„In Buxtehude ist noch Platz“

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Rezension im „07 Gera“-Stadtmagazin
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„… Schweßinger, der unterwegs als Bäcker sein Brot verdient, ist nicht auf ausgetretenen Touristenpfaden unterwegs, sondern auf Pfaden, auf denen ihn immer wieder Menschen mit interessanten, oft verborgenen Geschichten begegnen – oft zerrissene Helden und Outsider. Diese Geschichten schreibt er seit Jahren auf, mal eher lakonisch wie jene von einer Lesung in der JVA Hohenleuben, mal ironisch, etwa, wenn es darum geht, keinem Timer zu trauen; teils sarkastisch, wie die Titelstory. Das ebenso amüsante, wie nachdenklich stimmende Büchlein, das man einfach nicht aus der Hand legen mag, wird ergänzt von einer Europa-Karte mit den GPS-Daten der vorkommenden Orte sowie diversen handschriftlichen Notizen und Erinnerungsstücken.“

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Interview im „Frizz“ – Magazin
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„… Sie sind einer der wenigen mir bekannten dauerschreibenden Autoren, die auch noch einem Brotberuf nachgehen – sogar als Bäcker. Ist echte Arbeit gut fürs Schreiben oder hemmt die Erfahrung in der Realwelt den literarischen Fluss? Wie sehen Sie das?

Meine Erzählungen sind ja meistens an meine Erlebniswelt gekoppelt, also für mich ist Literatur ohne meine Erfahrungen nicht möglich. Ich sehe einen Ausschnitt der Wirklichkeit und schreibe darüber, um ihn mir selbst zu verdeutlichen oder auch um Geschichten zu erzählen, die oftmals von Menschen handeln, die sonst in der Literatur nicht so auftauchen.

Alleine anhand meiner Erlebnisse in den Bäckereien quer über den Kontinent, könnte ich eine Geschichte der Migration schreiben. Ich komme gerade aus Norwegen zurück, da arbeitete ich mit einem Franzosen, der mit seiner Frau aus Südfrankreich geflohen war, weil ihnen in Marseille als Muslime der Hass zu groß wurde.

Das sind keine Figuren von Remarque aus den 20er Jahren, sondern das ist die europäische Realität 2019. Also ich denke mir meine literarischen Figuren nicht im Lehnstuhl aus. Ich muss dazu in der Welt sein, deshalb bereichert die Welt meine Kreativität immerfort. …

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Kurzrezension von Julia B.
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„Es macht großen Spaß mit auf Road Trip zu gehen und mit jedem neuen Koordinaten etwas Absurdes, Nachdenkliches, Komisches oder zur Abwechslung mal etwas ganz Unbegreifliches zu erleben. Das perfekte Weihnachtsgeschenk oder auch für Mittwinter und in den Rauhnächten ein launige Lektüre. Bon Voyage!“
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Rezension in der LVZ
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„… Er ist mittendrin, arbeitet, trifft, spricht, hört, denkt, liest und schreibt. Und wie in Lindenau besucht er auch in Bukarest, Kokkola oder Cahersiveen ohne Scheu die nächstgelegene Kneipe, getreu der Erkenntnis: „Die schrägsten Vögel nisten immer noch am Tresen.“

[…]

Zur Frage, wer und wie dieser Michael Schweßinger denn nun sei, finden sich im aktuellen Buch weitere informative Zitate, unter anderem „auf verschrobene Weise verrückt“ und „konservativer, als er sich eingestehen mag“. Vor allem aber sammelt der unverdächtige Gastin in all dem von ihn frequentierten Back- und Trinkstuben Geschichten auf, Schicksale, Erkenntnisse und Kuriositäten. Altenpfleger, Flaschensammler und Taxifahrer kreuzen seine Wege. Nach manchen schnappe die Melancholie wie ein tollwütiger Hund. Er besucht die nördlichste Roggenmühle Europas, der Müller dort oben in Finnland jedoch erweist sich als Meister des sehr langsamen Gesprächsflusses. Tief im Süden, in Rumänien, bewundert der Autor dann das Gespür der Leute für den schönen Schein.

[…]

Trotz oder auch dank feiner Formulierungen wird er zum Mann der Subkultur, der Off-Literatur und engagierten Kleinverlage. Doch die Reiselust vergeht nicht. …“

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Interview im „Outscapes“ – Magazin
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„… Verlierst Du ob der vielen Reisen manchmal den Überblick über die Struktur der Welt und über Deine Bestimmung? Manchmal glaubt man, Du bist Globetrotter und Wissenssammler, meistens Bäcker, manchmal hilfst Du Menschen bei Behördenwegen und neben Deinen ethnologischen Wurzeln könnte man Dich für einen Sozialarbeiter halten.

Überblick über die Struktur der Welt und Bestimmung habe ich nicht, braucht es auch nicht. Das ist mir zu statisch und zu kompliziert. Da braucht es eine Menge Baugerüst im Hirn für. Ich liebe es da eher in Assoziationen zu denken, also wie alles aufeinander reagiert, ineinander überfließt, entsteht und vergeht. Die Tage bin ich zufällig auf den Mardalsfossen gestoßen, das ist ein Wasserfall, der stürzt 297 Meter tief ins Tal Eikesdalen und ist der vierthöchste Wasserfall der Welt. Ich fuhr einfach ein wenig durch die Fjorde und dann sieht man diese Urgewalt und denkt sich, da laufe ich jetzt mal hin, das ist ja irre schön, wie der seine eigenen Regenbögen erzeugt. Grundsätzlich mache ich auf meinen Reisen die Erfahrung, dass die wenigsten Menschen, denen ich begegne, mir negativ gesonnen sind. Also gehe ich einfach nach der Maxime: Ach da warst du noch nicht, da gehste jetzt mal hin. Es gibt ja überall was zu entdecken. Und mein Unwissen ist mir immer eine ausgezeichnete Motivation. Ich halt es da mit Paul Bowles: „Jede einzelne Stunde, die er mit offenen Augen verbracht hat, wird ihn ein Stückchen auf dem Weg zu einem Verständnis der Welt weitergebracht haben, und das ist schließlich der wahrhaftigste Gradmesser für Kultur, den wir bisher gefunden haben.“

Welche Länder entdeckt und durchquert Mensch mit Deinem Buch?

Ach das sind jetzt so viele, die mag jetzt gar nicht alle aufzählen, irgendwo zwischen Irland, La Gomera, Rumänien, Finnland, ich glaube es sind ein gutes Dutzend, aber Benjamin Schmidt, der das Buch wunderbar gestaltet hat, hat da so ne tolle Europakarte reingebastelt und ich hab mir die GPS-Daten zu den Entstehungsorten der Geschichten rausgesucht und dann haben wir das verortet, eigentlich weil ich wissen wollte, ob eine bestimmte Gegend einen bestimmten Sound beim Schreiben erzeugt, aber hab das noch nicht weiter verfolgt, weil wieder mal die Welt spannender war. …“

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