„Schon immer ein Krüppel“

_____________________________________________________________________________________

Rezension im „07 Stadtmagazin für Gera und Umgebung“
_____________________________________________________________________________________

„“Ich habe ihn [den Roman, d. A.] nicht geschrieben, weil ich einen Bestseller schreiben wollte, nicht mal gute Unterhaltung hatte ich im Sinn, ich hatte lediglich eine Geschichte. Und die wollte ich erzählen.“

Benjamin Schmidt sind Geschichten wichtig, authentische Geschichten, so wie sie das Leben millionenfach schreibt. Und sie liegen ihm so sehr am Herzen, dass der heute 31jährige seinen in jugendlichen Jahren geschriebenen Roman „Schon immer ein Krüppel“ überarbeitet und nun erweitert vorgelegt hat. Mit feiner Ironie und schwarzem Humor, teils drastischer, zumeist lakonischer Sprache und überaus bildhaft zeichnet er als Ich-Erzähler das Bild eines Jugendlichen, der nach einem Unfall als Spät-Teenager querschnittsgelähmt im Rollstuhl landet und sich trotz vieler Rückschläge wieder ins Leben zurückkämpft. Schmidt schreibt schonungslos offen und lebensnah von Verhältnissen in der Psychiatrie, von Vorurteilen und Denkbarrieren, vom Umgang mit „gesunden“ Menschen, von Sex im Rollstuhl, von Liebe und tiefer Freundschaft – und darüber, welche Rolle Dichtkunst und Musik auf dem Weg zurück spielen.

Ein Bestseller ist das von Franziska Appel illustrierte Buch (noch) nicht, aber es fesselt – vom ersten bis zum letzten Wort.“
_____________________________________________________________________________________

Interview in der „Berliner Behindertenzeitung“
_____________________________________________________________________________________

„…BBZ: Der Buchtitel „Schon immer ein Krüppel“ ist ja heftig. Wie kamen Sie auf diesen Titel? Was steckt dahinter oder soll es nur verkaufsfördernd sein?

Benjamin Schmidt: Es soll allenfalls eine Herausforderung sein, verkaufsfördernd ist das nur bedingt. Der Begriff „Krüppel“ soll auf diese Weise relativiert werden. Ich empfinde Menschen mit Behinderung gegenüber anderen nicht als weniger Mensch, soll heißen, wir alle haben unsere Makel und Unzulänglichkeiten, unsere Schrammen und Abschürfungen. Wir leben damit, versuchen ihrer Herr zu werden. Das Leben hinterlässt seine Spuren auf jedem von uns. Das Schöne ist, wir haben die Möglichkeit, es uns gegenseitig etwas zu erleichtern, das sollten wir nutzen.

[…]

BBZ: Anfang des Jahres ist der Kurzgeschichtenband „Fuck[dis]Ability“ erschienen. Worum geht es in diesem Buch?

Benjamin Schmidt: Ich habe dieses Buch zusammen mit Franziska Appel geschrieben, die auch für die enthaltenen Illustrationen verantwortlich ist. Wir haben da eine Sammlung lustbetonter Erzählungen veröffentlicht, die auf ganz unterschiedliche Weise Menschen mit Behinderungen in erotischen Situationen beschreiben, und vermeintliche Makel zu einem sinnlichen Lustgewinn erheben, mal sehr betont, mal indirekt. Sexualität ist so vielfältig und wandelbar, wie die Menschen selbst, und natürlich gehören behinderte Menschen ebenso dazu. Diversität verdient mehr Platz, auch in erotischer Literatur. Wir haben dazu sehr viel positives Feedback bekommen und konnten eine Menge lernen. Das freut uns natürlich…“

Zum kompletten Interview bitte hier entlang.
_____________________________________________________________________________________

Interview im „Outscapes“-Magazin
_____________________________________________________________________________________

„… Benjamin, was war damals der Grund, überhaupt dieses Buch zu schreiben? Ein Ventil? Sensibilisierung?

Während meiner Rehabilitation hatte ich das Gefühl, dass Selbstbetrug für viele eine anerkannte Methode zur Verarbeitung einer Behinderung darstellt. Ich schreibe, wenn ich eine Geschichte habe, und Geschichten hatte ich damals viele. Zu erleben, was ich während dieser Zeit erlebt habe, hat ja nun nicht gerade jeder das Vergnügen. Außerdem war ich oft einsam, hatte viel Zeit zum Nachdenken … besondere Lebensumstände, Einsamkeit und Raum für die eigene Gedankenwelt, wann wäre der Zeitpunkt besser, ein Buch zu schreiben? Warum es gerade dieses Buch werden sollte? Meine Methode, diese besonderen Umstände zu verarbeiten war Selbstreflexion. Ich habe meine Gedanken dazu in dieser Geschichte ein Stück weit offengelegt und nachvollziehbar gemacht. Ich wollte nichts mehr schönreden, dabei aber die Schönheit nicht außer Acht lassen. …“

Zum kompletten Interview im „Outscapes“-Magazin folgen Sie bitte diesem Link.
_____________________________________________________________________________________

Rezension von Pia Lüddecke
_____________________________________________________________________________________

„Ich liebe Jugendromane, die eigentlich keine sind, weil sie in die Tiefe gehen und die Sätze auch mal aus mehr als drei Wörtern bestehen. Allerdings stürze ich mich in letzter Zeit fast nur noch auf Geschichten, die mindestens ein übernatürliches Wesen enthalten oder die Existenz eines solchen Wesens zumindest theoretisch in Erwägung ziehen. Dass ich mir zur Abwechslung einen Roman über eine Jugend mit Querschnittslähmung ausgesucht habe, hatte zwei Gründe. Erstens war ich ein bisschen neugierig auf eventuelle autobiografische Bezüge (der Autor ist selbst inkomplett querschnittsgelähmt). Zweitens weiß ich aus diversen Short Stories und Gedichten, wie toll er schreibt. Und ich wurde auch diesmal nicht enttäuscht.

Benjamin beherrscht es, selbst Texten, die in der kalten Realität angesiedelt sind, einen poetischen Klang zu verleihen. Eingebettet in diese, ich nenne es mal dunkle Ästhetik wirken die Alltagsprobleme des behinderten Ich-Erzählers, die dem Leser ungeschönt vor den Latz geknallt werden, um so krasser. Oft werden solche Szenen mit schwarzem Humor und Ironie gewürzt, aber ohne dass es ins Lächerliche gezogen wird oder der Protagonist dadurch seine Würde verliert. Vielleicht liegt es daran, dass sich jemand, der so etwas (oder etwas ähnliches, is’ ja fiktiv) selbst erlebt hat, mehr erlauben darf. Oder die Worte sind einfach sehr gut gewählt. 😉

Zum Leben erwacht die Geschichte übrigens auch durch die authentischen Nebencharaktere und eine Reihe atmosphärischer Schauplätze, von Krankenhaus und Psychiatrie bis hin zum schummrigen Underground-Club. Ihr könnt euch mein Entzücken vorstellen, als mir dann auch noch auf Seite 42 eine ziemlich vampirhafte Figur über den Weg rollt, die mich an eine Mischung aus Lumpi und Edward mit den Scherenhänden erinnert 😁 Bitte mehr davon!“
_____________________________________________________________________________________

Dirk Bernemanns „Untendurch“-Podcast
_____________________________________________________________________________________

Zum Podcast mit Benjamin Schmidt und zu seinem Roman „Schon immer ein Krüppel“ bitte hier entlang.
_____________________________________________________________________________________

„Fick die Musen“ in unserem Onlinestore: bitte hier entlang.
_____________________________________________________________________________________