„Hornhaut“

Benjamin Schmidt

„Hornhaut ist ein Buch, das zwischen den Zeilen existiert. Wichtig ist eigentlich das, was man nicht ließt, und Bruggmann schafft es, in seinen melancholischen Szenerien diese Tiefe zu umkreisen, um seinen Lesern die Möglichkeit zu geben, in den Strudel seiner Geschichten zu geraten und ihnen auf den Grund zu gehen. Oft lotet er sie genau dort aus, wo man sie am wenigsten erwartet. Im ganz Alltäglichen taucht er ab und vermutet das Leben da, wo wir es längst aus der Hand gegeben haben.
„Manchmal hat er das Gefühl, er komme in seiner eigenen Geschichte gar nicht vor.“ – Möglicherweise liegt zu viel Hornhaut über dem Leben, dass wir es manchmal so wenig bemerken, so wenig fühlen. Bruggmann aber legt in den scheinbar gewöhnlichsten Momenten ganze Welten frei. Von Schwermut begleitet, aber auch von Hofnung getragen. Warum sonst sollte man suchen, wenn eigentlich zu finden nicht erwartet werden kann? Mehr Fragen als Antworten… da gebe ich dem Klappentext recht. Und dem Leben auch.“
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Oliver Teetz

„Hornhaut“ heißt dieses schlanke Buch, in dem fast 30 Erzählungen versammelt sind. Erdacht und erschrieben von Ralf Bruggmann, erschienen bei der Edition Outbird. Mutiger Name für eine Prosa-Sammlung, könnte mensch denken, sich das Buch näher ansehen, umdrehen, und als nächstes zwei Füße erkennen, wie skizziert, wie gezeichnet. „Hornhaut“, und, etwas kleiner darunter geschrieben, „Wortlandschaften“, und darunter zwei Füße, die vielleicht zusammen gehören, wahrscheinlich ein Paar bilden, fast ließe sich sagen, sie gehörten bestimmt zusammen, doch das führte möglicherweise schon zu weit und kann nicht als gesichert gelten.

Mit Relativierungen und Ungewissheiten, fehlenden Haltepunkten und Sicherheiten haben auch viele der Figuren in den verschiedenen Settings zu tun. Die mit genauem Strich und schnörkellosem Stil skizziert sind, als wären sie alle Studien zu einem Gegenstand : Einsamkeit. Die Einsamkeit des von sich und der Welt entfremdeten Menschen, ohne Zugang zu Gefühlen, der alltäglich etwas reproduziert, das zwar wie der Alltag eines Lebens aussieht, aber doch nur der Schatten davon ist. Ein Theater, das aufrechterhalten wird, weil es begonnen hat.

Hinter all den Relativierungen und dem Konjunktivdenken lauert der Schrecken des absoluten Nichts. Erahnbar in der Abwesenheit von sinnlichen Beziehungen zwischen den Figuren und Zeilen. Abwesenheiten, hinter denen sich leeres Leben abzeichnet, gefühlstote Gegenwart. Eine trostlose Wirklichkeit, die indirekt vermittelt wird. Von Figuren, die ihr Leben so nüchtern protokollieren, als läsen sie etwas ab, das anderen geschieht. Wo sich die Menschen sowohl in Liebesbeziehungen als auch im Alltag verfehlen, weil das nötige Gefühl für sich und füreinander fehlt. Weil Menschen, die sich selbst nicht wirklich wahrnehmen, auch kein Gegenüber sehen. Wem die Worte fehlen, sich selbst auszudrücken, der findet keine Worte, den anderen zu erkennen, ihm begegnen zu können. Vom Leben unter diesen Vorzeichen berichtet der Textkörper in vielen kurzen Szenen, die zusammen ein Bild ergeben, das sich im Verlauf immer stärker verdichtet.“
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„Saiten“-Magazin

„Ralf Bruggmann hat ein Flair für Figuren wie diese «Frau ohne Bedeutung» (so der Titel der Kurzgeschichte): für Menschen, die sich flüchtig begegnen, Einsame, die keine Namen tragen, Paare, die sich fremd bleiben, auch wenn sie sich lieben. Die Schauplätze seiner Geschichten sind unbestimmt wie hier: eine Strasse, der Blick aus einem Fenster, ein Schlafzimmer, Innenräume zumeist, selten Landschaften.

Der Alltag kippt ins Drama

Die Auslöser seiner Szenen sind oft alltäglich – der Blick in die Kaffeetasse wie in der Geschichte «Enten töten», das Abspulen einer alten Kassette wie in «Mixtape», ein Fleck an der Zimmerdecke in «Vielleicht ein Tiger». Daran aber entzündet sich in wenigen Sätzen ein Drama: der Schreck über das Altwerden, die Leere in der Beziehung, Trennungen, ein verpasstes Leben. Seltener sind die Umschläge ins Glück: eine unvermutete Liebesnacht, ein Tanz. Das Entscheidende passiert im Kopf der Figuren – so hilft die Vorstellung, Enten zu töten, der namenlosen Frau für einen Moment über die Banalität des eigenen Lebens hinweg.“

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Sankt Galler Tagblatt

„Viele seiner Geschichten sind existenzieller Natur und berichten von Leere und Verlorenheit. Noch heute geht es ihm darum, Gedanken und Gefühle auszuloten und zu erforschen. Der Unterschied zu früher ist jedoch das Publikum: «Es interessiert mich, was meine Texte bei den Lesern auslösen.» Oft bleiben seine Texte bei der Andeutung und leben von den Zwischentönen. «Der Text muss atmen können.»

Die Figuren in Ralf Bruggmanns Geschichten sind oft auf der Suche nach Halt in einer Welt, in der nichts sicher scheint. Sie wollen nicht vor der Unsicherheit erdrückt werden. Der Text über jenen, der auf der Telefonzelle in die Weite starrt, nimmt den Leser mit in den Bewusstseinsstrom von dessen Psyche. Tagträumerei könnte man das nennen.“

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