Großartige Berichterstattung der Ostthüringer Zeitung zur Leipziger Buchmesse

Wir bedanken uns ganz herzlich bei den Redakteurinnen Ilona Berger und Ulrike Merkel über die beiden umfassenden Artikel der Ostthüringer Zeitung, die sich am 22. 02. 2020 den Geraer Verlagen und deren Teilnahme und Buchvorstellungen auf der Leipziger Buchmesse widmeten, unter anderem mit einen Ausblick auf unseren Literarischen Salon am 14. 03. 2020; und nach Absage selbiger am heutigen 11. 03. 2020 mit 25 Titeln die wichtigsten Neuerscheinungen Ostthüringer Verlage vorstellten – darunter „Liber Thanatamor“ von Dirk-Boris Rödel, „Schwanenhalsbrücke“ von Edek Rose und „Kokon“ von René Porschen.

Solche umfassenden Artikel machen die Verlagsszene Geras und Ostthüringens in ihrer Vielfalt sichtbar und eröffnen potentiellen LeserInnen neue Lesestoffe. Wir freuen uns über beide Artikel und sagen: herzlichen Dank!
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Aktuelle Besprechungen und Resonanzen

Zahlreiche Buchbesprechungen und Presseresonanzen kamen in den letzten Wochen bei uns rein, für die wir uns ganz herzlich bedanken möchten:

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Pia LüddeckesGeister

Susanne Agnes Fauser schreibt:

„Ich habe das Buch nicht mehr aus der Hand gelegt, bis ich es zu Ende gelesen hatte! Das Buch besitzt den Drive, einen alles um sich herum zu vergessen zu lassen und einfach abzutauchen in Toms Welt. Spannend. Düster. Voller Geheimnisse.

[…]

Was ich an dem Buch ebenfalls sehr mochte, ist die Sprache, die einen mit sich trägt wie ein Fluss – die Worte malen Bilder, so dass man alles vor sich sehen kann wie in einem Film. Und das Cover ist ebenfalls etwas ganz Besonderes und passt sehr gut zu diesem Werk. Ich freue mich schon auf Lüddeckes nächstes Buch, das ich mit Sicherheit lesen werde.“

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Michael HaasDie Augen meiner Tochter„:

Ein Leser schreibt:

„Die Liebe und Wertschätzung, die der Ich-Erzähler seinem Kind und seiner Frau entgegenbringt, möchte man nach der Lektüre einem jeden Menschen wünschen und auch sein eigenes Handeln danach ausrichten. Wer liebt, muss nicht daran erinnert werden, zu lieben. Aber Aufmerksamkeit und Wertschätzung seinen Nächsten gegenüber gehen im Alltag oft unter. Michael Haas zeigt uns die Wichtigkeit, jeden Tag daran zu denken und dem eigenen Leben und Handeln die richtigen Prioritäten zu geben. Eine fantastische schöne Erzählung, die in Erinnerung bleibt.“

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Michael SchweßingerIn Buxtehude ist noch Platz„:

Das „Frizz“-Magazin fragt im Imterview:

„…Sie sind einer der wenigen mir bekannten dauerschreibenden Autoren, die auch noch einem Brotberuf nachgehen – sogar als Bäcker. Ist echte Arbeit gut fürs Schreiben oder hemmt die Erfahrung in der Realwelt den literarischen Fluss? Wie sehen Sie das?

Meine Erzählungen sind ja meistens an meine Erlebniswelt gekoppelt, also für mich ist Literatur ohne meine Erfahrungen nicht möglich. Ich sehe einen Ausschnitt der Wirklichkeit und schreibe darüber, um ihn mir selbst zu verdeutlichen oder auch um Geschichten zu erzählen, die oftmals von Menschen handeln, die sonst in der Literatur nicht so auftauchen.

Alleine anhand meiner Erlebnisse in den Bäckereien quer über den Kontinent, könnte ich eine Geschichte der Migration schreiben. Ich komme gerade aus Norwegen zurück, da arbeitete ich mit einem Franzosen, der mit seiner Frau aus Südfrankreich geflohen war, weil ihnen in Marseille als Muslime der Hass zu groß wurde. Das sind keine Figuren von Remarque aus den 20er Jahren, sondern das ist die europäische Realität 2019. …“

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Klaus MärkertDas Besondere kommt noch„:

Das Geraer „07Stadtmagazin“ schreibt:

„„… Kapitel für Kapitel springt er durch die Jahrzehnte, reiht mit oftmals schwarzem Humor und in lakonischer Sprache vielfach grotesk anmutende Episoden aneinander, die sich erst allmählich – einem Puzzle gleich – ineinander fügen. […] Herausgekommen ist eine humorvolle Betrachtung des alltäglichen kleinen Scheiterns.“

Franziska Appel schreibt:

„„Bei Märkerts autobiografischem Werk handelt es sich nicht um einen autobiografischer Roman im herkömmlichen Sinne. Es ist eine mehr oder weniger lose Abfolge von 30 Erzählungen aus dem Leben des Autors. Insgesamt bietet „Das Besondere kommt noch“ eine dunkelbunte Mischung aus Alltagsbetrachtungen, die durch Märkerts trockenen Sound – seinem Nachthumor – aus ihrer vordergründigen Banalität gerissen werden und so eine andere Perspektive verliehen bekommen. Und da auch wissenschaftlich gemeinhin angezweifelt wird, dass die Zeit linear verläuft, muss sich natürlich auch der Autor in seinem Buch nicht an diese rein subjektiv empfundene Abfolge der Ereignisse halten. Dieses Werk erinnert mehr an archäologische Grabungen im Leben des Autors, wo sich irgendwo zwischen Vergangenheit und Zukunft „Das Besondere“, „Mysteriös“, „Von Sinnen“, „Moderne Zeiten“ und „Das Schreiben und das Lesen“ immer wieder überlagern und der Albtraum schließlich zur Verheißung wird.“

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Franziska Appel und Benjamin SchmidtFuck[dis]Ability„:

Die „Kobinet-Nachrichten“ schreiben:

„„… Die AutorInnen Franziska Appel und Benjamin Schmidt bieten mit „FUCK[dis]ABILITY“ eine lustbetonte Möglichkeit, Berührungsängste, hier im wahrsten Wortsinn, zu durchbrechen und sich an ein Themenfeld heranzutasten, welches auf diese Weise literarisch und illustratorisch bislang ungesehen, ungelesen blieb. Ich erlebe die künstlerische Annäherung der beiden an die Thematik „Sexualität und Behinderung“ als selbstbestimmt und empowernd. …“

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Christopher SappokBunker„:

Das „Outscapes“-Magazin fragt:

„… War und ist das Buch eine persönliche Spielwiese, ein Experiment? Und was genau war oder ist Deine Intention mit dem im Dezember erschienenen Buch?

Das war die ursprüngliche Intention: Krieg ich das hin, mal wieder einen echten Versroman zu schreiben, nach all den wirklich vielen Jahren, die es das auf Deutsch nicht mehr gegeben hat? Damit fing es an. Dazu kam dann das Experiment, das nur mit Dialog zu machen. Rhymes und Dialog, das sollte unter einen Hut gebracht werden und unter die Haut gehen! Die Story war erstmal nur Nebensache. …“

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Edek RoseSchwanenhalsbrücke„:

Das „Outscapes“-Magazin fragt:

„… Wenn man „Schwanenhalsbrücke“ aufschlägt und zu lesen beginnt, scheint der Stoff – so ging es mir zumindest – wie ein Sog, der dich ad hoc in einen Abgrund reißt, in dem du zunächst weder siehst noch hörst, wo du hingeraten wirst. Einzig ein Gefühl breitet sich aus, dass nicht recht beschreibbar ist. Gibt es etwas, was du mit deinen Texten auslösen willst und wenn ja was?

Ich spreche natürlich nicht für andere Menschen, die in irgendeiner Form mit ihrem Leben abgeschlossen haben. Ich wünsche mir natürlich, dass meine Freunde und Familie verstehen können, welche Bilder meine Seele beherrschen, wenn ich mir wünsche nicht mehr zu existieren. Vielleicht kann mein Buch anderen Angehörigen psychisch kranker Menschen die Möglichkeit geben wenigstens mehr Verständnis zu zeigen, anstatt prekäre Situationen durch selbst auferlegte soziale Versagensängste zu verschlimmern. Meine Gedichte stammen aus einer Welt, in welcher charakterschwache Individuen nicht aufhören können, schlechte Entscheidungen zu treffen, weil sie für ihre abartigen Taten so lange belohnt werden bis sie den eigenen Bezug zur Realität verlieren. Tiermetaphern durchziehen mein Werk, die eine sich selbst kannibalisierende Natur zeigen, deren zerrissene Oberflächen alles Lebende verschlingt. Vom unsauber entfernten Fötus bis zum pädophilen Massenmörder: Ihre von der unbarmherzig rasenden Zeit zerfressenen Körper sickern in das exakt selbe Vakuum; in dieser Welt bin ich ausgebeuteter Zeitarbeiter, misshandelte Frau, gewaltsüchtiges Kind und jeder von ihnen teilt einen bestimmten gemeinsamen Weltschmerz, der in meinem Kopf in jedem ruhigen Moment Amok läuft. …“

Hier geht es zu den kompletten Interviews und Rezensionen.

Weitere Feedbacks gibt es zu Michael Schweßinger und zu unserem Verlag auf der Leipziger Buchmesse 2020:

Die „Mitteldeutsche Zeitung“ schreibt:

„Wort und Klang – so nennt sich die Veranstaltungsreihe, die Michael Schweßinger und seine Mitstreiter seit anderthalb Jahren in Zeitz anbieten. Der Name ist Programm: Einmal im Monat tritt ein Liedermacher oder eine Band auf, kombiniert mit einer Autorenlesung. Zuletzt las Schriftsteller Schweßinger Anfang Dezember selbst aus seinem Werk, zusammen mit den Autoren M. Kruppe und Ulf Torreck, die die Reihe über einen Verein gemeinsam veranstalten.

[…]

„Wir haben hier sehr positive Erfahrungen gemacht“, sagt Michael Schweßinger in Hinblick auf die Kulturreihe. Etwa 40 Besucher kommen jeweils zu den Veranstaltungen, die jedes Mal Musik und Literatur verschiedener Genres bieten. Damit ist Schweßinger recht zu zufrieden, in Leipzig sei es auch nicht so einfach, so viele Leute zusammen zu bekommen. Auch die Finanzierung auf Spendenbasis funktioniere gut. Für eine kleinformatige Kulturveranstaltung nicht selbstverständlich, findet der Autor. …“

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Die Ostthüringer Zeitung schreibt:

„Viele der Autoren sind in der Subkultur verwurzelt“, sagt Rosenkranz. Wachsend sei auch die Fantasy-Sparte. „Druckfrisch können wir hoffentlich René Porschens Roman „Kokon“ vorlegen. Der Erfurter unternimmt eine Reise in ein schräges Paralleluniversum.“ Edition Outbird ist zum vierten Mal auf der Messe. […] Das dritte Jahr in Folge veranstaltet Edition Outbird den Literarischen Salon, in dem Autoren lesen. Er öffnet am 14. März in der Galerie Kunstraum 16 Connewitz, Werk 2, Beginn 19.30 Uhr.“

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„Ich habe Vertrauen in die menschliche Spezies, weil selbst Monster eine Seele besitzen“ – Edek Rose im Interview zu „Schwanenhalsbrücke“

Von Edek Rose erscheint in Kürze sein Lyrikdebüt „Schwanenhalsbrücke“ bei Edition Outbird. Wir stellten ihm ein paar Fragen. Zitat:

„… Wenn man „Schwanenhalsbrücke“ aufschlägt und zu lesen beginnt, scheint der Stoff – so ging es mir zumindest – wie ein Sog, der dich ad hoc in einen Abgrund reißt, in dem du zunächst weder siehst noch hörst, wo du hingeraten wirst. Einzig ein Gefühl breitet sich aus, dass nicht recht beschreibbar ist. Gibt es etwas, was du mit deinen Texten auslösen willst und wenn ja was?

Ich spreche natürlich nicht für andere Menschen, die in irgendeiner Form mit ihrem Leben abgeschlossen haben. Ich wünsche mir natürlich, dass meine Freunde und Familie verstehen können, welche Bilder meine Seele beherrschen, wenn ich mir wünsche nicht mehr zu existieren. Vielleicht kann mein Buch anderen Angehörigen psychisch kranker Menschen die Möglichkeit geben wenigstens mehr Verständnis zu zeigen, anstatt prekäre Situationen durch selbst auferlegte soziale Versagensängste zu verschlimmern. Meine Gedichte stammen aus einer Welt, in welcher charakterschwache Individuen nicht aufhören können, schlechte Entscheidungen zu treffen, weil sie für ihre abartigen Taten so lange belohnt werden bis sie den eigenen Bezug zur Realität verlieren. Tiermetaphern durchziehen mein Werk, die eine sich selbst kannibalisierende Natur zeigen, deren zerrissene Oberflächen alles Lebende verschlingt. Vom unsauber entfernten Fötus bis zum pädophilen Massenmörder: Ihre von der unbarmherzig rasenden Zeit zerfressenen Körper sickern in das exakt selbe Vakuum; in dieser Welt bin ich ausgebeuteter Zeitarbeiter, misshandelte Frau, gewaltsüchtiges Kind und jeder von ihnen teilt einen bestimmten gemeinsamen Weltschmerz, der in meinem Kopf in jedem ruhigen Moment Amok läuft. …“

Buch im Verlagsshop: Bitte Cover anklicken.

Das gesamte Interview finden Sie in unserem Onlinemagazin „Outscapes„.

Bildnachweis: Markus Konetzka, Edition Outbird
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Neu erschienen: Edek Roses „Schwanenhalsbrücke“

Edek Rose ritzt und schreit, torkelt und speit die innere in die äußere Welt, während man hinter seiner Lyrik des Missbrauchs und Wegwerfens tiefe Verletzungen ebenso erahnen kann wie seine überaus hohe Wertschätzung für Liebe und menschliche Gemeinschaft. Wenn man seine Zeilen liest, wird man in die Kammern des Schreckens gezogen, entdeckt man Figuren und Neigungen, die alles andere alsglatt, glänzend und gesund sind.

Edek Rose lässt jenseits seiner tanzenden Sprache keinen Spielraum, macht keine Gefangenen. „Schwanenhalsbrücke“ ist schonungslos, dicht und überwältigend – alles andere würde an dieser Stelle den Überraschungsmoment abtragen…

M. Kruppe schreibt im Vorwort:

„… Nein, ich will Edek Rose nicht mit Klaus Kinski vergleichen. Aber die Werke scheinen ein gemeinsames Fundament zu haben. Irgendwo da unten, in diesem Schlamm, durch den manch einer kriecht, muss es etwas geben, das man mitnimmt an die Oberfläche. Und das dann raus will. Als sei der Körper des im Schlamm Gewesenen der Wirt einer geheimen Spezies, die sich selbst zu Sprache transformiert, metamorphisiert, um den Homo Sapiens etwas von der Dunkelheit zu erzählen, um zu zeigen, dass alles Empfinden, alles Fühlen und Denken einen Ursprung hat, miteinander verbunden, verknüpft ist und benannt werden muss. …“

M. Kruppes Vorwort finden Sie unter diesem Link, das mit einer Covergrafik von Seki Bray gestaltete „Schwanenhalsbrücke“ ist in unserem Verlagsshop erhältlich.
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M. Kruppes Vorwort zu Edek Roses „Schwanenhalsbrücke“

Zu Edek Roses unfassbarem Abgrund packender Lyrik „Schwanenhalsbrücke“ bedanken wir uns herzlich bei unserem Autoren M. Kruppe für sein Vorwort:

Edek Rose ist kein Schriftsteller, kein Autor. Edek Rose ist ein Entführer, ein Kidnapper. Skrupellos legt er seine gut getarnten Fallen aus und sein Jagdglück ist unermesslich.

Kaum die ersten Sätze in Schwanenhalsbrücke gelesen, hat er sein Opfer gepackt, und schleift es mit sich durch die dystopischen Welten eines morbiden Universums.

Und doch ist man hier gern Opfer, auch, wenn seine Worte Punkte treffen, die beinahe körperliche Schmerzen auslösen und man fragt sich: Wer ist dieser wahnsinnig Leben liebende Mensch, der das Leben hasst? Wer ist dieser liebevolle Psychopath, dieser literarische Massenmörder? Wer ist dieser vergewaltigende Humanist?

Vor einigen Jahren stolperte ich über ein Hörbuch, oder vielmehr eine auf einem Album festgehaltene Vertonung von Texten. Verfasst von einem zeitlebens und darüber hinaus umstrittenen Künstler. Gesprochen von einem ebenso, wenn auch nicht im selben Maße umstrittenen Künstler.

Ich war derart begeistert, dass ich etwas tat, was ich nur sehr, sehr selten tue: Dieses „Hörbuch“ lief in Dauerschleife, und auch heute krame ich gern die CD hervor, um mich von Text und Sprache inspirieren zu lassen. Ich besorgte mir auch das Buch und stellte fest, dass es noch wesentlich mehr Werke gibt, die allesamt so verstörend wie sprachlich einzigartig sind. Bis jetzt.

Die Rede ist von „Fieber – Tagebuch eines Aussätzigen“, geschrieben von Klaus Kinski, gesprochen von Ben Becker. Natürlich könnte ich mich an dieser Stelle, sozusagen im vorauseilenden Gehorsam, rechtfertigen, weswegen mich die Texte eines derart umstrittenen Menschen so angesprochen haben und ich gebe zu, irgendwas in mir schreit da gegen mich an. Aber ich habe gelernt, das jeweilige Werk von seinem jeweiligen Erschaffer zu trennen, denn Kunst steht zunächst für sich und erst beim Zweiten Nachhaken bekommt sie eine Biografie, es sei denn, im Werk selbst sind bereits Anstöße zu finden, die moralisch, ethisch und / oder aus humanistischer Sicht nicht vertretbar sind. Und aus eben diesem Grunde werde ich nicht vorauseilen.

Lange suchte ich nach vergleichbarem Textwerk, nach der düsteren Dystopie, nach morbide gewaltigen Metaphern, nach einer Hand, die mich im Genick packt und mit voller Wucht in den tiefen Schlamm der ausgelatschten Menschenpfade drückt, mich nicht loslässt, mich fast zu ersticken droht.

Nein, ich bin kein Masochist. Aber ich sehne mich nach der Anarchie in der Literatur. Ich suchte so lange nach Deutlichkeiten, die sich exibitionistisch und laut schrei(b)end in die Mitte ihrer Welt stellen, sich mit dem Schmutz des Lebens bewerfen und dabei nichts sind als ein Spiegel der Gesellschaft.

Dann lernte ich Edek Rose kennen. Schnell kamen wir ins Gespräch, bewegten uns von philosophischen Themen über Musik zur Literatur, und kaum dass wir begonnen hatten, war eine ganze Nacht vergangen. Umgeben von unzähligen leeren Bier- und Weinflaschen saßen wir da auf diesem Zeltplatz eines großen Festivals und vereinbarten, dass er mir ein paar seiner Texte zuschickt, denn ich war überzeugt, dass hier ein Mensch vor mir sitzt, der einiges zu sagen hat und es ganz deutlich zu sagen imstande ist.

Seine Intelligenz, die anfangs lediglich punktuell durch eine fast schon beschämende Bescheidenheit hindurch schien, imponierte mir genauso, wie seine Sprachgewandtheit im Gespräch sowie die Ruhe, die von Edek Rose ausging. Den in Nürnberg lebenden Künstler umgibt etwas Außergewöhnliches, das ich nicht recht in Worte zu fassen schaffe. Es ist schlicht eine inspirierende Aura, ohne dass ich hier jetzt einen auf Eso-Freak machen will.

Als mir dann, einige Wochen später das Manuskript zu „Schwanenhalsbrücke“ vorlag, war ich mehr als begeistert, denn ich fand endlich, was ich so lange suchte, was ich nur immer in den Texten aus „Fieber -Tagebuch eines Aussätzigen“ fand.

Nein, ich will Edek Rose nicht mit Klaus Kinski vergleichen. Aber die Werke scheinen ein gemeinsames Fundament zu haben. Irgendwo da unten, in diesem Schlamm, durch den manch einer kriecht, muss es etwas geben, das man mitnimmt an die Oberfläche. Und das dann raus will. Als sei der Körper des im Schlamm Gewesenen der Wirt einer geheimen Spezies, die sich selbst zu Sprache transformiert, metamorphisiert, um den Homo Sapiens etwas von der Dunkelheit zu erzählen, um zu zeigen, dass alles Empfinden, alles Fühlen und Denken einen Ursprung hat, miteinander verbunden, verknüpft ist und benannt werden muss.

Ich vertonte, nachdem er mir das Skript zum vorliegenden Buch zuschickte, drei seiner Gedichte, schickte die Aufnahmen einem Freund, den ich als Experte für Dramatik und Literatur oft zu Rate ziehe, und der meinte kurz drauf: „Kruppe, das ist das Beste, das ich bisher von dir kenne. Das ist dicht und rund, das hat Tiefe und ist mehr als genial!“

Neidlos sagte ich ihm, dass das leider nicht von mir ist und erwähnte den Namen Edek Rose. „Das muss in ein Buch“, sagte jener Freund, der den Fuß aus dem Fettnapf zog und sich entschuldigte. “Wofür?“, fragte ich mich. Ich bin doch in keinem Wettkampf. Und wenn ENDLICH mal wieder einer Licht in die verdunkelte Welt der Lyrik bringt, dann ist das doch nur gut. Wennschon dieses Bild eher verkehrt herum gezeichnet ist. Denn vielmehr verdunkelt Edek Rose die viel zu helle, grelle Welt der Lyrik und stellt sich als ein Autor dar, der es wagt, ohne Rücksicht auf Verluste frech und provokant seine Gedanken auf ein Papier zu rotzen, das lange Zeit viel, viel zu sauber war.

Ich kenne die Biografie von Edek Rose nicht in Gänze. Allerdings lässt er in seinen Texten nicht nur eine intellektuelle Tiefe durchschimmern, sondern haucht auch ein „Ich weiß, wovon ich rede“ zwischen den Zeilen, etwa da, wo er von Vergewaltigungen und Missbrauch redet. Ein gebeutelter Mensch, der seine Zurückhaltung einer Erfahrungswelt entnimmt, die alles andere als „schön“ gewesen zu sein scheint.

Und wenn man von dieser, einer grauschwarzen, Vergangenheit ausgeht, machen sich seine Texte plötzlich erst recht verständlich. Da zeigen sich die Wut und der Hass und die Abrechnung mit dem Leben, mit den Menschen, wie sich auch die Zuneigung zeigt, die Liebe, die Reste eines Urvertrauens und die Hoffnung, die, wie wenige Dinge in diesem Buch, zuletzt stirbt.

„Schwanenhalsbrücke“ … ein Buch, das für mich persönlich ein absolutes Highlight ist. Und sein Autor macht mich wünschen, dass da noch viel, viel mehr kommt.

Finger weg von der Taschenlampe. Der Genuss des Lichts kommt im Dunkel. „Schwanenhalsbrücke“ packt die LeserInnen und entführt, kidnappt, hijackt und zwingt, die Augen offen zu lassen auf einem rasanten Trip durch die Abgründe des menschlichen Seins.“

„Schwanenhalsbrücke“ kann in unserem Onlinestore bestellt werden. Herzlichen Dank!

Bildnachweis: Stef Schmidt
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Edition Outbird: eine Verlagsvorschau 2020

Mit einer Verlagsvorschau dürfen wir an dieser Stelle in Kurzform unsere große Freude ob des bevorstehenden Verlagsprogrammes mit Ihnen teilen, an dem wir bereits eifrig arbeiten:

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1. Quartal

Dirk-Boris Rödel „„Liber Thanatamor – Das Buch von Tod und Liebe““: Dirk-Boris Rödel führt den Leser in siebzehn magischen Kurzgeschichten in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges, wo ein mordgeübter Landsknecht auf ein sterbendes kleines Mädchen trifft, zu einer Sippe von Steinzeitmenschen, die sich am Rande eines Moores von einer furchteinflößenden Hexe Beistand gegen übermächtige Angreifer erflehen, und immer wieder in tiefe Wälder, in denen der Leser auf Hexen, Geister, Einhörner und schließlich sogar auf Erlkönigs Tochter trifft. Die Magie-durchtränkten Geschichten pendeln stets zwischen den beiden großen Polen Tod und Liebe – mal schlägt das Pendel zur einen, mal zur anderen Seite aus. Und manchmal werden Tod und Liebe eins …

M. Kruppe hat es wieder getan. Mit dem Prosa- und Gedichtband „Geschichten vom Kaff der guten Hoffnungen“ präsentiert der Thüringer Autor und Rezitator ein weiteres Sammelsurium aus schrägen Gestalten, die die Ränder der Gesellschaft tangieren, seziert vermeintlich alltägliche Situationen und legiert seine Beobachtungsgabe mit zuweilen deutlicher Kritik am Konstrukt Gesellschaft. Eindringlicher noch ist er geworden, und auch seine Poesie hatte Zeit zu reifen. Kruppes Lektüre geht nicht einfach vorüber, sie geht in die Tiefe. Und Kruppe wäre nicht Kruppe, würde er seinen literarischen Weg, seine Lesungen, nicht stets mit einer Prise schrägem Humor garnieren.

René Porschen wirft mit „Kokon“ eine sprachgewaltige Anderswelt unter uns: Ganz unerfahren mit der Verantwortung, nun etwas sein zu müssen, überfordert, sucht das denkende Ding den Sinn des Lebens irgendwo zwischen herbstfeuchtem Laub und solipsistischen Tagträumereien. Noch weiß er nicht, dass das Schicksal auch mit ihm nichts größeres vorhat als mit all dem anderen Tand, der aus den Baumwipfeln stürzt und so kommt die kosmische Hybris doch kaum weiter als von einer Wurzelknolle zur anderen. Die Welt des Kokons ist nicht die unsere…

2. Quartal

Lisa Swietek (Hrsg.) „Geschichten aus einer anderen Welt“: Texte aus der literarischen Arbeit Lisa Swieteks im Maßregelvollzug und damit aus einer anderen Perspektive. „Geschichten aus einer anderen Welt“ knüpft an Corina Gutmanns „Kopfkino“ an.

Benjamin Schmidt „Schon immer ein Krüppel“: Schon immer ein Krüppel“ erzählt von surrealen Begegnungen in der Psychiatrie, von Sex im Rollstuhl, geistiger Barrierefreiheit und vom „Umgang mit gesunden Menschen“. Schauplatz ist das Leben selbst, das Innenleben eines traurigen Protagonisten, der jeden Atemzug in Frage stellt, versunken in seinen ganz eigenen Unzulänglichkeiten. Nun erscheint die Neufassung des schwarzhumorigen Jugendromans, die uns einen ganz neuen Blickwinkel auf das Leben eines Jungen gewährt, der sich aufgrund eines tragischen Schicksalsschlages komplett neu zu erfinden sucht. In der Filmbranche würde man von „Deleted Scenes“ sprechen, die aber in diesem Fall weit mehr als Bonusmaterial darstellen, viel eher die Essenz dieser Geschichte pointieren.

Christian Mahlow „Die Walin“: Die Walin erzählt vom einsamen und absurden Kampf eines Mannes um das Überleben eines Zwergwal-Weibchens. Der zurückgezogene Mann hatte die Walin schon viele Male im Ozeanarium bewundert, als sie eines Morgens plötzlich in seinem Wohnzimmer liegt. Fieberhaft bemüht er sich, Hilfe zu holen. Seine verzweifelten Bemühungen sind ein Grenzgang zwischen unerfüllter Liebe, Schuldgefühlen und Selbsterkenntnis.

Oliver Teetz „Sirenengesänge“: In seinen Geschichten leuchtet Teetz die Außengrenzen unserer Gesellschaft aus. Subkulturen, Randfiguren, Gescheiterte und Querköpfe bebildern seine manchmal liebevolle, manchmal rotzige Detailverliebtheit, die bald wieder ins schnoddrig Nachlässige gerinnt. Oliver Teetz sammelte viele seiner Beobachtungen und Erfahrungen in seinem Engagement für Geflüchtete, gegen Polizeigewalt und in seinem Engagement bei Theater- und Kurzfilmproduktionen.

Gerry X „Dilemma Nullzone“: … den Windungen der Imagination folgend, die nun mal allein die realen Dinge schafft … – Das sagte der Surrealist Andre‘ Breton im Jahre 1929. Und Dilemma Nullzone ist surreal. Genauer: der Roman – der kaum herkömmlichen Erzählformen folgt- ist ein prosaisches Manifest des surrealen Dadaismus. Die Protagonisten sind gefangen in einer ewigen Gegenwart. Becket‘s Godot taucht auf und enttäuscht. Dostojewski‘s Sonja aus „Schuld und „Sühne veranlasst die Bagagge sich auf den Weg zu machen um die Freiheit zu finden. Die Nullzone wir bereist…

Lars Hannig „Die phantastischen Fälle des Robert Fuchs“: Vernia im Jahr 1917 – Robert Fuchs und sein junger Gehilfe Emil leben in der Industriestadt Brasston. Der Winter ist hart, das Geld knapp. Da kommt ihnen der Fall des verschwundenen Blackwell-Sohns gerade recht. Auf dem Landgut des Schreibgeräte-Moguls sind die Ermittlungen ins Stocken geraten. Fuchs ahnt nicht, dass dieser Fall zum Wendepunkt seines Lebens werden wird. Als ihm alte Aufzeichnungen in die Hände fallen, drängt sich ihm eine Frage auf, die sein rationales Weltbild auf den Kopf stellt: Hatte sein entlassener Vorgänger doch recht und es existieren im Geheimen leibhaftige Monster? Eine solche Wahrheit birgt neue Probleme, denn sein Klient erwartet eine bodenständige Erklärung, bevor er zahlt. Ein Detektivroman in der Tradition von Edgar Allan Poe und H. G. Wells, erzählt in sieben übernatürlichen Fällen.

3. Quartal

Mona Krassu „Falsch erzogen“: Solveig Eckstein hat viele Träume. Zum Beispiel, eine herausragende Schauspielerin zu werden. Sie ist ein hübsches und intelligentes Mädchen. Sie liebt Gedichte, liest, wenn andere Kinder spielen. Aber sie wächst in der DDR auf. Was passiert in einer Diktatur mit Kindern, die schon als Schüler nicht ins sozialistische System passen? Weil sie die Songs von Udo Lindenberg toll finden? Weil sie frei leben wollen? Die Genossen und Funktionäre in der DDR haben Ihre Methoden. Sie nutzen auch die Mittel der Medizin, wenn es darum geht, junge Menschen auf Linie zu bringen. Wie Mädchen und junge Frauen in den sogenannten Tripperburgen gedemütigt und misshandelt wurden, war unfassbare Realität in diesem Land. Im Roman „Falsch erzogen“ erzählt Mona Krassu die Geschichte eines dieser Mädchen.

Tami Weissenberg „Weg ins Leben“: Die Fortsetzung von Darjeeling Pur nimmt die Leserschaft mit auf einen Weg, welcher in ein neues und völlig unbekanntes Leben führt. Jede mögliche und und unmögliche Chance wurde ergriffen – um zu vergessen, zu wachsen, zu begreifen und zu flüchten. Der Preis dafür scheint bis heute hoch, manchmal gar unbezahlbar. Doch selbst dem Unvernünftigen sollte man am Ende mit Vernunft begegnen, sonst wäre es ein Verrat an der Vernunft.

4. Quartal

Roland Spranger, preisgekrönter Krimiautor und Theaterregisseur aus Hof, wird in der „Edition Outbird“ Short Stories und Erzählungen veröffentlichen. Er bleibt zwar dem Krimigenre verhaftet, verlässt aber das Romanformat und begibt sich in dunklere Gefilde.

Manuela Staschke-Sautter begibt sich in ihren beklemmenden Miniaturen in die Welt der menschlichen Psyche. Sie zeichnet in ihren Erzählstücken Gefühlslandschaften von Depression, Narzissmus, Borderline, Magersucht oder drogeninduzierten Psychosen und bildet damit ein Draufsicht auf die Vielfalt psychischer Grenzgänge nach. Nicht zuletzt, um den bis heute tabuisierten Themenkomplex psychischer Erkrankungen in die Öffentlichkeit zu tragen und zur Diskussion anregen zu können.

Bis zur letztendlichen Veröffentlichung eines Buches sind immer noch Änderungen in Inhalt, Titel und Erscheinungsdatum möglich, und auch der Überblick über kommende Veröffentlichungen ist immer in Bewegung. Wir bitten Sie, dies zu berücksichtigen, gern an unserer Arbeit dranzubleiben und wünschen Ihnen ein fesselndes Lesejahr 2020.

Bildnachweise: Edition Outbird, Franca Bartholomäi
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Herzlich willkommen: Edek Rose

Wir heißen in unseren Reihen herzlich Edek Rose willkommen, der mit einer Sammlung rauher, bissiger, gewaltiger, verstörender, substantieller, kritischer Texte irgendwo zwischen Prosa und Lyrik und irgendwo im Spannungsfeld Baudelaires aufwartet, die sich beim Lesen festsetzen und nicht wieder loslassen. Sein Stoff schlägt in die Magengrube, elektrisiert und bügelt unsere Sichtweisen gegen den Strich.

Wir haben die Freude, gemeinsam mit ihm Anfang 2020 sein erstes Buch zu realisieren.
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