Herzlich willkommen: Oliver Teetz

Oliver Teetz ist ein jahrelang schier rastloser und letztlich in Leipzig angekommener Autor, der in seinen Geschichten die Außengrenzen unserer Gesellschaft ausleuchtet. Subkulturen, Randfiguren, Gescheiterte und Querköpfe bebildern seine manchmal liebevolle, manchmal rotzige Detailverliebtheit, die bald wieder ins schnoddrig Nachlässige gerinnt.. „Sein Schreiben schöpft die Kraft aus der Straße und sucht in den Worten nach den Seelen ihrer Bewohner“ schreibt der gelernte Buchhändler über sich selbst und wer seine Storys liest, wird ihm zustimmen.

Teetz sammelte viele seiner Beobachtungen und Erfahrungen in seinem Engagement für Geflüchtete und gegen Polizeigewalt, er beteiligt(e) sich an Theater- und Kurzfilmproduktionen, Podiumsdiskussionen wie als Mitherausgeber auch am Underground-Literaturmagazin „Fettliebe“.

Im ersten Halbjahr 2020 wird sein Erzählband „Sirenengesänge“ in der „Edition Outbird“ erscheinen. Wir freuen uns über diesen Zuwachs in unserem AutorInnenkollektiv und heißen Oliver Teetz herzlich willkommen!

Bildnachweis: Privat
_____________________________________________________________________________________

„Ich habe Vertrauen in die menschliche Spezies, weil selbst Monster eine Seele besitzen“ – Edek Rose im Interview zu „Schwanenhalsbrücke“

Von Edek Rose erscheint in Kürze sein Lyrikdebüt „Schwanenhalsbrücke“ bei Edition Outbird. Wir stellten ihm ein paar Fragen. Zitat:

„… Wenn man „Schwanenhalsbrücke“ aufschlägt und zu lesen beginnt, scheint der Stoff – so ging es mir zumindest – wie ein Sog, der dich ad hoc in einen Abgrund reißt, in dem du zunächst weder siehst noch hörst, wo du hingeraten wirst. Einzig ein Gefühl breitet sich aus, dass nicht recht beschreibbar ist. Gibt es etwas, was du mit deinen Texten auslösen willst und wenn ja was?

Ich spreche natürlich nicht für andere Menschen, die in irgendeiner Form mit ihrem Leben abgeschlossen haben. Ich wünsche mir natürlich, dass meine Freunde und Familie verstehen können, welche Bilder meine Seele beherrschen, wenn ich mir wünsche nicht mehr zu existieren. Vielleicht kann mein Buch anderen Angehörigen psychisch kranker Menschen die Möglichkeit geben wenigstens mehr Verständnis zu zeigen, anstatt prekäre Situationen durch selbst auferlegte soziale Versagensängste zu verschlimmern. Meine Gedichte stammen aus einer Welt, in welcher charakterschwache Individuen nicht aufhören können, schlechte Entscheidungen zu treffen, weil sie für ihre abartigen Taten so lange belohnt werden bis sie den eigenen Bezug zur Realität verlieren. Tiermetaphern durchziehen mein Werk, die eine sich selbst kannibalisierende Natur zeigen, deren zerrissene Oberflächen alles Lebende verschlingt. Vom unsauber entfernten Fötus bis zum pädophilen Massenmörder: Ihre von der unbarmherzig rasenden Zeit zerfressenen Körper sickern in das exakt selbe Vakuum; in dieser Welt bin ich ausgebeuteter Zeitarbeiter, misshandelte Frau, gewaltsüchtiges Kind und jeder von ihnen teilt einen bestimmten gemeinsamen Weltschmerz, der in meinem Kopf in jedem ruhigen Moment Amok läuft. …“

Buch im Verlagsshop: Bitte Cover anklicken.

Das gesamte Interview finden Sie in unserem Onlinemagazin „Outscapes„.

Bildnachweis: Markus Konetzka
_____________________________________________________________________________________

M. Kruppes Vorwort zu Edek Roses „Schwanenhalsbrücke“

Zu Edek Roses unfassbarem Abgrund packender Lyrik „Schwanenhalsbrücke“ bedanken wir uns herzlich bei unserem Autoren M. Kruppe für sein Vorwort:

Edek Rose ist kein Schriftsteller, kein Autor. Edek Rose ist ein Entführer, ein Kidnapper. Skrupellos legt er seine gut getarnten Fallen aus und sein Jagdglück ist unermesslich.

Kaum die ersten Sätze in Schwanenhalsbrücke gelesen, hat er sein Opfer gepackt, und schleift es mit sich durch die dystopischen Welten eines morbiden Universums.

Und doch ist man hier gern Opfer, auch, wenn seine Worte Punkte treffen, die beinahe körperliche Schmerzen auslösen und man fragt sich: Wer ist dieser wahnsinnig Leben liebende Mensch, der das Leben hasst? Wer ist dieser liebevolle Psychopath, dieser literarische Massenmörder? Wer ist dieser vergewaltigende Humanist?

Vor einigen Jahren stolperte ich über ein Hörbuch, oder vielmehr eine auf einem Album festgehaltene Vertonung von Texten. Verfasst von einem zeitlebens und darüber hinaus umstrittenen Künstler. Gesprochen von einem ebenso, wenn auch nicht im selben Maße umstrittenen Künstler.

Ich war derart begeistert, dass ich etwas tat, was ich nur sehr, sehr selten tue: Dieses „Hörbuch“ lief in Dauerschleife, und auch heute krame ich gern die CD hervor, um mich von Text und Sprache inspirieren zu lassen. Ich besorgte mir auch das Buch und stellte fest, dass es noch wesentlich mehr Werke gibt, die allesamt so verstörend wie sprachlich einzigartig sind. Bis jetzt.

Die Rede ist von „Fieber – Tagebuch eines Aussätzigen“, geschrieben von Klaus Kinski, gesprochen von Ben Becker. Natürlich könnte ich mich an dieser Stelle, sozusagen im vorauseilenden Gehorsam, rechtfertigen, weswegen mich die Texte eines derart umstrittenen Menschen so angesprochen haben und ich gebe zu, irgendwas in mir schreit da gegen mich an. Aber ich habe gelernt, das jeweilige Werk von seinem jeweiligen Erschaffer zu trennen, denn Kunst steht zunächst für sich und erst beim Zweiten Nachhaken bekommt sie eine Biografie, es sei denn, im Werk selbst sind bereits Anstöße zu finden, die moralisch, ethisch und / oder aus humanistischer Sicht nicht vertretbar sind. Und aus eben diesem Grunde werde ich nicht vorauseilen.

Lange suchte ich nach vergleichbarem Textwerk, nach der düsteren Dystopie, nach morbide gewaltigen Metaphern, nach einer Hand, die mich im Genick packt und mit voller Wucht in den tiefen Schlamm der ausgelatschten Menschenpfade drückt, mich nicht loslässt, mich fast zu ersticken droht.

Nein, ich bin kein Masochist. Aber ich sehne mich nach der Anarchie in der Literatur. Ich suchte so lange nach Deutlichkeiten, die sich exibitionistisch und laut schrei(b)end in die Mitte ihrer Welt stellen, sich mit dem Schmutz des Lebens bewerfen und dabei nichts sind als ein Spiegel der Gesellschaft.

Dann lernte ich Edek Rose kennen. Schnell kamen wir ins Gespräch, bewegten uns von philosophischen Themen über Musik zur Literatur, und kaum dass wir begonnen hatten, war eine ganze Nacht vergangen. Umgeben von unzähligen leeren Bier- und Weinflaschen saßen wir da auf diesem Zeltplatz eines großen Festivals und vereinbarten, dass er mir ein paar seiner Texte zuschickt, denn ich war überzeugt, dass hier ein Mensch vor mir sitzt, der einiges zu sagen hat und es ganz deutlich zu sagen imstande ist.

Seine Intelligenz, die anfangs lediglich punktuell durch eine fast schon beschämende Bescheidenheit hindurch schien, imponierte mir genauso, wie seine Sprachgewandtheit im Gespräch sowie die Ruhe, die von Edek Rose ausging. Den in Nürnberg lebenden Künstler umgibt etwas Außergewöhnliches, das ich nicht recht in Worte zu fassen schaffe. Es ist schlicht eine inspirierende Aura, ohne dass ich hier jetzt einen auf Eso-Freak machen will.

Als mir dann, einige Wochen später das Manuskript zu „Schwanenhalsbrücke“ vorlag, war ich mehr als begeistert, denn ich fand endlich, was ich so lange suchte, was ich nur immer in den Texten aus „Fieber -Tagebuch eines Aussätzigen“ fand.

Nein, ich will Edek Rose nicht mit Klaus Kinski vergleichen. Aber die Werke scheinen ein gemeinsames Fundament zu haben. Irgendwo da unten, in diesem Schlamm, durch den manch einer kriecht, muss es etwas geben, das man mitnimmt an die Oberfläche. Und das dann raus will. Als sei der Körper des im Schlamm Gewesenen der Wirt einer geheimen Spezies, die sich selbst zu Sprache transformiert, metamorphisiert, um den Homo Sapiens etwas von der Dunkelheit zu erzählen, um zu zeigen, dass alles Empfinden, alles Fühlen und Denken einen Ursprung hat, miteinander verbunden, verknüpft ist und benannt werden muss.

Ich vertonte, nachdem er mir das Skript zum vorliegenden Buch zuschickte, drei seiner Gedichte, schickte die Aufnahmen einem Freund, den ich als Experte für Dramatik und Literatur oft zu Rate ziehe, und der meinte kurz drauf: „Kruppe, das ist das Beste, das ich bisher von dir kenne. Das ist dicht und rund, das hat Tiefe und ist mehr als genial!“

Neidlos sagte ich ihm, dass das leider nicht von mir ist und erwähnte den Namen Edek Rose. „Das muss in ein Buch“, sagte jener Freund, der den Fuß aus dem Fettnapf zog und sich entschuldigte. “Wofür?“, fragte ich mich. Ich bin doch in keinem Wettkampf. Und wenn ENDLICH mal wieder einer Licht in die verdunkelte Welt der Lyrik bringt, dann ist das doch nur gut. Wennschon dieses Bild eher verkehrt herum gezeichnet ist. Denn vielmehr verdunkelt Edek Rose die viel zu helle, grelle Welt der Lyrik und stellt sich als ein Autor dar, der es wagt, ohne Rücksicht auf Verluste frech und provokant seine Gedanken auf ein Papier zu rotzen, das lange Zeit viel, viel zu sauber war.

Ich kenne die Biografie von Edek Rose nicht in Gänze. Allerdings lässt er in seinen Texten nicht nur eine intellektuelle Tiefe durchschimmern, sondern haucht auch ein „Ich weiß, wovon ich rede“ zwischen den Zeilen, etwa da, wo er von Vergewaltigungen und Missbrauch redet. Ein gebeutelter Mensch, der seine Zurückhaltung einer Erfahrungswelt entnimmt, die alles andere als „schön“ gewesen zu sein scheint.

Und wenn man von dieser, einer grauschwarzen, Vergangenheit ausgeht, machen sich seine Texte plötzlich erst recht verständlich. Da zeigen sich die Wut und der Hass und die Abrechnung mit dem Leben, mit den Menschen, wie sich auch die Zuneigung zeigt, die Liebe, die Reste eines Urvertrauens und die Hoffnung, die, wie wenige Dinge in diesem Buch, zuletzt stirbt.

„Schwanenhalsbrücke“ … ein Buch, das für mich persönlich ein absolutes Highlight ist. Und sein Autor macht mich wünschen, dass da noch viel, viel mehr kommt.

Finger weg von der Taschenlampe. Der Genuss des Lichts kommt im Dunkel. „Schwanenhalsbrücke“ packt die LeserInnen und entführt, kidnappt, hijackt und zwingt, die Augen offen zu lassen auf einem rasanten Trip durch die Abgründe des menschlichen Seins.“

„Schwanenhalsbrücke“ kann in unserem Onlinestore bestellt werden. Herzlichen Dank!

Bildnachweis: Stef Schmidt
_____________________________________________________________________________________

Neu erschienen: Fanziska Appels & Benjamin Schmidts „Fuck[dis]Ability“

Das ein oder andere Bücherherz wird es schon vernommen haben, dass es in unserem Verlagsprogramm einen neuen, hinsichtlich der Thematik auf dem Büchermarkt bislang stiefmütterlich vernachlässigten Titel gibt. Franziska Appel und Benjamin Schmidt arbeiteten in den letzten Monaten mit viel Herzblut an dem Erzählband „Fuck[dis]Ability„, der sich der sexuellen Erlebenswelt von Menschen mit Handicaps widmet. Frei von Tabus und Scheuklappen wird man als LeserIn rasch in eine Welt hineingezogen, die die Grenzen sexueller Normen auflöst und ganz nebenbei, neben den fesselnden Erzählungen und sensiblen Illustrationen, ein Wort für die sexuelle Selbstbestimmung behinderter Menschen wie auch der vielzitierten Inklusion spricht.

Das Vorwort für „Fuck[dis]Ability“ verfasste die Inklusionsbotschafterin, Autorin und Fernsehmoderatorin Jennifer Sonntag, die selbst, nicht zuletzt aufgrund ihres fehlenden Sehvermögens, seit vielen Jahren sehr engagiert für die Rechte von Menschen mit körperlichen oder seelischen Beeinträchtigungen eintritt.

Zitat:

„Ich erlebe die künstlerische Annäherung der beiden an die Thematik als hoch relevant, denn sie ist auch für mich ermutigend. Durch die beiden erfahre ich wertvolle Impulse zur selbstbestimmten Körperbildwahrnehmung und Erotikgestaltung von Menschen mit und ohne Behinderungen. Dabei betrachtete ich mich als alte Häsin auf diesem Gebiet. Seit nahezu zwanzig Jahren arbeite ich als selbst erblindete Sozialpädagogin mit blinden, sehbehinderten und ›anders‹ anderen Menschen.

[…]

„FuckDisAbility“ macht Einzigartiges und Eigenartiges spannungsvoll spür-, schmeck-, sicht-, erlausch- und erlebbar. Der Körper, der Geist, alles beginnt, sich neu zu verlieben, da ist diese Aufregung, etwas zu kosten, was sich jenseits abgedroschener Gewohnheiten entspinnt. Die Behinderung wird nicht als Einschränkung wahrgenommen sondern überhaupt erst als Möglichkeit betrachtet, einen Zugang zu echter erotischer Kreativität, tiefem Fallenlassen, wahrer Orgasmusfähigkeit zu schaffen. Viele vermeintlich freie Menschen erreichen das schwerlich, weil sie sich selbst nicht kennenlernen (müssen), keinen Weg der ehrlichen Kommunikation finden (müssen), keine echte Nähe aufbauen (müssen) und ihre inneren Lichtschalter nicht entdecken (müssen). Das Buch zeigt auf aufregende Art, was alles möglich ist und wer wir sein können, wenn der simple Weg mal nicht befahrbar ist. „Geht nicht“ gibt’s hier wirklich nicht.“

Jennifer Sonntags Vorwort finden Sie unter diesem Link, „Fuck[dis]Ability“ ist in unserem Verlagsshop erhältlich. Wir freuen uns über dieses neue, besondere Buch.
_____________________________________________________________________________________

 

Jennifer Sonntags Vorwort für Franziska Appels & Benjamin Schmidts „Fuck[dis]Ability“

Für den unlängst erschienenen Erzählband „Fuck[dis]Ability“ von Franziska Appel und Benjamin Schmidt, einem literarisch berührenden Augenöffner für die Welt der Begierde, Lust und Sexualität von Menschen mit Handicap, bedanken wir uns bei Jennifer Sonntag herzlich für ihr Vorwort:

Die Produktionsfirma hatte uns extra für den Dreh ein Ferienhaus mit Kamin und verheißungsvollem Tapetenrot gemietet. Themenschwerpunkt: Lebenslust, Sinnlichkeit, Kreativität. Na ok, das war die schöngeistige Variante. »Wie wir das mit dem Sex machen«, die ehrlichere. Da waren wir genau die passenden Figuren, bewegten wir uns in unserem Sein, Schaffen und Schreiben doch unverzagt in libidinösen Gestaltungsräumen. Auch wir Menschen mit Blessuren, mit Lebenslaufmaschen, wie ich sie liebevoll nenne, stehen in erotischer Hinsicht nicht im Dunkeln, wenn ich das als blinde Frau mal so sagen darf. Naja und das mit dem Stehen…: Benjamin sitzt ohnehin lieber. Generell sind wir aber nicht ›entweder-oder‹ sondern ›sowohl-als-auch‹.

Seit ich Benjamin Schmidts „Schon immer ein Krüppel“ erstmals gelesen hatte, stand dieser Autor als Interviewgast ganz oben auf meiner Wunschliste. Schließlich gewährte Benjamin innerhalb seiner Literatur aufwühlende Einblicke in das faszinierende Geschehen, was bei einem im Rollstuhl untenrum so abgeht und tat etwas gegen die ›Querschnittslähmungen‹, die viele von uns im Kopf haben.

Auch wenn wir privat inzwischen manch Umtrunk zusammen genommen, Absurditäten gefeiert und Abgründe seziert hatten, gemeinsam vor die Kamera hatte man uns noch nicht gelassen. Für öffentlich-rechtlich schwang nun deutlich Eros im Raum. Das lag nicht nur am Kaminfeuer, sondern auch an den expliziten Zeichnungen, die um uns herum inszeniert wurden, bereitgestellt von Franziska Appel, Benjamins Buchpartnerin, Illustratorin und Mitautorin des nun hier vorliegenden Werkes. Franziska ist als Lebenspartnerin eines sehbehinderten Mannes ziemlich erfahren mit allen Vorurteilen, die gesellschaftlich so aufgefahren werden, wenn Frau sich mit einem Gehandicapten paart. Auch noch ein besonderer Fall für die drei Fragezeichen: Ihr Partner ist Farbenblind und sie ist Malerin, aber ihre beiden Kinder sind nicht in schwarz/weiß geboren.

Apropos Farben. Passend zum Sendungsschwerpunkt hatte ich mir nicht nur meine roten ›Pornopuschel‹ an die Ohren gehängt, sondern auch ein ordentliches Spitzendekolleté gezaubert und mir High Heels mitgebracht, in die mich meine Maskenbildnerin hineinarbeiten musste. Als mich unser Tontechniker bat, noch einmal aufzustehen – beim besten Willen, diese Schuhe waren fürs Sitzen und Liegen gemacht – da dachte ich so im Stelzenstand: Meine Güte, ein übernächtigter Autor mit inkompletter Querschnittslähmung hält sich sicherer auf den Beinen, als eine Blinde auf High Heels.

Ich war zugegebenermaßen echt aufgeregt, hatte ich doch zwei mir ziemlich wichtige Menschen um mich drapiert: Benjamin Schmidt als Talkgast und Franziska Appel in Form ihrer Bilder, die zu uns und den Zuschauenden sprachen. Zudem erprobte ich ein neues Sendeformat. Vorher hatte ich zehn Jahre lang über achtzig prominente Gäste für mein Interviewfenster SonntagsFragen getroffen. Nun ging es um Menschen, die ›Mit anderen Augen‹ sehen und Freunde ins Fernsehen zu holen, das war mir nicht einerlei. Was wäre, wenn unsere Intension falsch verstanden würde, wir uns mit diesem Thema irgendwie peinlich abgebildet fühlten oder im Titel mal wieder der klassische Journalisten-Fettnäpfchen-Tapser »Sexualität trotz Behinderung« zu lesen war? Überraschung! Der war zu lesen. Aber der Beitrag schwang dann insgesamt doch sehr tiefsinnig und feinfühlig, was uns positiv erregte. Das mit dem ›Trotz‹ und das mit dem Sex mit uns darf man wohl noch ein bisschen üben. Franziska Appel und Benjamin Schmidt bieten mit „FuckDisAbility“ eine wunderbare ›Übungsanleitung‹, Berührungsängste, im wahrsten Wortsinn, zu durchbrechen und sich an ein Themenfeld heranzutasten, welches auf diese Weise literarisch und illustratorisch bislang ungesehen, ungelesen blieb.

Ich erlebe die künstlerische Annäherung der beiden an die Thematik als hoch relevant, denn sie ist auch für mich ermutigend. Durch die beiden erfahre ich wertvolle Impulse zur selbstbestimmten Körperbildwahrnehmung und Erotikgestaltung von Menschen mit und ohne Behinderungen. Dabei betrachtete ich mich als alte Häsin auf diesem Gebiet. Seit nahezu zwanzig Jahren arbeite ich als selbst erblindete Sozialpädagogin mit blinden, sehbehinderten und ›anders‹ anderen Menschen. Ich fragte mich schon als Sehende, wie wohl insbesondere blinde Frauen Schönheit, Sinnlichkeit und Sexualität erleben würden. Ich kenne also auch die andere Seite der Medaille, die Bedenken der Sehenden in mir, vielleicht auch, weil ich vor meiner Erblindung Angst davor hatte, Reizvolles nicht mehr so umfänglich erleben zu können. Heute kann ich sagen, dass ich es viel, viel intensiver erlebe. Diese Erkenntnisaugen wollte ich auch meinen Mitmenschen öffnen und ich wollte andere erblindende Frauen in ihrer Weiblichkeit und ihrem Erotikempfinden bestärken. Natürlich sind das Entwicklungen, Phasen, die auch von Schmerz, Loslassen und Neuorientierung geprägt sind. Ich habe dann in meinen Büchern vom Suchen und Finden der blinden Weiblichkeit erzählt, wozu auch das Suchen und Finden der Liebe und Schönheit gehörten. Das war sehr authentisch als Frau geschrieben, da ich ja nun mal selbst eine Frau bin, aber es fühlten sich immer wieder auch Menschen mit Lebensrissen angesprochen, mit oder ohne Behinderungen, da jeder von uns Verarbeitungsprozesse durchläuft. In einer Anthologie ließ ich später andere blinde Frauen zu Wort kommen, immer mit lebensechtem, sozialpädagogischem Hintergrund.

Ich merkte schnell, dass dieses Thema, wurde ich zu erotisch im Anklang, für viele Fachzeitschriften noch ein Tabu war. So sollte ich bspw. in den Überschriften das Wort ›Erotik‹ durch ›Schönheit‹ ersetzen. Behinderung und eine eigene Vorstellung der Lust, das bekam man nicht zusammen. Hier dachte man sehr konservativ. Über Sexualität äußerten sich in Publikationen allenfalls Fachleute über uns, die selbst keine Behinderung hatten. Das ärgerte mich oft, da ich die Texte, die da über uns und unser Sexleben in der Fachliteratur kursierten, als Betroffene nicht lesen konnte. Es gab sie nicht als Lesefassung für blinde Menschen. Schön, dass man sich diese spartanischen Gedanken über uns ohne uns gemacht hatte. Wenn sie doch wenigstens leidenschaftlich gewesen wären, hier fehlte nun wirklich das sinnlich-lustbetonte Gedankengut. Das schwoll dann umso stärker, in allen Ausformungen, in und an uns behinderten Sexualteilnehmenden, ganz von selbst heran. Was Franziskas und Benjamins Herangehen ausmacht? Ich versuche es mit einem Vergleich. In meinen literarischen Texten bin ich eher nicht blind und sehe durch die Augen meiner ProtagonistInnen. Somit verlerne ich das Sehen nicht und kann ungeniert überall, ja wirklich überall hinschauen, wo mir meine blinden Augen im wahren Leben Grenzen setzen würden. In meiner Fantasie bin ich ohne Blindenstock unterwegs, dazu zwinge ich mich nicht, es ist keine Verleugnung, es ist einfach so. Das scheint ein unbewusster Kontrast zu meinen eher fachlichen Auseinandersetzungen zu sein, in denen die Behinderung ja immer tragendes Thema ist. Und hier komme ich zu meiner Faszination für „FuckDisAbility“ und zu dem, was dieses Buch vermag. Franziska Appel und Benjamin Schmidt statten ihre Protagonistinnen bewusst schriftstellerisch und zeichnerisch mit ganz unterschiedlichen Behinderungen, nein, besser mit Markenzeichen aus. Als Makel erscheinen sie uns nicht. Interessant ist, für uns Betroffene ist es selbstverständlich, für die Umwelt noch nicht, dass beide im echten Leben inklusive Beziehungen führen. Franziska kennt innerhalb ihrer Partnerschaft den Blickwinkel der Nichtbehinderten, Benjamin in seinen Begegnungen und Beziehungen die andere Sichtachse. Dadurch entstehen auch innerhalb der künstlerischen Prozesse vielseitige Perspektiven, konventionelle Konstellationen werden erfrischend umgestaltet, ungeeignete Rollenmuster und Glaubenssätze über Bord geworfen.

„FuckDisAbility“ macht Einzigartiges und Eigenartiges spannungsvoll spür-, schmeck-, sicht-, erlausch- und erlebbar. Der Körper, der Geist, alles beginnt, sich neu zu verlieben, da ist diese Aufregung, etwas zu kosten, was sich jenseits abgedroschener Gewohnheiten entspinnt. Die Behinderung wird nicht als Einschränkung wahrgenommen sondern überhaupt erst als Möglichkeit betrachtet, einen Zugang zu echter erotischer Kreativität, tiefem Fallenlassen, wahrer Orgasmusfähigkeit zu schaffen. Viele vermeintlich freie Menschen erreichen das schwerlich, weil sie sich selbst nicht kennenlernen (müssen), keinen Weg der ehrlichen Kommunikation finden (müssen), keine echte Nähe aufbauen (müssen) und ihre inneren Lichtschalter nicht entdecken (müssen). Das Buch zeigt auf aufregende Art, was alles möglich ist und wer wir sein können, wenn der simple Weg mal nicht befahrbar ist. „Geht nicht“ gibt’s hier wirklich nicht.

Nach dem Lesen der Lektüre möchte ich fast fragen: »Wie ist denn erfüllender Sex ohne Behinderung überhaupt möglich?« Viel mehr aber verschwimmt dieses übliche Sortieren in Perfekt und Unperfekt in einem Schmelztiegel aus gegenseitigem Begehren und Bereichern.

Dieses Buch spricht Menschen an, die wachsen möchten, an sich, an ihrer Lust, an der Lust der/des anderen. Ich bin unendlich dankbar für das Sichtbarmachen wichtiger Rollenmodelle, ups, sorry Benjamin für das ›Rollenmodell‹, denn leider gibt es Menschen mit und ohne Behinderungen, die aus den verschiedensten Gründen ›noch‹ keine befriedigende Sexualität erleben. Folgt Franziska und Benjamin in ihre Geschichten und Bilder, werdet selbst erfinderisch, findet eure Liebeskunst, alles beginnt mit eurem persönlichen Blickwinkel, mit eigenen Gefühlen und Gedanken und dem, was ihr daraus entwickelt. Der Optimierungswahn ist eine Krankheit, die keine Krankheit zulässt. „FuckDisAbility“ lässt sie zu und veredelt jede Lage leidenschaftlich.

Das Buch kann in unserem Onlinestore bestellt werden. Herzlichen Dank!

Bildnachweis: Privat
_____________________________________________________________________________________

Neu erschienen: Christopher Sappok „Bunker“

Wenn Sie auf abgefahrenes Zeug stehen, dürfte Ihnen dieses Buch gerade recht sein: Völlig aus der Norm fallende Lyrik kreuzt ihre Wege mit Tarrantino´s Flair der abgefuckten Siebziger; durchgeknallte Typen auf Droge, deren Trip irgendwann ordentlich an Fahrt gewinnt, scheren sich ein Nichts drum, dass das alles zwangsläufig ins Dunkel führen muss. Und noch dazu von einem Literaturwissenschaftler aufs Papier gebracht wurde. Braucht es da noch weitere Fragen? Wir denken nicht.

Hier geht es zu Christopher Sappoks Debüt „Bunker“ entlang.
_____________________________________________________________________________________

„Lesungen sind wie eine Belohnung für die monatelange einsame Schreibarbeit.“ – Peter Wawerzinek im Interview

Anlässlich seiner bevorstehenden Lesereise durch Thüringen (am 11. 12. in der Kulturbaustelle Suhl, am 12. 12. auf Burg Ranis, am 13. 12. in der Jenaer Villa Rosenthal und am 14. 12. in der Geraer Theaterfabrik) mit seinen beiden Büchern „Geisterfahrt durch Südschweden“ (Edition Outbird“) und „Liebestölpel“ im Gepäck haben wir Peter Wawerzinek ein paar Fragen gestellt:

„… 2018 warst Du mit dem Fotografen Bernhard Freutel in Schweden unterwegs, eine Ausstellung vorbereiten, Freunde und befreundete Künstler treffen, das Land durchstöbern, genießen und lieben lernen. Woraus dann „Geisterfahrt durch Südschweden“ entstand. Was ist Schweden für Dich? Wie würdest Du den Menschenschlag beschreiben?

Schweden rufe ich gegen die hallenden Berge, was befindet sich in Schweden. Und das Echo schreit mir zu: Eden. Schweden lässt an Nebel, Schwaden und schweben denken. Ich sehe Schweden als einen schwebenden Schwan, der Richtung Eden fliegt. Schwedenpunsch denke ich, schwedische Gardinen machen mir Angst, schwedische Streichhölzer lassen mich trauernd und weinend an das bibbernde Mädchen barfüssig denken. Im Wort Schweden sind alle Buchstaben enthalten, die man für das Wort Schnee braucht. Schweden ist mit Schnee voll sozusagen. …“

Buch im Verlagsshop: Bitte Cover anklicken.

Das gesamte Interview finden Sie in unserem Onlinemagazin „Outscapes„.

Bildnachweis: Gerd Adloff
_____________________________________________________________________________________

Neu erschienen: Klaus Märkert „Das Besondere kommt noch“

Wir freuen uns, Klaus Märkerts dieser Tage frisch erschienen Roman „Das Besondere kommt noch“ ankündigen zu können. In der ihm ureigenen trocken-morbiden Absurdität lässt sich Märkert Kapitel für Kapitel von musikalischen Hörstürzen inspirieren, ja vorantreiben. Oftmals scheinbar beiläufige Anekdoten münden so über Songs von Bands wie Alien Sex Fiend, Abwärts, Skinny Puppy oder Killing Joke in herrlich verstiegenen Lesestoff. Dreißig Kapitel entfalten über Fortsetzungen höchsten Unterhaltungswert, den man – man ahnt es – am besten zu Musik aus dem Dark Wave-Spektrum lesen sollte. Empfehlung (nicht nur) für die dunkle Jahreszeit!

Wer mehr über Klaus Märkert, seinen Weg zum Schreiben oder seinen neuen Roman „Das Besondere kommt noch“ erfahren möchte, dem sei unser „Outscapes“-Interview mit ihm wärmstens ans Herz gelegt.
_____________________________________________________________________________________

Herzlich willkommen: Lars Hannig

Mit Lars Hannig begrüßen wir einen weiteren Autoren aus dem Ruhrpott in unserem Kollektiv, der 2020 mit „Die phantastischen Fälle des Robert Fuchs“ ein Romandebüt veröffentlicht, dass in der Tradition von Edgar Allan Poe und H. G. Wells steht und in der Welt des Steampunk beheimatet ist.

Hannig verknüpft sieben Kriminalfälle zu einer Romanhandlung: Der Ermittler Robert Fuchs bricht mit seinem Schützling Emil in einem alternativen 20. Jahrhundert des Kontinenten Vernia auf, um die Naturgesetze hinter dem vermeintlich Übernatürlichen zu entschlüsseln. Immer wieder aber entpuppen sich die Fälle als tatsächlich übernatürlich; und während sich Fuchs der Existenz von Monstern, Geistern und Magie stellen und sein bisheriges Weltbild aufgeben muss, erwarten zudem auch noch seine Klienten bodenständige Erklärungen, bevor sie zahlen.

Hannig ist seit jeher von einem fantastischen Entdeckergeist beseelt: Bereits in jungen Jahren entwarf er kuriose Apparaturen und Videospiele, zunehmend aber auch fantastische Geschichten, die bereits in Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlicht wurden. Wir freuen uns über diesen Neuzugang in unserem Verlag und heißen Lars Hannig herzlich willkommen!

In diesem Zusammenhang dürfen wir noch einmal daran erinnern, dass wir uns auch über ein Plus an mitreißenden und fesselnden Manuskripten seitens der Damenwelt sehr freuen würden.

Bildnachweis: Natascha Herkt
_____________________________________________________________________________________

Neue Rezensionen: „Geister“, „Die Augen meiner Tochter“ & „In Buxtehude ist noch Platz“

Wir freuen uns einmal mehr über neue Buchbesprechungen, von denen wir Ihnen gern eine Auswahl anzitieren, und bedanken uns bei den VerfasserInnen ganz herzlich:

Buch im Verlagsshop: Bitte Bild anklicken.

Pia LüddeckesGeister

In der WAZ schreibt Ute Eickenbusch:

„… Grusel, Abenteuer, Freundschaft, Liebe: Alles dabei also in dem Roman für junge, aber auch ältere Leser. Seine Autorin Pia Lüddecke sieht ihn als „Dark Fantasy“ in der Tradition der „Schwarzen Romantik“. Schauplatz ist das Ruhrgebiet im Jahr 1999, als abergläubische Zeitgenossen den Weltuntergang prophezeien. Orte wie das „Mottental“ wecken Assoziationen an das Muttental und das Lottental im Wittener und Bochumer Raum, wo sich Pia Lüddecke gut auskennt.

Sie arbeitet als Redakteurin für das Wittener Stadtmagazin. Für das Romanschreiben opfert sie Wochenenden und die Urlaubszeit. So hat es zwei Jahre gedauert, bis „Geister“ vollendet war. Von der Idee – die Einstiegsszene hat sie geträumt – bis zum fertigen Roman passiere bei ihr vieles intuitiv, erklärt die Autorin. „Wie sich alles auflöst, weiß ich selbst erst im Laufe der Geschichte.“ Die Figuren entwickelten ein Eigenleben. „Es macht Spaß, sich davon überraschen zu lassen“. …“

Ein Leser meint:

„… Dieses Buch ist alles andere als ein gewöhnlicher Jugendroman. Coming of Age-Themen wie Freundschaft, erste Liebe und Grenzerfahrung werden zwar behandelt, durch die Vielschichtigkeit der Story und die psychologische Ausarbeitung der Charaktere (Tom als sympathischer Antiheld, Juri als altersloser Sonderling, dem die anderen Jugendlichen nicht ganz ohne Grund mit Misstrauen begegnen, aber auch die vorlaute Punker-Schwester, der fiese Lehrer, die tattrige Nachbarin etc.) funktioniert diese Geschichte auch hervorragend für Erwachsene!!! Kenner der alten Klassiker werden ihre besondere Freude haben, da bekannte Motive wie „das Spukhaus“, „die blaue Blume“, „der Doppelgänger“ oder „das Schlafwandeln“ in diesem modernen Gothic Novel wieder aufleben dürfen. Ein herrlich düsteres, superatmosphärisches und dazu sehr romantisches Grusel-Abenteuer mit Gänsehaut-Garantie!“

Hier geht es zu den kompletten Rezensionen.

Buch im Verlagsshop: Bitte Bild anklicken.

Michael HaasDie Augen meiner Tochter„:

In der Cannstatter Zeitung schreibt Iris Frey:

„… Haas´ Novelle ist eine philosophisch tief durchwirkte Geschichte, die zeigt, wie eine vollkommene Eltern-Kind-Beziehung sein und was sie für positive Kräfte freisetzen kann. Im Buch geht es um den 50-jährigen Psychotherapeuten Clemens, der eine existenzbedrohende Diagnose erhält, er ist todkrank. Nun kommt die Frage, wie geht er damit um und mit seiner Familie, seiner Frau und Tochter. Wächst die Familie zusammen oder zerbricht sie? Es ist die Geschichte des sich ideal Verstehens einer kleinen Familieneinheit: Vater, Mutter, Kind. Das Buch zeigt eine Imagination, wie diese Einheit vollkommen wäre. Es greift die Emotionen auf, die der Titelheld erfährt und durchleidet, durchdenkt, glaubhaft, fesselnd und berührend beschrieben. Es ist ein Nachdenken über die Liebe und wie vielfältig sie ist, wie inspirierend und dass sie mit dem Tod nicht zu Ende ist. …“

Andreas Löhr („Fliehende Stürme“) befindet:

„Mit der Novelle ,Die Augen meiner Tochter‘ liefert der Autor Michael Haas ein literarisch-philosophisches Meisterwerk. Über der Schönheit seiner Worte schwebt stets die Bitterkeit der Wahrheiten, deren gewaltige Grausamkeiten mitunter nur schwer zu ertragen und nicht zu akzeptieren sind.“

Hier geht es zu den kompletten Rezensionen.

Buch im Verlagsshop: Bitte Bild anklicken.

Michael SchweßingerIn Buxtehude ist noch Platz„:

In der LVZ schreibt Bert Hähne:

„Zur Frage, wer und wie dieser Michael Schweßinger denn nun sei, finden sich im aktuellen Buch weitere informative Zitate, unter anderem „auf verschrobene Weise verrückt“ und „konservativer, als er sich eingestehen mag“. Vor allem aber sammelt der unverdächtige Gast in all dem von ihn frequentierten Back- und Trinkstuben Geschichten auf, Schicksale, Erkenntnisse und Kuriositäten. Altenpfleger, Flaschensammler und Taxifahrer kreuzen seine Wege. Nach manchen schnappe die Melancholie wie ein tollwütiger Hund. Er besucht die nördlichste Roggenmühle Europas, der Müller dort oben in Finnland jedoch erweist sich als Meister des sehr langsamen Gesprächsflusses. Tief im Süden, in Rumänien, bewundert der Autor dann das Gespür der Leute für den schönen Schein.

[…]

Trotz oder auch dank feiner Formulierungen wird er zum Mann der Subkultur, der Off-Literatur und engagierten Kleinverlage. Doch die Reiselust vergeht nicht. …“

Für das 07 Gera Stadtmagazin gibt Uschi Lenk folgendes Feedback:

„… Schweßinger, der unterwegs als Bäcker sein Brot verdient, ist nicht auf ausgetretenen Touristenpfaden unterwegs, sondern auf Pfaden, auf denen ihn immer wieder Menschen mit interessanten, oft verborgenen Geschichten begegnen – oft zerrissene Helden und Outsider. Diese Geschichten schreibt er seit Jahren auf, mal eher lakonisch wie jene von einer Lesung in der JVA Hohenleuben, mal ironisch, etwa, wenn es darum geht, keinem Timer zu trauen; teils sarkastisch, wie die Titelstory. Das ebenso amüsante, wie nachdenklich stimmende Büchlein, das man einfach nicht aus der Hand legen mag, wird ergänzt von einer Europa-Karte mit den GPS-Daten der vorkommenden Orte sowie diversen handschriftlichen Notizen und Erinnerungsstücken.“

Hier geht es zu den kompletten Rezensionen.

Vielen herzlichen Dank!

Bildnachweis: Horizont
_____________________________________________________________________________________