„Der Tag braucht das Licht, ich nicht“

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Rezension von 0_Lavender_0

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Zum Cover:
Es ist insgesamt in dunklen Tönen gehalten, aus denen ein blasses Gesicht mit blutverschmiertem Mund hervorsticht. Die Person erinnert an einen Vampir, der an einen Baum gelehnt, die Hände vor sich klauenartig verkrampft auf ein Opfer wartet. Doch die Geschichten im Buch sind weit von diesem Thema entfernt.

Zum Inhalt:
Das kleine, handliche Büchlein enthält zwanzig dunkelgraue bis schwarze Geschichten, die humorvoll von Menschen in der Zwickmühle erzählen.
Alltägliches wird durch Marotten und psychische Probleme zu skurrilem Verhalten, das dann und wann auch in einem Mord gipfelt.
Die Geschichten unterscheiden sich inhaltlich stark und bieten somit Abwechslung. Es könnte für jeden etwas dabei sein, der schwarzen Humor liebt. Zimperlich darf man auf keinen Fall sein, denn für manche Geschichten braucht man einen gesunden Magen, wenn man beginnt, sich die Story bildlich vorzustellen.
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Rezension von Martin K.
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Der Tag braucht das Licht, ich nicht 3.0 von Klaus Märkert ist ein Buch, das einem die Illusion nimmt, die Kontrolle über das eigene Leben zu haben.

Alltagsabläufe sind eine schöne Sache. Sie helfen einem dabei, nicht ständig alles in Frage stellen zu müssen und Familie, Arbeit und Hobby auf die Reihe zu bekommen. Dass dies oftmals nur über Verdrängung geschieht, ist nicht weiter schlimm, denn immerhin wird man mit dem schönen Gefühl belohnt, das Leben voll im Griff zu haben. Doch was passiert, wenn die verdrängten Anteile sich plötzlich zurückmelden und sich zwischen den Alltag und das vermeintlich stabile Ich drängen? Dieser Frage geht Klaus Märkert in der erweiterten Neuauflage seiner Kurzgeschichtensammlung nach. Eine Sammlung bestehend aus zwanzig schwarzhumorigen Geschichten, in denen die überforderten Protagonisten ihre Alltagsregeln außer Kraft gesetzt sehen und dennoch krampfhaft versuchen, nach eben diesen weiterzuspielen.

Da ist zum Beispiel der strebsame Angestellte, der auf dem Weg zur Arbeit einen Fahrstuhl betritt, und oben angekommen etwas Unvorstellbares getan haben wird. Da ist die genügsame Hausfrau, die der Klang eines bekannten Weihnachtsliedes zum Messer greifen lässt. Und eine Kommissarin, die aus falsch verstandener Kollegialität die Seiten wechselt. Märkerts Protagonisten sind trotz ihrer zumeist randständigen Milieus tief im Alltag verwurzelt, sie reagieren glaubwürdig entsprechend der Binnenlogik ihrer Charaktere und stürzen genau deshalb noch tiefer in die Absurdität.

Es geht blutig zu in den Kurzgeschichten Klaus Märkerts und nur selten kommt mal einer unversehrt aus der Sache raus. Dabei erschöpfen sich die Geschichten längst nicht in Slapstick und Horror, denn wie kaum ein Anderer versteht es der Autor, abseitige Figuren in ihrem jeweiligen gesellschaftlichen Umfeld sichtbar zu machen. Auf wenigen Zeilen setzt er eine scheinbar harmlose Geschichte in Gang, um sie kurz darauf komplett kippen zu lassen. Da blitzt ein Form von Gesellschaftskritik auf, die einen an Michail Bulgakows groteske Beschreibungen des sowjetischen Alltagsbetriebs denken lassen. Wie sein russischer Kollege legt Märkert immer noch eine Schippe drauf und treibt so den Wahnsinn, der in der bundesdeutschen Realität bereits angelegt ist, immer weiter auf die Spitze.

Wer den Autor schon einmal live erleben durfte, weiß um den treffsicheren Witz, den fast schon bizarren Einfallsreichtum und die unvorhersehbaren Wendungen seiner Texte, die jede Lesererwartung radikal unterlaufen. Ein Teil der Geschichten des vorliegenden Bandes zeichnet sich durch genau diese Qualitäten aus. Doch es sind auch Texte enthalten, die sich diesem Schema entziehen und über Andeutungen und Surrealisierung funktionieren. In überraschend unblutigen Geschichten wie „Kontrolle“ oder „Spargel“ wird dem Leser das befreiende Lachen schlichtweg verweigert und gerade dadurch ein subtiles Gefühl von Bedrohung erzeugt, das noch lange nachhallt.
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Rezension von Tobias Rotzoll
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Ich hatte von diesem Autor vorher noch nichts gehört bzw. gelesen. Dies war ein Fehler und ich bin froh das ich dies nachholen konnte. Die Geschichten sind gut geschrieben und haben bei mir für den ein oder anderen Lacher gesorgt. Wer auf etwas gesellschaftskritische Lektüreempfehlungen re steht kommt hier meiner Meinung nach auf seine Kosten. Gerne mehr davon.
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„Der Tag braucht das Licht, icht nicht 3.0“ in unserem Onlinestore: bitte hier entlang.
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