Zum Aktionstag Behinderung: Unsere Inklusionstitel

Anlässlich des heutigen „Europäischen Aktionstages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“ – kurz: „Aktionstag Behinderung“ – dürfen wir auf unsere Verlagstitel hinweisen, die sich dem Themenkomplex der Inklusion, und damit über gleichberechtigte Teilhabe und Selbstbestimmung körperlich beeinträchtiger Menschen hinaus, widmen. Belletristik, die sich vielfältig und spannend Erlebenswelten und Stoffen um Blindheit, Depression und Psychiatrie (Jennifer SonntagSeroquälmärchen„), häusliche Gewalt gegen einen Mann (Tami WeissenbergDarjeeling Pur„), Inhaftierte (Corina GutmannKopfkino„), Sexualität und Behinderung (Franziska Appel & Benjamin SchmidtFuck[dis]Ability“ oder inkomplette Querschnittslähmung (Benjamin Schmidt „Schon immer ein Krüppel„) widmet.

Neben diesen bereits erschienenen Titeln sind für dieses Jahr zwei weitere in Vorbereitung: „Geschichten aus einer anderen Welt“ von Herausgeberin Lisa Swietek mit Texten Inhaftierter aus der Sicherheitsverwahrung sowie „Grenzverluste“ von Manuela Staschke-Sautter, einer Kurzgeschichten- bzw. Stilllebensammlung psychischer Erkrankungen und Konfliktherde. Die Kurzbeschreibung beider Bücher können Sie diesem Link entnehmen.

Mit dem Kauf und der Lektüre dieser Bücher bekommen Sie nicht nur fesselnde Einblicke in Romanstoffe, Prosa und Lyrik, die nach wie vor eine gesellschaftlich vernachlässigte Wahrnehmung erfahren, Sie unterstützen damit auch direkt deren AutorInnen. Unter diesem Link gewinnen Sie eine Übersicht über unsere Inklusionstitel im Verlagsshop – wir freuen uns, Sie als neue LeserInnen begrüßen zu können!
_____________________________________________________________________________________

Edition Outbird: eine Verlagsvorschau 2020

Mit einer Verlagsvorschau dürfen wir an dieser Stelle in Kurzform unsere große Freude ob des bevorstehenden Verlagsprogrammes mit Ihnen teilen, an dem wir bereits eifrig arbeiten:

2. Quartal

Lisa Swietek (Hrsg.) „Geschichten aus einer anderen Welt“: Texte aus der literarischen Arbeit Lisa Swieteks im Maßregelvollzug und damit aus einer anderen Perspektive. „Geschichten aus einer anderen Welt“ knüpft an Corina Gutmanns „Kopfkino“ an.

Benjamin Schmidt „Schon immer ein Krüppel“: Schon immer ein Krüppel“ erzählt von surrealen Begegnungen in der Psychiatrie, von Sex im Rollstuhl, geistiger Barrierefreiheit und vom „Umgang mit gesunden Menschen“. Schauplatz ist das Leben selbst, das Innenleben eines traurigen Protagonisten, der jeden Atemzug in Frage stellt, versunken in seinen ganz eigenen Unzulänglichkeiten. Nun erscheint die Neufassung des schwarzhumorigen Jugendromans, die uns einen ganz neuen Blickwinkel auf das Leben eines Jungen gewährt, der sich aufgrund eines tragischen Schicksalsschlages komplett neu zu erfinden sucht. In der Filmbranche würde man von „Deleted Scenes“ sprechen, die aber in diesem Fall weit mehr als Bonusmaterial darstellen, viel eher die Essenz dieser Geschichte pointieren.

M. Kruppe hat es wieder getan. Mit dem Prosa- und Gedichtband „Geschichten vom Kaff der guten Hoffnungen“ präsentiert der Thüringer Autor und Rezitator ein weiteres Sammelsurium aus schrägen Gestalten, die die Ränder der Gesellschaft tangieren, seziert vermeintlich alltägliche Situationen und legiert seine Beobachtungsgabe mit zuweilen deutlicher Kritik am Konstrukt Gesellschaft. Eindringlicher noch ist er geworden, und auch seine Poesie hatte Zeit zu reifen. Kruppes Lektüre geht nicht einfach vorüber, sie geht in die Tiefe. Und Kruppe wäre nicht Kruppe, würde er seinen literarischen Weg, seine Lesungen, nicht stets mit einer Prise schrägem Humor garnieren.

Christian Mahlow „Die Walin“: Die Walin erzählt vom einsamen und absurden Kampf eines Mannes um das Überleben eines Zwergwal-Weibchens. Der zurückgezogene Mann hatte die Walin schon viele Male im Ozeanarium bewundert, als sie eines Morgens plötzlich in seinem Wohnzimmer liegt. Fieberhaft bemüht er sich, Hilfe zu holen. Seine verzweifelten Bemühungen sind ein Grenzgang zwischen unerfüllter Liebe, Schuldgefühlen und Selbsterkenntnis.

Gerry X „Dilemma Nullzone“: … den Windungen der Imagination folgend, die nun mal allein die realen Dinge schafft … – Das sagte der Surrealist Andre‘ Breton im Jahre 1929. Und Dilemma Nullzone ist surreal. Genauer: der Roman – der kaum herkömmlichen Erzählformen folgt- ist ein prosaisches Manifest des surrealen Dadaismus. Die Protagonisten sind gefangen in einer ewigen Gegenwart. Becket‘s Godot taucht auf und enttäuscht. Dostojewski‘s Sonja aus „Schuld und „Sühne veranlasst die Bagagge sich auf den Weg zu machen um die Freiheit zu finden. Die Nullzone wir bereist…


3. Quartal

Mona Krassu „Falsch erzogen“: Solveig Eckstein hat viele Träume. Zum Beispiel, eine herausragende Schauspielerin zu werden. Sie ist ein hübsches und intelligentes Mädchen. Sie liebt Gedichte, liest, wenn andere Kinder spielen. Aber sie wächst in der DDR auf. Was passiert in einer Diktatur mit Kindern, die schon als Schüler nicht ins sozialistische System passen? Weil sie die Songs von Udo Lindenberg toll finden? Weil sie frei leben wollen? Die Genossen und Funktionäre in der DDR haben Ihre Methoden. Sie nutzen auch die Mittel der Medizin, wenn es darum geht, junge Menschen auf Linie zu bringen. Wie Mädchen und junge Frauen in den sogenannten Tripperburgen gedemütigt und misshandelt wurden, war unfassbare Realität in diesem Land. Im Roman „Falsch erzogen“ erzählt Mona Krassu die Geschichte eines dieser Mädchen.

Tami Weissenberg „Weg ins Leben“: Die Fortsetzung von Darjeeling Pur nimmt die Leserschaft mit auf einen Weg, welcher in ein neues und völlig unbekanntes Leben führt. Jede mögliche und und unmögliche Chance wurde ergriffen – um zu vergessen, zu wachsen, zu begreifen und zu flüchten. Der Preis dafür scheint bis heute hoch, manchmal gar unbezahlbar. Doch selbst dem Unvernünftigen sollte man am Ende mit Vernunft begegnen, sonst wäre es ein Verrat an der Vernunft.

Arne Ulbricht „Schilksee 1990“: Arne Ulbricht hat einen aufwühlenden, rasanten und witzigen Roman geschrieben, in dem er die Generation Fridays-for-future (oder YouTube) der Generation Wiedervereinigung (oder Telefonzelle) gegenüberstellt. Und nebenbei erzählt er von einer Amour fou: So wie Fabian und Juli lieben, kann man nur mit siebzehn lieben. Inmitten dieser Reise durch die Zeit und ins Herz seiner Vaterrolle besticht „Schilksee 1990“ durch einen fesselnden Blick für Details, Szenen und Augenblicke.

4. Quartal

Roland Spranger, preisgekrönter Krimiautor und Theaterregisseur aus Hof, wird in der „Edition Outbird“ Short Stories und Erzählungen veröffentlichen. Er bleibt zwar dem Krimigenre verhaftet, verlässt aber das Romanformat und begibt sich in dunklere Gefilde.

Manuela Staschke-Sautter begibt sich in ihren beklemmenden Miniaturen in die Welt der menschlichen Psyche. Sie zeichnet in ihren Erzählstücken Gefühlslandschaften von Depression, Narzissmus, Borderline, Magersucht oder drogeninduzierten Psychosen und bildet damit ein Draufsicht auf die Vielfalt psychischer Grenzgänge nach. Nicht zuletzt, um den bis heute tabuisierten Themenkomplex psychischer Erkrankungen in die Öffentlichkeit zu tragen und zur Diskussion anregen zu können.

Bis zur letztendlichen Veröffentlichung eines Buches sind immer noch Änderungen in Inhalt, Titel und Erscheinungsdatum möglich, und auch der Überblick über kommende Veröffentlichungen ist immer in Bewegung. Wir bitten Sie, dies zu berücksichtigen, gern an unserer Arbeit dranzubleiben und wünschen Ihnen ein fesselndes Lesejahr 2020.

Bildnachweise: Edition Outbird, Franca Bartholomäi
________________________________________________________________________________________

Herzlich willkommen: Lisa Swietek

Lisa Swietek ist Juristin im Justizvollzug und leitet seit 2018 den Literaturkreis der Sicherungsverwahrung der JVA Werl. Als solche wird sie bei uns im 2. Quartal 2020 die Anthologie „Geschichten aus einer anderen Welt“ veröffentlichen, die Texte aus einer anderen Perspektive – dem Maßregelvollzug, einer Unterbringungsform, die sich an den Strafvollzug anschließt, enthält. Diese knüpft an die bei uns von Corina Gutmann bereits veröffentlichte Anthologie „Kopfkino“ an. Wir sind gespannt auf die Arbeiten aus diesem Spannungsfeld literarischer Arbeit und heißen Lisa Swietek herzlich willkommen!
________________________________________________________________________________________