buffet und Guterlaune-Schlagermucke, die Schweßingers Buch vor dem Leser aufbereitet. Dabei bleibt einem hin und wieder das Lachen im Halse stecken.

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Je länger Schweßinger sein Leben zwischen Backstube, muffeligem Angestelltenübernachtungsschließfach und Clubbar fristet, umso schwieriger fällt es ihm, jene Distanz zu den Dingen und Personen zu wahren, die er sich zu Anfang seines Trips vorgenommen hatte. Da nützen selbst die kleinen anarchistischen Verstöße gegen die No-Go-Regeln für Clubmitarbeiter nichts, die er sich in Notwehr gegen die zunehmende Abstumpfung gönnt. Gerade diese Textstellen geben in ihrer Absurdität guten Lesestoff her, weil Schweßinger sie fast im schnodderigen Stil eines hardboiled Detektivromans gestaltet. …“

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Rezension im Literaturcafé
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„»Wenn Literatur nicht bei denen bleibt, die unten sind, kann sie gleich als Partyservice anfangen«, umriss Jörg Fauser einmal die Aufgabe von Literatur. Einer seiner Erben ist der Leipziger Schriftsteller und Ethnologe Michael Schwessinger, der sein Geld ganz bewusst hauptsächlich als weltreisender Bäcker verdient.

»Mich langweilen diese Welten, die mir vertraut sind … Sprachlich sichtbar zu machen, was jeder schon weiß, aber dennoch nicht ins Bewusstsein gerät, erscheint mir enorm wichtig. Denn die Welt wird neu vermessen, und die Landvermesser denken nicht mehr national. Sie haben ihre Lektion gelernt. Nur ihre Knechte denken national, sie denken rechts- oder linksnational, und die Herren ziehen derweil stillschweigend den eisernen Vorhang nicht mehr zwischen Ost und West oder Nord und Süd, sondern zwischen oben und unten und amüsieren sich über den Kleinkrieg der Kleinen.«, fasst er seinen Anspruch an sich selbst und seine Arbeitsmethode zusammen.

Sein – in mehrfacher Hinsicht – Brotberuf verschafft Schwessinger mühelos Zugang zu den verborgenen Maschinenräumen jener rückwärtigen Dienste, die zwar unsere globalisierte Welt in Gang halten, aber innerhalb der nach wie vor auf Mittelklasseprobleme fixierten deutschen Gegenwartsliteratur höchstens in Nebensätzen erwähnt werden.

Für seinen aktuellen Titel »Robinsonaden vom 40. Breitengrad« berichtet Schwessinger aus dem Innenleben eines apulischen Robinson-Clubs. »Der Club, in dem ich die Sommermonate verbringen sollte … versprach den Urlaubern eine Zeit des ewig währenden Lächelns. Er lag irgendwo am Arsch der Heide in Apulien … Sie [die Gäste] sahen hier nicht mehr und nicht weniger, als sie in den übrigen Clubs der Welt gesehen hätten. Das war alles so spannend wie die H&M-Filiale in Kapstadt, der McDonalds in Jakarta oder der Apple-Store in Peking. Was für die weltweite Monotonie der Fußgängerzonen gilt, gilt auch für den Urlaub. Club-Urlaub funktioniert nicht anders als eine Gated Community, deshalb ist er so erfolgreich in Zeiten der Angst, weil er das Fremde außen vor lässt und trotzdem mit der Fremde wirbt.« …“

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Buchvorstellung im MDR Sachsen Radio
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„Zum Interview mit Michael Schweßinger folgen Sie bitte diesem Link.
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Rezension von Stefan Benndorff
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„“Wenn Literatur nicht bei denen bleibt, die unten sind, kann sie gleich als Partyservice anfangen“, umriss Jörg Fauser einmal die Aufgabe von Literatur. Einer seiner Erben ist der Leipziger Schriftsteller und Ethnologe Michael Schwessinger, der sein Geld ganz bewusst hauptsächlich als weltreisender Bäcker verdient.

„Mich langweilen diese Welten, die mir vertraut sind … Sprachlich sichtbar zu machen, was jeder schon weiß, aber dennoch nicht ins Bewusstsein gerät, erscheint mir enorm wichtig. Denn die Welt wird neu vermessen und die Landvermesser denken nicht mehr national. Sie haben ihre Lektion gelernt. Nur ihre Knechte denken national, sie denken rechts- oder linksnational und die Herren ziehen derweil stillschweigend den eisernen Vorhang nicht mehr zwischen Ost und West oder Nord und Süd, sondern zwischen oben und unten und amüsieren sich über den Kleinkrieg der Kleinen“, fasst er seinen Anspruch an sich selbst und seine Arbeitsmethode zusammen.

Mit seinem neuesten Band hat Schwessinger ein kleines Meisterwerk vorgelegt, das es so noch nicht in der dts Literaturlandschaft der letzten Jahre gab. Er berichtet darin aus dem Innenleben eines apulischen Robinson-Clubs. Er kann sich an Sensibilität und überraschenden Einsichten mit Nora Bossongs Trip ins „Rotlicht“ und Wallraffs Gang nach „Ganz unten“ durchaus messen. Die Abgeklärtheit mit der Schwessinger aus dem verborgenen Innenleben des Clubs erzählt führt ihn zu ungewöhnlichen Einsichten ins Räderwerk einer globalisierten Bespaßungsindustrie, die nicht zynisch daherkommen, auch wenn sich einige so lesen lassen mögen. Noch die skurrilste der Figuren, die er aus dem Clubkosmos herausgreift, wirkt authentisch. So etwa wenn er das gemeinsame Austicken der Spüler eines Nachts mit dem Hundetick einer Exfreundin vergleicht, die fand, dass es die Rudelsolidarität auch der Menschen steigerte, wenn diese ab und zu nicht nur im übertragenen Sinne mit den Wölfen heulten, woraufhin der Autor, allein in seiner Backstube, eben solidarisch in das Geheul der Spüler einfällt.

Ein gutes, ein wichtiges Buch.“
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Die „Robinsonaden vom 40. Breitengrad“ sind in unserem Onlineshop unter diesem Link erhältlich.
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