„Kammerflimmern“

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Rezension von Christian von Aster
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„Der Leser ist unmittelbar dabei, wenn Jungbluth eine Beziehung monologisch in der Retrospektive emotional seziert. Wie in Zeitlupe taumelt man an der Seite des Autors zwischen Erfüllung, Verletzung und Erkenntnis durch eine schonungslose Mischung aus Erinnerung und Reflexion.

Auf der Suche nach einem Verstehen, das es nicht gibt.

Die Geschichte der gleichsam erfüllenden wie zerstörerischen Leidenschaft zweier unangepasster Seelen ist mit Wucht erzählt.

Unterschwellig schwingt dabei stets das tragische, Erfüllung unmöglich machende, Borderlinethema mit. Dabei geht es immer weniger um Schuldzuweisung als den Wunsch des Autors zu verstehen.

Am Ende ist ‚Kammerflimmern‘ meines Erachtens vor allem eine Geschichte darüber, wie intensiv man sich verlieren kann, während man einander zu finden versucht…“
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Rezension von Dirk Bernemann

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„Ein bewegendes Buch. Zwei Menschen begegnen sich und wie so oft, tun sich Widerstände da auf, wo alles schön sein könnte. Ergreifende Sätze, manchmal ein bisschen zu viel Bitterkeit in der Anklage. Irgendwie auch eine Abrechnung eines Verletzten, als letzte Chance, nicht an der Verletzung zu verrecken. Das Werk eines hochsensiblen Mannes, den man zwischendurch gerne schütteln und zur Vernunft drängen möchte, ob seiner Leidensannahme, denn siehe da, am Ende ist das Elend. Aber das Buch öffnet den Kopf, das ist schon mal gut.

Ich hab mich in dem Buch oftmals wiedergefunden und dann zu dem jeweiligen Vorfall mir selbst gesagt, was meine Lösung gegen Verzweiflung ist. Generell bin ich aber schwer begeistert.“
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Rezension von D. S.
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„Den Schatten genießend lese ich, drifte ab vom geschriebenen Wort und verfange mich im Netz meiner eigenen Gedanken. Versunken ins Geschriebene fühle ich mich wie ein Eindringling in eine andere Welt – gefüllt mit überschwänglicher Liebe, Verlangen, Verlust, Angst, widersprüchlichen Gefühlen und Irrsinn…“

[…]

Wie ein Voyeur habe ich mich vom ersten Satz an gefühlt. Ein Voyeur der nicht wegschauen kann. Habe mich verloren in den Worten, gegrübelt und verstanden, bin aufgewacht aus dieser fremden und doch ein wenig bekannten Welt, wenn Tomas Jungbluh fragt ob man – ich – noch etwas trinken möchte oder ob er ziehen darf am Joint.

Tomas Jungbluth schreibt so bildlich, beschreibt so real, dass ich mich fühlte als säße ich neben dem Paar welches keins mehr ist und oftmals keines war. Er wird weggestoßen und doch gebraucht. Warum tut man das? Warum stößt man weg wenn man doch liebt? Warum gibt man sich selbst auf wenn man „ich selbst“ sein sollte? Ist das ein allgemeines Problem oder kennen es nur wenige? Sind es Gefühle die zu sehr und zu tief sind, die uns dazu veranlassen uns im gewissen Maße selbst zu schützen? Warum teilt man aus, warum steckt man ein? Borderline oder menschlich, mangelnde Selbstliebe oder masochistisch?

Mich hat dieses Buch aufgewühlt, zum nachdenken gebracht und zum zweifeln.

Die Wortgewandtheit von Tomas Jungbluth zog mich in ihren Bann und ich möchte so gern ein Stück weit mehr Voyeur sein in diesem Akt.

Danke.
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Rezension von Herr Lehmann
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„Du hast eine gute Selbstwahrnehmung, legst sehr viel Herzblut rein. […] Mir gefällt der Wechsel zwischen Erzählen, dem „offenen“ Brief an sie und den Abschnitten als außenstehender Betrachter. Ich werde das Buch nach dem Lesen nochmal lesen müssen. Mein Glückwunsch, sehr gut! […] Du hast die Gratwanderung zwischen euch, zwischen ehrlich sein und nicht verletzen gut im Buch aufgelöst.

[…]

Dieses sehr besondere Buch über die möglichsten Amplituden der Liebe berührt mit leisen und mit kraftvollen, explosiven Worten. Es verpflichtet, lässt man sich darauf ein, beim Lesen innezuhalten, sich auch selbst in Augenschein zu nehmen, das eigene Verständnis für die Liebe zu überdenken und sich auf dieses „Plädoyer für mehr Achtsamkeit“ einzulassen.

Die Geschichte, von unterschiedlichen Empfindungshöhen betrachtet geschrieben, vermag beim zweiten Lesen andere Blickwinkel auf die Protagonisten zu eröffnen und bekommt dann nochmal einen neuen Auftrieb.

Gehört ins Bücherregal!“
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Rezension von Klaus Rosenkranz
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„Die Novelle „Kammerflimmern“ von Tomas Jungbluth handelt nicht einfach nur von dem Scheitern einer Liebesbeziehung. Nein, weit über die Feststellung hinaus, dass nun unwiderruflich das Ende erreicht ist, der Austausch von Zärtlichkeiten und emotionalen Verletzungen jedoch Hieroglyphen gleich in Hirn und Herz eingemeißelt sind, stellt der Autor sich und dem Leser/der Leserin die Frage: Welchen Ansprüchen muss eine Liebe genügen, die sich nicht nur dem Diktat der Hormone unterziehen will, sondern für die Sex und Seelenverwandtschaft gleichwertig sind?

Vergleichbar einem Chirurg, der sein Seziermesser ansetzt, um eine bösartige Geschwulst zu entfernen und somit dem Körper eine Chance auf Selbstheilung zu gewähren, analysiert und seziert Jungbluth die Höhen und Tiefen dieser Beziehung sowie die Charaktere der Liebenden mit der Hoffnung auf Heilung und Vernarbung der noch offenen Wunden.

Vielleicht gibt Tomas Jungbluth aber auch einen guten Archäologen ab. So wie dieser geduldig mit Spatel, Kelle und Staubpinsel prähistorische Fundstücke seinen staunenden Zeitgenossen präsentiert, versucht sich der Autor darin, mit Schreibutensil und PC-Tastatur die Spuren einer gescheiterten Liebesbeziehung und deren Protagonisten freizulegen und für den Leser/die Leserin verständlich zu machen.

Bei Jungbluths Charakteranalyse könnte man meinen, dass ihm die seelische und körperliche Pein des „Es war einmal“ nicht unbekannt ist und die Niederschrift der endlos im Kopf kreisenden Gedanken und in den Herzkammern wirbelnden Emotionen dem seelischen Abstumpfen entgegenwirken und somit frei macht für eine bedingungslose Liebe auf Augen- und Herzenshöhe.“
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Rezension von M. Kruppe
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„Ob der Genialität dieses Werkes: das Buch MUSS erscheinen… UNBEDINGT. Schlicht, weils großartig ist, weil ich in der Verbindung von Sprache und Inhalt kein vergleichbares Buch kenne. Wir haben hier ein Werk, dass sich irgendwo zwischen Miller und Celine bewegt, mit dem Schuss Borchert der seine Sensibilität aus der Kriegserfahrung speist und ebenso schmutzig vertrunken wie höchst fragil in der Charakteristik des Protagonisten daherkommt…“

[…]

„Ich bin hin und weg… Die Größe der Welten, das Verlangen nach Tiefe, dass tiefer gestillt wird, ein Werk, dass ich ersehnte…“

[…]

„Mit Kammerflimmern legt der Autor Tomas Jungbluth ein Buch vor, dass in seiner thematischen Tiefe (s)einen Vergleich sucht. Die undurchdringlichen Abgründe einer Trennung, die wir wohl alle schon einmal erlebt haben, wollte Jungbluth offensichtlich nicht einfach so hinnehmen. Und wo andere sich volllaufen lassen und im Selbstmitleid ertrinken, oder sich unverzüglich in eine neue Beziehung stürzen, sich äußerlich verändern oder schlichtweg unter die Räder kommen, nimmt er die Dinge zum Anlass, den Schmerz zu analysieren.

In einem Monolog, der wie ein Dialog aufgebaut ist, seziert er, als schreibe er einen Brief, die Gefühle, die mit dem „Verlassen-Werden“ einhergehen, wenn das Lieben als solches nicht, oder noch nicht abgeebbt ist.

Dabei bedient er sich dreier Liebesbeziehungen seiner Vergangenheit, um sie zu legieren und einer einzigen Frau zuzuschreiben, die zwar fiktiv ist, aber durchaus existieren könnte. Man könnte nun meinen, dass man es als Leser*in mit einer synthetischen, einer kreierten Geschichte zu tun hat, die keinesfalls auf einer Echtheit des Gefühlslebens fußen kann, sind doch jene beschriebenen Gefühle augenscheinlich ob der Fiktion nicht wirklich, nicht echt. Aber dem ist nicht so.

Jungbluth schafft es, die Leserin / den Leser an seinen Tisch zu holen, dort, wo vielleicht die schwache Beleuchtung einer 20 Watt Glühbirne in einem dunklen Lampenschirm das Holz nur fahl erhellt, gerade so, dass die Schrift noch sichtbar ist. Man setzt sich zu ihm, lässt sich ein Bier ausgeben, oder einen Whisky, eine Rum-Cola und hört ihm zu. Und das tut man nicht, weil er so freundschaftlich daher kommt und das Ohr halb geöffnet mehr Pflichterfüllung im Dienste der Freundschaft ist, als tatsächliches Interesse. Im Gegenteil.

Tomas Jungbluth hat dich mit seinen ersten Worten in seinen Bann gezogen. Der Sessel, den er dir anbietet, ist bequem, das Getränk kalt und die erwartete Weinerlichkeit bleibt aus. Vielmehr unterzieht er seine Trennung einer realistischen, fast wissenschaftlichen Betrachtung, spricht mit dir, wo er mit ihr spricht und stellt Fragen, Thesen und erzählt erinnernd von schönen, wie unschönen Momenten.

Was geschieht, wenn die Frau (wahlweise auch der Mann) die du liebst, mit dir zu spielen scheint? Was geschieht, wenn sie in der Öffentlichkeit nicht zu dir steht, sich deiner gar schämt? Warum, wenn doch Scham im Spiel ist, will sie bei und mit dir sein? Was geht in dir vor, wenn sie immer wieder beleidigend wird, wenn Freunde dabei sind? Und was, wenn wir es mit gleich zwei hypersensiblen Menschen zu tun haben, die bis in die Spitzen fühlen, oftmals aber auf Gegenwehr im eigenen Ich stoßen?

Jungbluth hat Antworten. Und auch, wenn er versucht, die Dinge durch sich, aber von außen zu betrachten und mit gewisser Ahnung von Theorie an die Sache geht, so entbehrt dieses Buch nicht eines wahrlich tiefen Gefühls, das der Autor zu vermitteln mehr als imstande ist. Mit-Leid …. hier ein Begriff, der eine eigene Wahrheit findet.

Und wahr im Sinne von Ehrlichkeit ist Tomas Jungbluth in seinem Buch. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, führt den Stift nicht in Ahnung irgendwelcher Konsequenzen, sich so exhibitionistisch zu geben, wie er es eben sein muss, wenn er mit diesem Thema in die Öffentlichkeit geht. Freilich möchte man ihn fragen, ob er keine Angst hat, als Weichei dazustehen, im Mindesten vor denen, die ihn kennen und vielleicht, nach dem Lesen der Lektüre, mit dem Finger auf ihn zeigen. Aber man hört ihn zwischen den Zeilen rufen: „Das ist mir egal“, während er an seinem Whisky nippt.

Mutig ist dieses Buch also ebenso, wie es emotional ist und das Thema Trennung auch aus einer gewissen Entfernung beleuchtet.

Aber nicht nur die Thematik selbst wirkt wie eine Fessel, die den Leser / die Leserin an das Buch bindet und sich erst dann löst, wenn das letzte Wort der letzten Seite gelesen ist. Es ist auch das Sprachbild, das sich zwischen Poesie und Lyrik, Prosa und analytischem Essay bewegt. Es sind die Bilder, die Jungbluth zeichnet, die nicht Kontinente, nicht Welten, die beinahe Universen sind. So schiebt er sein durchaus hartes Thema in eine sprachliche Weichheit, die ihre Vergleiche sucht.

Diese reich bebilderte Sprache fasziniert ebenso, wie der unübersehbare innere Trieb, das Faktische in Metaphern auszudrücken. Oftmals ist eine an Metaphern reiche Sprache aufdringlich, wirkt gekünstelt und ist nicht selten nervig. Nicht so bei Tomas Jungbluth. Der schafft es tatsächlich, seine Gefühle sprachlich dicht zu bebildern, ohne dass man irgendwann übervoll ist und das Buch weglegt. Es sind gerade auch jene Bildwelten, die der Autor zeichnet, die eine Art Zwang bilden, weiter und immer weiter zu lesen. Ein Zwang, der in keiner Minute, in keiner Zeile unschön wirkt.

Zum Ende hin wird es stiller, das Licht seiner Schreibtischlampe scheint dunkler geworden zu sein. Ein Hauch von Alkohol und Zigarettenrauch scheint durch die Stube zu wabern und irgendwie ist da dieses Bedürfnis, ihm auf die Schulter zu klopfen und zu sagen: „Well done Brother! We all now this feeling! Come on… your nose need the smell of heaven!“
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Rezension von Marius Grün
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„Tomas Jungbluths Buch „Kammerflimmern“ entwickelt schnell einen starken Sog. Man will es nicht mehr aus der Hand legen, wird erfasst von den hohen und tiefen Emotionen, die in dieser auseinander fallenden oder – gemessen an den „Aussetzern“ der im Monolog angesprochenen Partnerin – aus mutwilligem Fatalismus heraus zerstörten Beziehung zutage treten. Frühes Fremdgehen, mehrfache On/Offs, der Rauswurf des Mannes, diverse Herabsetzungen – nichts davon möchte man life erleben und doch kommt einem das skizzierte Klima so bekannt vor. Und dabei ist „skizziert“ das falsche Wort, Jungbluth hat eine Begabung, aus Worten reiche Bild- und Emotionslandschaften zu malen, dass es einen manchmal umwirft. Das hintergründige Thema „Borderline“ wird hier in ein Gemälde gepackt, und gerade dass macht es so schön, diesen Abrgund zu betreten, den „Kammerflimmern“ aufzeigt. Absolute Empfehlung“
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Rezension von Martin Knuth
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„Sich nach einer zerbrochenen Beziehung noch ein letztes Mal zusammenzusetzen, um alles loszuwerden, was einem auf dem Herzen liegt, diesen Wunsch kennt sicherlich jeder, der selbst einmal das schmerzliche Ende einer Beziehung durchlebt hat. Wenigstens dieses Mal ohne gegenseitige Anschuldigungen, einfach nur zusammensitzen, erzählen, zuhören und vielleicht verstehen. Ganz entspannt bei einem Drink oder zwei, und wenn es der Abend hergibt auch mit einem Tütchen, denn manche Dinge lassen sich einfach besser erzählen, wenn man etwas geraucht hat.

Das ist das Setting, das Tomas Jungbluth in seinem neuen Buch entwirft, nur dass die Frau, um die es hier geht, physisch nicht anwesend ist und stattdessen der Leser an seiner Seite sitzt, mitdenkend, mitfühlend. Was der Leser erfährt sind mehr als die üblichen „hard facts“ einer Beziehung, mehr als das WerWasWannWoWie. Er erhält Einblicke in das Seelenleben der Erzählerfigur, Innenansichten zweier Menschen, die zusammen die schönsten „High-End-Momente“ erleben und dennoch scheiterten. Doch was heißt schon scheitern, zu oft wird dieses Wort verwendet, um Erlebtes leichtfertig abzutun und für beendet zu erklären. Etwas leichtfertig abzutun ist des Erzählers Sache nicht, und da sich so eine Beziehung aus ziemlich vielen Gedanken, Gesprächen und Erlebnissen zusammen setzt, bieten sich ihm auch jede Menge Ansatzpunkte, das Zusammengesetzte wieder auseinander zu nehmen.

Dies tut der Erzähler mit dem Eifer eines Herzchirurgen, oder vielleicht eines Pathologen, denn sicher ist man sich nicht, ob er das kranke Herz heilen oder nicht eher sezieren möchte. Schritt für Schritt läuft er noch einmal die Etappen der Beziehung ab, das Kennenlernen, den Weg zum „Rabensprung“ (ein wunderbar beschriebener Ort, den man nach der Lektüre am liebsten selbst besuchen möchte), die gemeinsam durchwachten Tage und Nächte. Doch das, was da an Liebe heranwächst, ist von Anfang an gefährdet. Es tauchen Risse auf, Dissonanzen, da sind die Altlasten früherer Beziehungen, die zu psychologischen Deutungen und Grundsatzdebatten führen. Und dann diese scheinbar unbedeutenden Kleinigkeiten, die jederzeit zum Anlass für eine handfeste Krise werden können. Und auch, wenn es wehtut, der Erzähler forscht weiter, jede Erinnerung wird auf ihren Schmerzpunkt hin abgesucht, keine Beziehungsfrage darf offen bleiben.

„Psychoaktiv“, so attribuiert der Erzähler an einer Stelle die Frau, um die sich seine Erinnerungen drehen. Wie sehr ihr Auftritt seine Psyche aktiviert haben muss, davon zeugt auch seine Sprache, die zwischen analytisch und emotional schwankt. Da ist die Rede von Grenzen, von Fraktalen und Achtsamkeit; viel zu selten hört man so etwas von einem männlichen Erzähler. Als schwierig erweist sich hingegen die Kombination aus Du-Ansprache und Präteritum; hier kommt es zu umständlichen Verbformen, die den Bewusstseinsstrom ins Stocken bringen.

Immer dann, wenn der Erzähler Gefahr läuft, den Leser mit einem Zuviel an Erinnerungen und Analysen zu erdrücken, tritt er aus seinem Strom der Erinnerung heraus und bemerkt, fast schon verwundert, dass da einer sitzt und immer noch zuhört: „Dein Whisky ist leer… magst Du noch einen? Gern, einen kleinen Moment… Ja klar, aber lass mich mal ziehen! Gutes Gras hast Du da…“ Diese wiederkehrende Rückkehr zum Anfangssetting tut dem Buch gut, denn sie schafft Struktur und Distanz. Der Abstand ist auch nötig bei einem Erzähler, in dem es noch arbeitet und der ganz nah, vielleicht zu nah am Geschehen dran ist.

Und, hat das fiebernde Herz den Eingriff überstanden? Es scheint so, zumindest besteht Anlass zur Hoffnung, wenn der Erzähler gegen Ende sagt: „Cheers, Du unvergleichliche Frau … und danke für diesen unfassbaren Reichtum, den Du in mein Leben getragen hast…“. So spricht einer, der bereit ist, zur Ruhe zu kommen und das Vergangene ohne Groll zu betrachten. Tomas Jungbluth ist mit „Kammerflimmern“ das Kunststück gelungen, eine ungewöhnliche Liebesgeschichte in der Form eines Bewusstseinsstroms zu erzählen, ohne dabei auf gängige Rollenklischees zurückzugreifen. Die Geschichte berührt, weil sie emotional, aber ohne Kitsch daher kommt und einen über sein eigenes Fühlen und Handeln nachdenken lässt. Das Buch ist somit auch ein Plädoyer für mehr Achtsamkeit gegenüber sich und anderen.“
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Rezension von Renate R.
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„Tomas Jungbluths „Kammerflimmern“ ist ein sehr gefühlvoller, wort- und bildstarker Rückblick auf die Empfindungen aus einer gescheiterten Liebesbeziehung. Das Buch ist sehr berührend und lesenswert, weil es die Zeit vergessen lässt.

Über einen langen Zeitraum wachsen zwei Liebende zusammen, ohne dass eine dauerhafte harmonische Beziehung entstehen kann, weil es immer wieder zu „Ausbrüchen“ aus der Gemeinsamkeit seitens der Partnerin kommt. Die schmerzhafte „Betroffenheit“ des Mannes ist verständlicherweise sehr groß, weil er die ständig wirbelnden Emotionen nicht „beruhigen“ kann. Es lässt sich nicht verstehen, warum es immer wieder zu Zwietracht führende Unstimmigkeiten gibt und diese tiefe Liebe nicht blühen und wachsen kann. Letztendlich kommt es zum „Bruch“ der Liebesbeziehung. Gleichzeitig ruht in ihm weiterhin der Wunsch nach Harmonie und die Hoffnung auf eine glückliche gemeinsame Beziehung.

Als Leser möchte man Ratschläge geben oder auch „Hilfe“ in Form eines Gesprächs anbieten.“
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Rezension von Susanne Agnes Fauser
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„Ich fliege atemlos durch die Worte, heule seit Seite 13 und muss jetzt eine Pause machen, weil diese Intensität und Wortgewalt mich so tief im Innern zum Schwingen bringen, wie es noch nie ein Buch, nicht einmal unser geliebtes Werk „Kleine Lichter“, getan hat.

Es ist ein absolutes Meisterwerk.“

[…]

„Jungbluth hat mich manches Mal zum Weinen gebracht, zum Nachdenken sowieso und während ich wie eine Voyeurin sein Sezieren beobachtete, schien es mir, als würde seine Katharsis auf mich übergehen. Wortgewaltig, ohne jemals in Peinlichkeit oder gar Schwülstigkeit zu verfallen, faltet der Autor sein Innenleben und eine Beziehung auseinander. Offeneres habe ich selten gelesen.

Der Protagonist trinkt Whisky, immer wieder in Gedanken zusammen mit seiner ehemaligen Liebe, redet, unternimmt Erklärungsversuche. Was mich daran besonders faszinierte, war, dass er dabei immer fair, ja geradezu beinahe zu human bleibt. Von ersten Satz an intensiv. Niemals langweilig. Eine Sprache, die süchtig macht und ein Sujet, an dem wir alle dann und wann zerbrechen.

Jungbluth hilft dabei, die Fäden zu entwirren und klar zu werden. Am Ende Buches möchte man ausrufen: Nie wieder!

Danke.“
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„Kammerflimmern“ im Onlinestore: bitte hier entlang.
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