Verlagsspecial im aktuellen „Orkus“-Magazin

Das „Orkus“-Magazin veröffentlichte anlässlich des zehnjährigen Verlagsjubiläums und mit Fokus auf die Autorinnen des Verlages ein Verlagsspecial, basierend auf einem Interview mit unserem Verleger Tristan Rosenkranz. Ein sehr schönes Geschenk, zu finden in der aktuell erscheinenden Ausgabe. Ein ganz herzliches Dankeschön geht an Herausgeber Claus Müller und Redakteurin Claudia Zinn-Zinnenburg. Das Interview in voller Länge:

Orkus: Zunächst einmal: Herzlichen Glückwunsch zum zehnjährigen Jubiläum von Edition Outbird! Was war denn damals überhaupt zu dem Wunsch oder Bedürfnis, einen Verlag zu gründen?

Vielen lieben Dank! Ich hab schon in frühen Schuljahren auf die Frage nach meinem Berufswunsch mit „Schriftsteller“ geantwortet. Ich hatte schon frühzeitig ein Herz fürs Schreiben von Lyrik und Prosa und wurde maßgeblich durch meine belesenen Eltern und meines Vaters ausgeprägtes Kunstinteresse beeinflusst. Kunst und Literatur sind ja enge Verwandte. Nach etlichen eigenen Buchveröffentlichungen habe ich mich dann dem Verlagsaufbau und -geschäft gewidmet.

O: Gerade in Zeiten, in denen vieles papierlos läuft und auch in Anbetracht der Pandemiejahre in dieser Zeitspanne sicher auch ein großes Wagnis, oder? Ich hoffe, es gab keine ernsthaften Momente des Zweifelns?

Es ist definitiv ein Wagnis, wenn man die eigenen Aufs und Abs und seit Jahren vonstatten gehenden Schließungen und Insolvenzen inhabergeführter Buchhandlungen und Verlage vor Augen hat. Insofern tauchen immer wieder mal auch Tage auf, an denen ich kurzzeitig mit Resignation und Zweifeln liebäugele.

O: Falls doch: Was hat dich dann doch immer wieder motiviert, weiterzumachen? Was ist dein Antrieb?

Die Liebe zu dem, was ich tue, die wunderbaren Stoffe, aus denen Bücher geboren werden, die ausgeprägte Neigung zu ästhetischer Covergestaltung, das herzliche und offene Miteinander mit den AutorInnen, KollegInnen und freien MitarbeiterInnen, der viele Zuspruch und die zahlreiche Unterstützung aus Freundeskreis, Familie und Verlagsfamilie.

O: Mittlerweile finden sich in deinem Katalog zahlreiche etablierte Autoren und Künstler – und auch zusehends mehr Autorinnen und Künstlerinnen, habe ich das Gefühl. Täuscht mich das oder kannst du das auch bestätigen, dass du in den letzten Jahren mehr Frauen publizierst?

Nein, das täuscht durchaus nicht.

O: Ist das Zufall im Sinne von: die sind einfach gut und du machst keinen Unterschied beim Geschlecht oder steckt da auch Bewusstsein dahinter? Also nicht, dass du freiwillig eine Art Frauenquote einführst, aber dass du schon auch mehr für Chancengleichheit einstehen willst? Vielleicht auch unbewusst, falls man das überhaupt so beantworten kann?

Es war und ist eine Entwicklung, die sich nicht quotieren lässt, zumal Quote nach Zwang zulasten kreativer Freiheit klingt. Im künstlerischen Umfeld sind zahlreiche Autorinnen tätig, man wird aufeinander aufmerksam, begegnet sich auf derselben Wellenlänge und stellt fest: Wir müssen unbedingt zusammen ein Buch machen. Chancengleichheit ist also nie ein Problem gewesen, die Begegnungen, die künstlerische Annäherung und die Lust auf Zusammenarbeit waren ein Wachstumsprozess. Zumal ich ein Freund von Ausgewogenheit bin. Nicht zuletzt werden durch die wachsende Bekanntheit und das spezielle Image der Edition Outbird auch mehr Autorinnen auf den Verlag aufmerksam.

O: Wenn du Manuskripte liest, ist dir dann das Geschlecht des Autors bewusst? Ich ertappe mich manchmal, dass ich auf den Autornamen lieber gar nicht erst schaue und beim Lesen dann rätsle, ob ich finde, dass es eher ein Frau oder ein Mann geschrieben hat, und bin manchmal dann auch überrascht.

Nicht, wenn ich es nicht vorher wüsste. Eine gute Frage eigentlich, ob ich das herauslesen könnte. Ich lass mich ja von Stoffen anfixen, nicht in erster Linie von den dahinterstehenden AutorInnen. Und ja, natürlich ist mir auch das persönliche, familiäre Miteinander wichtig. Ohne das geht es nicht.

O: Womit kann man dich als Verleger überzeugen?

AutorInnen, die selbst schon auf Veröffentlichungen zurückblicken, gut vernetzt und aktiv sind, sich in derselben Szene und/oder ästhetischen Welt bewegen und nicht intoleranten Trugbildern hingeben, haben eine gute Chance. Allerdings herrscht ohnehin Aufnahmestopp, weil die Verlagsplanung mittlerweile schon bei zwei Jahren Vorplanung liegt, wir also mehr oder weniger ausgebucht sind.

O: Wie sieht das Programm für 2026 aus, gibt es besondere Schmankerl, vielleicht auch gerade von Autorinnen?

Ich freue mich auf überaus spannende Neuerscheinungen von Isa Theobald und Sanjina Kashikar (beide zum ersten Mal in der Edition Outbird) sowie Pia Lüddecke und Luci van Org, aber auch von Christian von Aster, M. Kruppe, Volly Tanner oder Joachim Sohn.

O: Danke!

Ich danke Dir!“