„Wahnsignale“

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Rezension von Benjamin
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„“Seht dort hinab! Im Mondschein auf den Gräbern hockt eine wild-gespenstische Gestalt –
Ein Affe ist’s! Hört ihr, wie sein Heulen hinausgellt in den süßen Duft des Lebens

Diese Zeilen aus dem Liederzyklus „Das Lied von der Erde“ von Gustav Mahler schießen mir urplötzlich ins Gedächtnis beim Lesen dieses Buches. Und mit ähnlich beschwingter Melancholie der Hörner-Fanfaren gerate ich in einen Taumel mit den alkoholisierten Gedanken des Protagonisten, der versucht zu leben, zu leben und ja, sich selbst zu überleben. Immer tiefer falle ich mit der Melodie der Violinen in die Abgründe, die sich mir, dem Leser, offenbaren. Dunkel, haltlos, achtlos… was ist die wahre Poesie des Lebens, frage ich mich. Ich lese und lese, doch ich finde keine Antworten. Nur schöne Dinge, die mich umgeben. Ein Wahnsinn, dass wir uns von der Liebe entfernen, je fieberhafter wir nach ihr suchen. Aber was ist Liebe? Wissen wir, wonach wir suchen? Und was, wenn wir sie gefunden haben? Was dann? …träumen kann man natürlich noch.“
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Rezension von Dagmar Möbius
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„… In 24 Kapiteln wechseln die Erzählebenen. Was ist Wahrheit, wo beginnt Paranoia? Der Ich-Erzähler legt seinen Protagonisten sprachlich Brillantes in den Mund. Kernig, direkt, ironisch, humorvoll, gelegentlich düster, verzweifelt. Das ist mitunter anstrengend – wie es der Umgang mit vom Wahn Befallenen mit sich bringt. Andreas Hähle reist mit uns durch das Seelenleben eines feinfühligen Menschen. Einen, den (s)eine zerstörte, zerrissene Gesellschaft umtreibt. In psychiatrischen Klinikberichten liest man heute in solchen Fällen von schlecht oder gar nicht akzeptierten „biografischen Gewordenheiten“, denen am besten mit Pharma-Querelen beizukommen ist.

Der Autor glaubt an die Kraft der Liebe. Und er verschafft denen Gehör, die sich eine andere, eine menschlichere, Gesellschaft wünschen. Das sollte Pflichtlektüre für alle sein, die ostsozialisierte Menschen verstehen wollen. Denn: „Zerrissen wird man nur dann, wenn man gar nichts tut.“

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Lesungsbericht auf „Deutsche Mugge“
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„… Nach kurzer und herzlicher Begrüßung durch Hans-Dieter Hormann begann Hähles Vortrag etwas früher wie ursprünglich angekündigt. Die Handlung seines Romans spielt zu Beginn der neunziger Jahre, kurz nach dem Ende der DDR, in einer Stadt an der Ostseeküste. Der Verlag beschreibt den Inhalt des Romans als „Reise durch das Seelenleben eines Menschen und einer zerstörten, zerrissenen Gesellschaft“, und das fängt es eigentlich in einem kurzen Satz auch ein. Amüsant beschreibt Hähle die Erlebnisse und Erfahrungen seines fiktiven Helden in der Zeit des radikalen Umbruchs in die neue, aber genau genommen auch nicht viel bessere Gesellschaftsordnung. Die Zeit der großen Freiheit währte nur ein Jahr. Was folgte war der Wechsel vom Regen in die Traufe. Die Zuhörer bekamen von der „Stimme für die Seele“ eine geschickt gewählte Auswahl von Episoden aus dem Buch vorgelesen, die einen guten Eindruck des Ganzen vermittelten, aber längst nicht alle Geheimnisse der Geschichte verrieten. Man wurde in knapp einer Stunde vom Hähle neugierig auf mehr gemacht und es war eine kurzweilige Angelegenheit, dem Autor und seiner Geschichte zuzuhören. Als Lohn für seine Lesung erntete Hähle reichlich Applaus und die Neugier der Leute, die das Buch bis hierher noch nicht kannten, war geweckt.“

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Rezension von Ina Schulze
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„Lese mich durch ein Buch, dass seinen Protagonisten durch Abgründe des Denkens führt, aller möglicher Art Schlamassel, bizarr und doch wieder ganz und gar einleuchtend. Von Selbstliebe ist nicht viel zu spüren. Eher eine Selbstignoranz. Wahn und Wahrheit sind Zwischenstufen des Annehmens, des Soseins. Und wenn ich es lese, habe ich ein tiefes Verständnis für diesen Menschen, der sich durch die Zeit treibt, sich ihr annähert, verschlungen und im Ganzen unverdaut und unzerkaut wieder ausgespuckt wird. Festhalten würd ich ihn wollen. Aber nie Halt sein können. Unerbittlich ist es. Das Dazwischen.“
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Rezension von Mone
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„Dieses Buch ist ein philosophisches Manifest. Der Autor versteht es, den Leser in einen Sog zu ziehen und er lehrt uns das Nachdenken und Hinterfragen über die einfachen Dinge des Lebens genauso, wie über das, was tiefer geht, also Liebe, Existenz und die damit verbundenen Ängste. Und dennoch (das ist das meisterhafte an diesem Buch), es ist keine Sekunde lang langweilig oder staubtrocken. Der Autor schreibt mit einem Humor, der den Leser auch mal über sich selbst lachen lässt. Das Buch ist meiner Meinung nach ein Bereicherung für jeden, ob jung oder alt, Mann oder Frau. Großartig!!!!“
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Interview im „Outscapes“ – Magazin
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… Andreas, wann entstand „Wahnsignale“? Und war das Buch neben einem Rückblick auf die Verwerfungen der Wendezeit vielleicht auch ein unbemerktes Gleichnis, eine Ahnung auf das auf Dich Zukommende?

Die Idee zu dem Projekt „Wahnsignale“ kam mir bereits Anfang der 90er Jahre. Ich lebte damals noch in Stralsund und war tagtäglich mit den Verwerfungen und Traumata dieser Jahre bei den DDR-Bürgern konfrontiert. Es begann ja mit einer unglaublich wärmenden Kraft des Aufbruchs und des Neubeginns und da war auch ein riesiger Sog an Gestaltungswillen ganz unterschiedlicher Art und Intentionen. Die Menschen begannen Ideen zu entwickeln und zu entfalten. Plötzlich wurde alles umgedreht, die Ideen und Aktivitäten hatten keinen Wert mehr, sie passten nicht zu dem neuen Land, in welches die Menschen eingesogen wurden. Es sollte ursprünglich eine Kurzgeschichte werden, aber sie wurde länger und länger. Ich fand in meinem Kopf immer mehr Material dazu und die Handlung wollte sich weiter entwickeln. Irgendwann habe ich die Arbeit dann unterbrochen, weil ich mit dem Sujet nicht mehr weiterkam, aber auch, weil ich natürlich sehr viele andere Dinge im Kopf hatte und nicht wirklich eine Möglichkeit gesehen habe, bei einer eventuellen Fertigstellung dieses Projekts auch eine Veröffentlichung herbeiführen zu können. Irgendwann fand ich auf der Suche nach einer anderen Materialsammlung für ein anderes Projekt diesen Text wieder, las und stellte ihn fertig. Er wurde dann ganz anders als gedacht, aber so fand ich ihn gut. Eine Ahnung ist vielleicht immer da, von dem was kommt, was kommen könnte, was sein könnte, jedenfalls immer dann, wenn man sehr in die Tiefe schaut. Und bei diesem Roman habe ich sehr in die Tiefe geschaut. Der Protagonist bin ja nicht ich, das ist ein Konglomerat aus anderen Menschen, denen ich begegnet bin und auch ein Resultat aus vielen Gesprächen mit Freunden.

Wie würdest Du mit wenigen Worten „Wahnsignale“ beschreiben und wie erklärst Du Dir seinen Erfolg?

Erfolg? Nun, wenn der Roman ein Erfolg ist, kann ich ihn mir nicht erklären. Ich finde, es ist das schwerste Stück Literatur, welches ich je geschrieben habe. Schwer für mich beim Schreiben und ich dachte, er wäre auch sehr schwer zu lesen. Einige haben mir das auch bestätigt, wiederum andere kamen sehr gut damit zurecht und empfanden es eher als ein leicht zu konsumierendes und nachzuvollziehendes Werk. Vielleicht trifft es einfach den Zeitgeist, den Stand der derzeitigen Aufarbeitung der eigenen persönlichen Erlebnisse aus den 90er Jahren und der Erkenntnisse, zu denen man dabei gelangt. Und es werden viele tiefgehende Gedanken in Selbstmonologen des Protagonisten geäußert, die vielleicht doch für viele leichter nachvollziehbar sind als ich es beim Schreiben annahm. Ein bisschen kann es auch an der Sprache liegen, derer ich mich bediene. Diese und die Stilistik ist meine ureigene. Ich erzähle schon anders als andere Autoren. Nicht um mich abheben zu wollen, ich erzähle einfach so. Ich liebe Metaphern und Allegorien und Gedankenspiele sehr. …

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Nachruf von Volly Tanner im „Frizz“-Magazin
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„… Hähle war ein Schmunzler, einer, der auch in dunklen Momenten noch eine Weisheit übrig hatte. Er verteilte Wärme und Zuneigung, als ob die Töpfe dafür unendlich groß gewesen wären. Doch selbst in seinen granteligen Zwischentönen war er edel. Sein letztes Buch „Wahnsignale“ – erschienen in der sensibel herausgegebenen Edition Outbird, zeigt genau dies: man kann auch heute leise sein und Wirkung entfalten.

Als er nach Leipzig zog, kam er an. Hier war die Frau seines Lebens zu Hause. Seine Freunde aus Berlin-Köpenick blieben ihm treu, seine Lieder wurden weiterhin im Radio gespielt. Er schrieb und schrieb – und öffnete die Tore zu seinem Kampf mit der fiesen Krankheit ganz weit, sprach anderen Menschen Mut zu und gewann neue Freunde.

In Zeiten wie den unseren, in denen allerorten propagiert wird, dass Gier und Raumnahme die Ziele jedes Menschen sein sollten, stellte er sich faszinierend kraftvoll gegen Trends und wurde dadurch zu einem Vorreiter. Wer nicht zuschlägt, nur weil es scheinbar normal ist, wer eben nicht schreit und besser weiß; der hat die Chance, ein klein bisschen wie Andreas Hähle zu sein. …“

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„Wahnsignale“ in unserem Onlinestore: bitte hier entlang.
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