Literaturrat Thüringen veröffentlicht Podcast zur „Edition Outbird“

Sehr gern sind wir der Bitte des Thüringer Literaturrates nachgekommen, die „Edition Outbird“ und den Initiator und Verleger Tristan Rosenkranz in einem Podcast näher vorzustellen. M. Kruppe hinterfragt frühe & spätere Einflüsse, den Weg zur Verlagsgründung, die Begegnungen & Vielfalt der Verlagsarbeit… Der Podcast ist ab sofort auf der Website des Literaturland Thüringen unter diesem Link zu hören. Herzlichen Dank, Jens Kirsten!
_____________________________________________________________________________________

„Mir ging es darum, nicht zu vergessen, wie viel Unrecht in einer Diktatur geschieht, ohne dass jemand hinsieht.“ – Mona Krassu im Interview zu „Falsch erzogen“

Mona Krassu veröffentlichte ihren dritten Roman „Falsch erzogen“ unlängst in der Edition Outbird und damit eine umfassende Geschichte über die Entwicklung und das Schicksal eines Mädchens, das die Scheidung ihrer Eltern miterlebt und mit ihrem zunehmenden Aufbegehren gegen den Stiefvater und den Diktaturstaat DDR immer mehr in Konflikt gerät. „Falsch erzogen“ ist von einer atmosphärischen Dichte, die den Leser bald glauben lässt, selbst Bestandteil der elterlichen sowie Konflikte mit der Obrigkeit, ihrer Gespräche mit der Schauspielerin Eleonore Sattler oder ihrer Streifzüge als Herumtreiberin zu sein.

Mona, in Deinem Roman „Falsch erzogen“ greifst Du den Umgang mit geschlechtskranken Mädchen und Frauen in der DDR bzw. deren Einweisung in sogenannte „Tripperburgen“ ohne medizinische Indikation auf. Wie kamst Du zu diesem wenig bekannten Thema der DDR-Aufarbeitung?

Ich hörte dazu einen Beitrag auf MDR Kultur und war sofort gebissen von diesem Thema. Bei ersten Recherchen stieß ich auf das Sachbuch „Disziplinierung durch Medizin“ von Florian Steger und Maximilian Schochow. In mir brannten Fragen, z.B. was wurde genau mit diesen Mädchen und Frauen gemacht? Was hatte das für Folgen für ihr späteres Leben? Viele Mädchen waren noch Jungfrau und in der Pubertät, also in einem Alter, in dem sie die Geschehnisse nicht einordnen konnten und deshalb irgendwann wirklich glaubten, sie seien Abschaum und nichts wert. Ich selbst war erschüttert über die Vorgehensweise von Ärzten und Schwestern in den sogenannten Tripperburgen der DDR und entschloss mich, diesen Roman zu schreiben, um die Gräuel für andere fühlbar zu machen. Das klingt jetzt vielleicht nach Sensationslust. Mir ging es aber darum, dass wir nicht vergessen, wie viel Unrecht in einer Diktatur geschieht, ohne dass jemand wirklich hinsieht und hinterfragt. …

Buch im Verlagsshop: Bitte Cover anklicken.

Das gesamte Interview finden Sie in unserem Onlinemagazin „Outscapes„.

Bildnachweis: Adelheid Garschke, Edition Outbird
_____________________________________________________________________________________

Holger Muchs Vorwort zu M. Kruppes „Geschichten vom Kaff der guten Hoffnung“

Zu M. Kruppes Lyrik- & Kurzgeschichtenband „Geschichten vom Kaff der guten Hoffnung“ bedanken wir uns herzlich bei Holger Much für sein Vorwort:

„Kruppe schaut hin.

Die erste Begegnung, die ich mit M. Kruppe hatte, fand vor nun doch schon geraumer Zeit in Karlsruhe und dort wiederum in Mozarts Garten statt. Später sorgten Kruppe, Benjamin Schmidt und David Gray im durchaus malerischen, wenn auch etwas sinistren Keller des Umbra-et-Imagoschen Anwesens für eine legendäre Lesenacht, während ich selbst dort einige meiner Bilder ausstellte.

Zuerst aber gab es im von einem kleinen sympathischen Urwald umgebenen Pavillon Willkommensgetränke. Bei vom bestens gelaunten und derbe Schwänke zum Besten gebenden Hausherrn serviertem Bier, bei Cola und Kaffee plauderte man angenehm in den dunkelkulturelle Genüsse versprechenden Abend hinein. Und schon damals hat mich der erste Anblick von Herrn Kruppe nachhaltig beeindruckt – ringgeschmückte Finger, schwarze Weste und nach hinten gekämmte Haare summierten sich für mich zum faszinierenden Bild eines Poeten mit stilvollem Rockabilly-Punk-Flair.

Der optische Eindruck sollte sich später bei der Lesung bestätigen sowie bei zahlreichen späteren Begegnungen verfestigen. M. Kruppe ist im besten Sinne ein Poet der Straße, ein Poet der kleinen flüchtigen Alltagsaugenblicke und der Geschichten jenseits der großen Worte.

So widmet er auch seine „Geschichten vom Kaff der guten Hoffnung“ jenen Schicksalen und Momenten, die andere nicht einmal wahrnehmen. Das tut er mit poetischer Schlichtheit und Ehrlichkeit, manchmal mit Schmerz im Herzen, manchmal mit interessierter Distanz. So zeichnet er unsentimentale und gerade deshalb berührende Bilder von Menschen am Rande unserer Gesellschaft, Menschen, die sonst allzu gern aus dem Blickfeld verschwinden. Dies tut er mit einer solchen Direktheit, dass man sich schnell fallen lassen kann in jene Geschichten aus den Schatten der Kneipen, der dunklen Straßen und verpassten Lebenschancen. Ich habe sein Buch im wahrsten Sinne des Wortes verschlungen und das passiert mir äußerst selten.

Es sind stille Geschichten. Sie brauchen kleinen Lärm, keine großen Gesten. Manchmal brauchen sie nicht einmal so etwas wie einen klaren Abschluss oder gar eine Pointe. Beendet das Leben Geschichten hollywoodlike? Schreibt das Leben Pointen? Vielleicht tut es das sogar ab und zu. Doch meistens erzählt es einfach, weiter und immer weiter, und die kleinen besonderen und magischen Momente, die schüchterne Schönheit und die Faszination des grauen Alltags fließen ungesehen vorbei – fast.

Kruppe gibt diesen kleinen Geschichten den Platz und ihren oft traurigen, gefallenen Protagonisten die Beachtung und Würde, die sie verdienen. Wenn die Verlorenen bei Steve’s ihre Stunden und Tage und Leben verbringen, verrauchen und vertrinken, dann schaut Kruppe genau hin, beschönigt nicht und romantisiert schon gar nicht. Andererseits versucht er aber auch nie, wie beispielsweise Heinz Strunk im „Goldenen Handschuh“, durch extreme Darstellungen und Ekel für leserische Sensationen zu sorgen.

Kruppe schaut hin, sieht, fühlt und schreibt. Und Kruppe legt seine Welt dem Leser so dar, wie sie sich ihm darbietet – klar, kompromisslos, ganz ohne falsche Sentimentalität, authentisch. Dennoch – oder gerade deshalb – atmen seine faszinierenden, fesselnden Alltagsskizzen Poesie, Wahrhaftigkeit und Mitgefühl. Und das scheint mir doch etwas vom Schönsten zu sein, was man über ein Buch sagen kann: Poesie, Wahrhaftigkeit und Mitgefühl. Es ist mir eine Ehre, es illustrieren zu dürfen.

Holger Much, Albstadt, 8. Juni 2020″

„Geschichten vom Kaff der guten Hoffnung“ kann in unserem Onlinestore bestellt werden. Herzlichen Dank!

Bildnachweis: Frank Luger
_____________________________________________________________________________________

„„Dilemma Nullzone“ ist die symbolische Darstellung meiner inneren Wirklichkeit: die noch immer zerbombten Häuser, Horden von Ratten…“ – Gerry X im Interview zu „Dilemma Nullzone“

Im Mai 2020 veröffentlichte Gerry X, nach einer selbst für Edition Outbird ungewöhnlich langen Reifephase, seine Novelle „Dilemma Nullzone“, ein Stück Erzählkunst, das herkömmliche Genres sprengt bzw. außer Acht lässt. Ein kleiner Haufen abseitiger Charaktere macht sich auf den Weg, den von Rosa Luxemburg definierten Freiheitsbegriff zu erkunden. Die Erde, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Folglich rasen sie mit ihrem Gefährt über stinkende Hügel zivilisatorischen Restmülls, im Buch auch „planetarische Restmülldeponie“ genannt.

Gerry, entspricht die von dir beschriebene dystopische und charakterliche Welt in „Dilemma Nullzone“ deiner Innenwelt? Oder einer Vision?

Zunächst … innere Welt? Ich bevorzuge von der „inneren Wirklichkeit“ zu reden. Das Wort Welt, oder genauer: der Begriff Welt impliziert eine Totalität, ein Ganzes, das wir nicht erfahren können. Wir begegnen unserer zerrissenen inneren Wirklichkeit, zugleich von Erfahrungen geschaffen und zugleich diese Erfahrungen formend, gestaltend… Wir sind nur Fetzen der Welt… Lass mich Rimbaud zitieren: „Was kann das Blech dafür, wenn es als Trompete erwacht? Und ICH ist immer ein anderer.“ Insofern ist die je eigene Wirklichkeit dystopisch – ein surrealer Dadaismus. Also … sagen wir… „Dilemma Nullzone“ ist die symbolische Darstellung meiner inneren Wirklichkeit: Köln in meiner Kindheit, die auch noch Ende der sechziger Jahre immer noch vorhandenen zerbombten Häuser – unsere Spielplätze. Und Ratten … Horden von Ratten … das prägt und wirkt prägend… Ach ja! Vision! Da lass ich doch mal Jean Genet zu Wort kommen: „Dichtung ist eine Vision der Welt, die erreicht wird durch eine manchmal erschöpfende Anstrengung des gespannten Willens.“ Also … ich bin das Dilemma…

Buch im Verlagsshop: Bitte Cover anklicken.

Das gesamte Interview finden Sie in unserem Onlinemagazin „Outscapes„.

Bildnachweis: Emily Schmidt, Edition Outbird
_____________________________________________________________________________________

Herzlich willkommen: Myk Jung

Myk Jung ist als Frontmann von „The Fair Sex“ eines der Urgesteine der deutschen Gothicszene und war seit den frühen Achtzigern in zahlreiche musikalische Kooperationen, unter anderem mit Project Pitchfork, Das Ich und Girls Under Glass, involviert. Als Musikjournalist arbeitet er für den „Sonic Seducer“ und das „Gothic“-Magazin.

Im 4. Quartal veröffentlicht Myk Jung gemeinsam mit Klaus Märkert eine schwarzhumorig-verstiegene Sammlung von Short Stories in der Edition Outbird. Wir freuen uns drauf und heißen Myk Jung aufs Herzlichste willkommen!
_____________________________________________________________________________________

Herzlich willkommen: Roland Spranger

Mit Roland Spranger begrüßen wir einen preisgekrönten Krimiautor, der bereits auf zahlreiche Veröffentlichungen zurückblickt und nicht zuletzt als Theaterregisseur und  Veranstalter nicht nur in seiner Heimatstadt Hof kulturpolitisch sehr aktiv ist. Die Theaterstücke des hautpberuflich in Wohngruppen geistig behinderter Menschen tätigen Betreuers wurden unter anderem in Straßburg, Stuttgart, Karlsruhe, Nürnberg und Greifswald aufgeführt.

In der Edition Outbird veröffentlicht Roland Spranger Ende 2021 eine Sammlung geradliniger, bisweilen verstiegener und wunderbar rotziger Krimi-Short Stories und ist damit neben Stefan B. Meyer zu unserer Freude als weiterer Krimiautor herzlich zu begrüßen!
_____________________________________________________________________________________

Zweiter Verlegerpodcast online

Im nunmehr zweiten Verlegerpodcast spricht M. Kruppe mit Tristan Rosenkranz über dessen und gemeinsame musikalische Wurzeln, über die eigene, frühe Musiklandschaft und -beschaffung, über das Anderssein und erste, nachhaltige Berührungen mit Ostpunk und aufkeimender Gothic-Kultur, aber auch über pubertären und späteren Weltschmerz, schwarze Löcher in der Familie und etwaige musikalisch-literarische, wechselseitige Beeinflussungen. Zum Podcast geht es hier entlang.

Wir freuen uns auf Sie!
_____________________________________________________________________________________

„Inklusiv bedeutet ja nur, die Vielfalt und Heterogenität unserer Gesellschaft als grundlegend wahrzunehmen.“ – Benjamin Schmidt im Interview zu „Schon immer ein Krüppel“

„Unlängst erschien in der „Edition Outbird“ mit Buch #33 Benjamin Schmidts neuaufgelegter, aktualisierter Roman „Schon immer ein Krüppel“ (aktuell im Verlagsshop mit gratis Postkartenset erhältlich). Wie der Titel erahnen lässt, handelt es sich um Benjamins ureigene Auseinandersetzung mit dem Tag Null, ab dem er vor der Herausforderung stand, sich als nunmehr Querschnittsgelähmter in dieser Welt zurecht zu finden. In einer Welt, in der plötzlich jede Menge – innere wie äußere – Barrieren auftauchten, von der man als gesunder Mensch oftmals nichts mitbekommt. Möglicherweise, weil man sie ausblendet.

Benjamin, was war damals der Grund, überhaupt dieses Buch zu schreiben? Ein Ventil? Sensibilisierung?

Während meiner Rehabilitation hatte ich das Gefühl, dass Selbstbetrug für viele eine anerkannte Methode zur Verarbeitung einer Behinderung darstellt. Ich schreibe, wenn ich eine Geschichte habe, und Geschichten hatte ich damals viele. Zu erleben, was ich während dieser Zeit erlebt habe, hat ja nun nicht gerade jeder das Vergnügen. Außerdem war ich oft einsam, hatte viel Zeit zum Nachdenken … besondere Lebensumstände, Einsamkeit und Raum für die eigene Gedankenwelt, wann wäre der Zeitpunkt besser, ein Buch zu schreiben? Warum es gerade dieses Buch werden sollte? Meine Methode, diese besonderen Umstände zu verarbeiten war Selbstreflexion. Ich habe meine Gedanken dazu in dieser Geschichte ein Stück weit offengelegt und nachvollziehbar gemacht. Ich wollte nichts mehr schönreden, dabei aber die Schönheit nicht außer Acht lassen. …“

Buch im Verlagsshop: Bitte Bild anklicken.

Das gesamte Interview finden Sie in unserem Onlinemagazin „Outscapes„.

Bildnachweis: Emily Schmidt, Edition Outbird
_____________________________________________________________________________________

Leseperformance & Musikvideos von A. Kores, C. Liedtke & Klinke

Das wunderbare Darkstreamfestival 2020 ist Geschichte. Was bleibt, ist unter zahlreichen herausragenden Momenten dieses Video des Rhizom-Künstlerkollektivs Halle-Leipzig. Die beeindruckenden Leseperformances unserer beiden Autoren Christoph Liedtke & Axel Kores sind hier eingebettet in zwei Musikvideos ihres mit Mark Hornbogen betriebenen Bandprojektes Klinke. Sollte man sich unbedingt antun, falls nicht schon zum Festival erlebt.
_____________________________________________________________________________________

Erster Verlegerpodcast online

Mit Freuden dürfen wir an dieser Stelle auf unseren ersten Verlegerpodcast hinweisen. Im ersten Teil des „Edition Outbird“-Verlegerpodcasts sprechen Tristan Rosenkranz und M. Kruppe unter anderem über die Initiation des Verlages, den langen Weg bis zur tatsächlichen Realisierung, den Geburtsprozess von und die Leidenschaft für Bücher(n), die Vielfalt der Aufgaben und Erfahrungen, den Unterschied zwischen Schriftsteller und Autor, die Wichtigkeit für potentielle LeserInnen, Buch und AutorIn erleben und erfahren zu können wie auch über einen leckeren Kräuterlikör aus Eigenproduktion. Zum Podcast geht es hier entlang.

Wir freuen uns auf Sie!
_____________________________________________________________________________________