„Inklusiv bedeutet ja nur, die Vielfalt und Heterogenität unserer Gesellschaft als grundlegend wahrzunehmen.“ – Benjamin Schmidt im Interview zu „Schon immer ein Krüppel“

„Unlängst erschien in der „Edition Outbird“ mit Buch #33 Benjamin Schmidts neuaufgelegter, aktualisierter Roman „Schon immer ein Krüppel“ (aktuell im Verlagsshop mit gratis Postkartenset erhältlich). Wie der Titel erahnen lässt, handelt es sich um Benjamins ureigene Auseinandersetzung mit dem Tag Null, ab dem er vor der Herausforderung stand, sich als nunmehr Querschnittsgelähmter in dieser Welt zurecht zu finden. In einer Welt, in der plötzlich jede Menge – innere wie äußere – Barrieren auftauchten, von der man als gesunder Mensch oftmals nichts mitbekommt. Möglicherweise, weil man sie ausblendet.

Benjamin, was war damals der Grund, überhaupt dieses Buch zu schreiben? Ein Ventil? Sensibilisierung?

Während meiner Rehabilitation hatte ich das Gefühl, dass Selbstbetrug für viele eine anerkannte Methode zur Verarbeitung einer Behinderung darstellt. Ich schreibe, wenn ich eine Geschichte habe, und Geschichten hatte ich damals viele. Zu erleben, was ich während dieser Zeit erlebt habe, hat ja nun nicht gerade jeder das Vergnügen. Außerdem war ich oft einsam, hatte viel Zeit zum Nachdenken … besondere Lebensumstände, Einsamkeit und Raum für die eigene Gedankenwelt, wann wäre der Zeitpunkt besser, ein Buch zu schreiben? Warum es gerade dieses Buch werden sollte? Meine Methode, diese besonderen Umstände zu verarbeiten war Selbstreflexion. Ich habe meine Gedanken dazu in dieser Geschichte ein Stück weit offengelegt und nachvollziehbar gemacht. Ich wollte nichts mehr schönreden, dabei aber die Schönheit nicht außer Acht lassen. …“

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Das gesamte Interview finden Sie in unserem Onlinemagazin „Outscapes„.

Bildnachweis: Emily Schmidt, Edition Outbird
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Neu erschienen: Benjamin Schmidts „Schon immer ein Krüppel“


Vor wenigen Tagen ging Benjamin Schmidts grundlegend überarbeiteter, um exklusive Szenen ergänzter und mit Illustrationen von Franziska Appel verfeinerter Roman „Schon immer ein Krüppel“ aus der Druckerei bei uns ein. „Schon immer ein Krüppel“ ist schonungslos, bisweilen verstörend offen und zeigt seinen LeserInnen auf, wie schnell das eigene Leben ganz anders aussehen kann und wieviel Kraft, Zuversicht und Arbeit es mit sich bringt, sich als nunmehr körperlich behinderter Mensch mit all den hinzukommenden neuen Herausforderungen zu arrangieren. Ganz nebenbei zeigt Benjamin Schmidt Einblicke in seine Jugend, seine Szene und sein verletzliches Wesen auf.

Die ersten BestellerInnen erhalten zum Roman kostenlos ein Kunstpostkartenset dazu; das Buch ist hier in unserem Verlagsshop zu finden. Wir wünschen berührende Lesemomente!
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Zum Aktionstag Behinderung: Unsere Inklusionstitel

Anlässlich des heutigen „Europäischen Aktionstages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“ – kurz: „Aktionstag Behinderung“ – dürfen wir auf unsere Verlagstitel hinweisen, die sich dem Themenkomplex der Inklusion, und damit über gleichberechtigte Teilhabe und Selbstbestimmung körperlich beeinträchtiger Menschen hinaus, widmen. Belletristik, die sich vielfältig und spannend Erlebenswelten und Stoffen um Blindheit, Depression und Psychiatrie (Jennifer SonntagSeroquälmärchen„), häusliche Gewalt gegen einen Mann (Tami WeissenbergDarjeeling Pur„), Inhaftierte (Corina GutmannKopfkino„), Sexualität und Behinderung (Franziska Appel & Benjamin SchmidtFuck[dis]Ability“ oder inkomplette Querschnittslähmung (Benjamin Schmidt „Schon immer ein Krüppel„) widmet.

Neben diesen bereits erschienenen Titeln sind für dieses Jahr zwei weitere in Vorbereitung: „Geschichten aus einer anderen Welt“ von Herausgeberin Lisa Swietek mit Texten Inhaftierter aus der Sicherheitsverwahrung sowie „Grenzverluste“ von Manuela Staschke-Sautter, einer Kurzgeschichten- bzw. Stilllebensammlung psychischer Erkrankungen und Konfliktherde. Die Kurzbeschreibung beider Bücher können Sie diesem Link entnehmen.

Mit dem Kauf und der Lektüre dieser Bücher bekommen Sie nicht nur fesselnde Einblicke in Romanstoffe, Prosa und Lyrik, die nach wie vor eine gesellschaftlich vernachlässigte Wahrnehmung erfahren, Sie unterstützen damit auch direkt deren AutorInnen. Unter diesem Link gewinnen Sie eine Übersicht über unsere Inklusionstitel im Verlagsshop – wir freuen uns, Sie als neue LeserInnen begrüßen zu können!
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Aktuelle Besprechungen und Resonanzen

Einmal mehr gibt es zahlreiche Buchbesprechungen und Presseresonanzen der letzten Wochen zu vermelden, für die wir uns ganz herzlich bedanken möchten:

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René PorschensKokon

Vanessa-Marie Starker schreibt:

„Der Surrealismus umfasst ein breites künstlerisches Spektrum, welches sich auf besondere Weise mit dem Unterbewussten, Träumen und Visionen auseinandersetzt. Jedoch ohne erklärende Wege für eine Reise durch dieses bunte Gewirr aus Sinnen und Sinneswahrnehmungen vorzugeben. Vielmehr stehen sie als eine Art Ausgangsbasis für künstlerische Produktionen. Diesem Leitfaden folgend, entführt das Debüt des Erfurter Literaturwissenschaftlers René Porschen den Leser in eine fraktale Anderswelt, in der man in die phantastischen Träumereien und die Hybris eines Wesens eintaucht, welches eigentlich gar nicht existieren dürfte und somit der wirren und widersprüchlichen Existenz selbst den Spiegel vorhält.

Da im Roman Phänomene außerhalb des Erkenntnishorizonts thematisiert und verschiedene Erkenntnisfragen angesprochen werden, lässt es sich grob als phantastische Literatur bezeichnen. Auch, wenn es sich einer genauen Genrezuordnung weitestgehend entzieht.

[…]

Porschen erzählt diese Geschichte mit einer ausgesprochen exzentrischen Sprachmalerei und Liebe zum Detail. Teilweise sind die Worte, die er dabei wählt, so ausschweifend und blumig, dass der Inhalt für einen kurzen Moment in den Hintergrund tritt, um der Schönheit der Sprache Raum zu machen.“

Hier geht es zu den kompletten Rezensionen.

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Dirk-Boris RödelLiber Thanatamor – Das Buch von Tod und Liebe„:

Manuela Hahn schreibt für ihr Bücherblog „Lesenswertes aus dem Bücherhaus“:

„Bald schon hielt ich das Buch also in Händen, ein Buch dessen Cover an lang vergessene magische Dinge erinnert, ganz in Gold und Blau gehalten könnte es in Leder gebunden in der Bibliothek eines Magiers oder Alchimisten stehen, gestaltet wurde es von Holger Much.

Aber jetzt sollte ich allmählich zum wesentlich kommen, den Geschichten. Nach fast jeder Geschichte hatte ich den Gedanken: Das ist meine Lieblingsgeschichte oder doch die davor?

Ich kann mich nicht entscheiden, ob Der Waldmann und die Vogelscheuche in der ein Geschöpf des Waldes und eine durch Zufall zum Leben erweckte Vogelscheuche über die Vergangenheit, die Gegenwart und das Leben an sich sinnieren oder ob es nicht doch das Einhorn von Magdeburg ist, in der ein Söldner, der skrupellos mordet und vergewaltigt bei der Begegnung mit einem kleinen Mädchen erkennt zu was für einem Menschen er geworden ist.

[…]

Ich vergebe für das Buch eine absolute und uneingeschränkte Leseempfehlung.“

Hier geht es zu den kompletten Rezensionen.

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Edek RoseSchwanenhalsbrücke„:

Manuela Ausserhofer schreibt im „Orkus“-Magazin:

„„Edek Rose ist ein ungewöhnlicher Mensch. Der Schriftsteller mit amerikanischen Wurzeln ist außerdem Performance-Musiker und Lyriker. Über Edition Outbird präsentiert er nun seit schriftstellerisches Debüt. „Schwanenhalsbrücke“ gleicht einem schreiendem Fiebertraum, einer Explosion der Gefühle. Rose verarbeitet darin seine psychischen Erkrankungen und lässt tief in seine Abgründe blicken. Er verletzt sich selbst und überschreitet Grenzen, die ihm auferlegt wurden und die sich falsch anfühlen. Auf rund 140 Seiten dürfen wir blutgetränkte Lyrik, Gedichte und Gedanken voller Schmerz, Wut und Hoffnungslosigkeit. Der mit seiner Frau in Nürberg lebende entführt den Leser in seine wirren, bizarren Gedanken und dabei schafft er es, künstlerisch anmutende und erschreckende Landschaften zu zeichnen. Ein Manifest für die geschändeten Seelen. So schmerzhaft authentisch, dass beinahe allein schon seine Worte beim Lesen körperliches Unbehagen auslösen. Wer auf traurig-schöne Texte im Stil von Goethes Erben oder Lacrimosa steht, sollte hier auf jeden Fall reinlesen. Achtung! Der Stoff kann jedoch triggern! Beeindruckend!“

Hier geht es zu den kompletten Interviews und Rezensionen.

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Franziska Appel und Benjamin SchmidtFuck[dis]Ability„:

Matthias T. J. Grimme schreibt im „Schlagzeilen“-Magazin:

„Dieses Büchlein ist anders. Erotische Kurzgeschichten ausgeschmückt mit sinnlicher Malerei. Eine Einladung zu lustvollen Atemzügen und berauschenden Augenblicken um sich einmal fernab von abgedroschenen Lesegewohnheiten wieder zu finden. Schönheit, Sinnlichkeit und Sexualität erleben ist für jeden Menschen anders. Behinderte Menschen sind da keine Ausnahme. Eine Ausnahme ist jedoch die literarische Beschäftigung mit dem Thema. Ja, auch Behinderte haben erotische Gefühle, ein Sexualleben und auch hier geht es ganz schön heftig zur Sache.

Ein Tabuthema für viele, leider. Ich hingegen finde es eher seltsam, wenn Menschen sich darüber überhaupt Gedanken machen. Nun, das mag vermutlich daran liegen, dass ich schon in jungen Jahren durch den Beruf meiner Mutter viel mit Behinderten in Kontakt gekommen bin und somit sich küssende Rollstuhlfahrer für mich nichts Abnormales darstellten.

Umso schöner ist dieses kleine, feine Büchlein. Die Geschichten sind traurig, romantisch verspielt, alltäglich, lustig oder manchmal auch einfach nur richtig heiß.

Hier gibt es keine Moralpredigten oder halbgare Aufklärungsversuche zum Thema Behinderungen. Aus einem anderen Blickwinkel wird hier die wohl schönste Nebensache der Welt wunderbar, teilweise schonungslos offen, jedoch immer stilvoll erzählt.“

Hier geht es zu den kompletten Rezensionen.

Empfehlung und Dankeschön: „DreckSack – Lesbare Zeitschrift für Literatur„:

Herausgeber Florian Günther veröffentlicht in seinem durchweg spannend zu lesenden, nonkonformen „DreckSack“-Magazin immer wieder Besprechungen und Textauszüge zu und aus in unserem Verlag erschienenen Büchern. Im aktuellen Heft 40, 2 / 2020, gibt es unter anderem einen Auszug aus Klaus MärkertsDas Besondere kommt noch„. Dafür dürfen wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken und zugleich eine Empfehlung aussprechen. Abonnieren Sie diese Zeitschrift, wenn Sie Literatur, Fotoästhetik und Gesellschaftskritik jenseits des Mainstreams lieben.

Hier geht es zur Website.

Und natürlich können die anzitierten Feedbacks nur einen Teil abbilden. Die einzelnen Buchbesprechungen entnehmen Sie bitte dem Menüpunkt „Rezensionen & Buchvorstellungen“ in der linken Menüleiste (Cursor draufhalten, Autoren klappen auf, danach Cursor auf Autor halten und Buch auswählen).

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Stay home? Gute Unterhaltung!

In der derzeitigen Quarantäne-Zeit eröffnet sich mit dem Zeitgewinn ein anderer Zugang zu Literatur und deren (positiven) Auswirkungen auf unser Wohlbefinden. Grund genug, die Aktivitäten einiger unserer AutorInnen abseits ihrer überaus lesenswerten Bücher vorzustellen:

Schon eine Weile her, ist Dirk Bernemanns & Fabio La Delias Podcast „Untendurch“ mit Studiogast Benjamin Schmidt sehr hörenswert, spricht er nicht zuletzt über seinen Suizidversuch vor Jahren, aus dem eine inkomplette Querschnittslähmung samt „Nullung“ und neuem Lebensmut resultierte, über Depressionen und den Blick hinter menschliche Fassaden, aber auch über seine künstlerischen Umtriebe in Musik und Literatur. Der Mitschnitt geht eineinhalb Stunden und ist in Gänze hörenswert.

Eine klare Leseempfehlung sprechen wir für Michael Schweßingers Kolumne „Abzeitz vom Westen“ aus: Wer von Michael Schweßingers Büchern nicht genug bekommt und seinen Erzählstil zwischen lakonisch und bissig, schräghumorig und philosophisch liebt, der ist mit besagter Kolumne bestens versorgt, in der er über seinen neuen Lebensmittelpunkt in der Kleinstadt Zeitz berichtet. Hier gehts zu Teil 1, Teil 2 und Teil 3 entlang.

Nicht unerwähnt lassen wollen wir außerdem M. Kruppes brandneuen „Steady“-Account. Wer die Arbeit unseres umtriebigen Verlagsfreundes, Autoren und Veranstalters M. Kruppe unterstützen und an ebenseinem Schaffen mit einer feinen Auswahl exklusiver Literaturkultur teilhaben möchte, findet auf seinem unlängst viral gegangenen Profil bei „Steady“ diverse Pakete zur Auswahl.

Bildnachweis: M. Kruppe
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„Fuck[dis]Ability“: Coverthema & umfassende Rezension im „Caput“-Magazin

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Wir bedanken uns herzlich bei der Redaktion des international erscheinenden Sozial-, Reportage- und Lifestyle-Magazins „Caput„, welches Franziska Appels und Benjamin Schmidts aktuellem Buch „Fuck[dis]Ability“ ihr Cover sowie eine umfassende Besprechung gewidmet hat und so freundlich war, uns diese zur Verfügung zu stellen. Zitat:

„… „Fuck[dis]Ability“ gliedert sich in 17. Akte, die alle eine Kurzgeschichte darstellen und es vom ersten Moment an verstehen, ein Fenster zu den Lüsten, Begierden und Sehnsüchten seiner Protagonisten zu öffnen – ohne dabei die malerische Kraft der Sprache zu verlieren.

[…]

Die Geschichten sind, neben ihrer sprachlichen Ausdruckskraft, jeweils mit lustvollen Schwarz-Weiß-Bildern von Franziska Appel llustriert und bilden so ein ganzheitliches, erotisches Kunstwerk. …“

Hier geht es zur ausführlichen Besprechung, unter diesem Link finden Sie weitere Resonanzen zum Buch. Und wer die beiden neben weiteren AutorInnen life erleben möchte, findet dazu unter anderem in unserem Literarischen Salon am 14. 03. 2020 in Leipzig Gelegenheit.
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Aktuelle Besprechungen und Resonanzen

Zahlreiche Buchbesprechungen und Presseresonanzen kamen in den letzten Wochen bei uns rein, für die wir uns ganz herzlich bedanken möchten:

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Pia LüddeckesGeister

Susanne Agnes Fauser schreibt:

„Ich habe das Buch nicht mehr aus der Hand gelegt, bis ich es zu Ende gelesen hatte! Das Buch besitzt den Drive, einen alles um sich herum zu vergessen zu lassen und einfach abzutauchen in Toms Welt. Spannend. Düster. Voller Geheimnisse.

[…]

Was ich an dem Buch ebenfalls sehr mochte, ist die Sprache, die einen mit sich trägt wie ein Fluss – die Worte malen Bilder, so dass man alles vor sich sehen kann wie in einem Film. Und das Cover ist ebenfalls etwas ganz Besonderes und passt sehr gut zu diesem Werk. Ich freue mich schon auf Lüddeckes nächstes Buch, das ich mit Sicherheit lesen werde.“

Hier geht es zu den kompletten Rezensionen.

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Michael HaasDie Augen meiner Tochter„:

Ein Leser schreibt:

„Die Liebe und Wertschätzung, die der Ich-Erzähler seinem Kind und seiner Frau entgegenbringt, möchte man nach der Lektüre einem jeden Menschen wünschen und auch sein eigenes Handeln danach ausrichten. Wer liebt, muss nicht daran erinnert werden, zu lieben. Aber Aufmerksamkeit und Wertschätzung seinen Nächsten gegenüber gehen im Alltag oft unter. Michael Haas zeigt uns die Wichtigkeit, jeden Tag daran zu denken und dem eigenen Leben und Handeln die richtigen Prioritäten zu geben. Eine fantastische schöne Erzählung, die in Erinnerung bleibt.“

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Michael SchweßingerIn Buxtehude ist noch Platz„:

Das „Frizz“-Magazin fragt im Imterview:

„…Sie sind einer der wenigen mir bekannten dauerschreibenden Autoren, die auch noch einem Brotberuf nachgehen – sogar als Bäcker. Ist echte Arbeit gut fürs Schreiben oder hemmt die Erfahrung in der Realwelt den literarischen Fluss? Wie sehen Sie das?

Meine Erzählungen sind ja meistens an meine Erlebniswelt gekoppelt, also für mich ist Literatur ohne meine Erfahrungen nicht möglich. Ich sehe einen Ausschnitt der Wirklichkeit und schreibe darüber, um ihn mir selbst zu verdeutlichen oder auch um Geschichten zu erzählen, die oftmals von Menschen handeln, die sonst in der Literatur nicht so auftauchen.

Alleine anhand meiner Erlebnisse in den Bäckereien quer über den Kontinent, könnte ich eine Geschichte der Migration schreiben. Ich komme gerade aus Norwegen zurück, da arbeitete ich mit einem Franzosen, der mit seiner Frau aus Südfrankreich geflohen war, weil ihnen in Marseille als Muslime der Hass zu groß wurde. Das sind keine Figuren von Remarque aus den 20er Jahren, sondern das ist die europäische Realität 2019. …“

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Klaus MärkertDas Besondere kommt noch„:

Das Geraer „07Stadtmagazin“ schreibt:

„„… Kapitel für Kapitel springt er durch die Jahrzehnte, reiht mit oftmals schwarzem Humor und in lakonischer Sprache vielfach grotesk anmutende Episoden aneinander, die sich erst allmählich – einem Puzzle gleich – ineinander fügen. […] Herausgekommen ist eine humorvolle Betrachtung des alltäglichen kleinen Scheiterns.“

Franziska Appel schreibt:

„„Bei Märkerts autobiografischem Werk handelt es sich nicht um einen autobiografischer Roman im herkömmlichen Sinne. Es ist eine mehr oder weniger lose Abfolge von 30 Erzählungen aus dem Leben des Autors. Insgesamt bietet „Das Besondere kommt noch“ eine dunkelbunte Mischung aus Alltagsbetrachtungen, die durch Märkerts trockenen Sound – seinem Nachthumor – aus ihrer vordergründigen Banalität gerissen werden und so eine andere Perspektive verliehen bekommen. Und da auch wissenschaftlich gemeinhin angezweifelt wird, dass die Zeit linear verläuft, muss sich natürlich auch der Autor in seinem Buch nicht an diese rein subjektiv empfundene Abfolge der Ereignisse halten. Dieses Werk erinnert mehr an archäologische Grabungen im Leben des Autors, wo sich irgendwo zwischen Vergangenheit und Zukunft „Das Besondere“, „Mysteriös“, „Von Sinnen“, „Moderne Zeiten“ und „Das Schreiben und das Lesen“ immer wieder überlagern und der Albtraum schließlich zur Verheißung wird.“

Hier geht es zu den kompletten Rezensionen.

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Franziska Appel und Benjamin SchmidtFuck[dis]Ability„:

Die „Kobinet-Nachrichten“ schreiben:

„„… Die AutorInnen Franziska Appel und Benjamin Schmidt bieten mit „FUCK[dis]ABILITY“ eine lustbetonte Möglichkeit, Berührungsängste, hier im wahrsten Wortsinn, zu durchbrechen und sich an ein Themenfeld heranzutasten, welches auf diese Weise literarisch und illustratorisch bislang ungesehen, ungelesen blieb. Ich erlebe die künstlerische Annäherung der beiden an die Thematik „Sexualität und Behinderung“ als selbstbestimmt und empowernd. …“

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Christopher SappokBunker„:

Das „Outscapes“-Magazin fragt:

„… War und ist das Buch eine persönliche Spielwiese, ein Experiment? Und was genau war oder ist Deine Intention mit dem im Dezember erschienenen Buch?

Das war die ursprüngliche Intention: Krieg ich das hin, mal wieder einen echten Versroman zu schreiben, nach all den wirklich vielen Jahren, die es das auf Deutsch nicht mehr gegeben hat? Damit fing es an. Dazu kam dann das Experiment, das nur mit Dialog zu machen. Rhymes und Dialog, das sollte unter einen Hut gebracht werden und unter die Haut gehen! Die Story war erstmal nur Nebensache. …“

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Edek RoseSchwanenhalsbrücke„:

Das „Outscapes“-Magazin fragt:

„… Wenn man „Schwanenhalsbrücke“ aufschlägt und zu lesen beginnt, scheint der Stoff – so ging es mir zumindest – wie ein Sog, der dich ad hoc in einen Abgrund reißt, in dem du zunächst weder siehst noch hörst, wo du hingeraten wirst. Einzig ein Gefühl breitet sich aus, dass nicht recht beschreibbar ist. Gibt es etwas, was du mit deinen Texten auslösen willst und wenn ja was?

Ich spreche natürlich nicht für andere Menschen, die in irgendeiner Form mit ihrem Leben abgeschlossen haben. Ich wünsche mir natürlich, dass meine Freunde und Familie verstehen können, welche Bilder meine Seele beherrschen, wenn ich mir wünsche nicht mehr zu existieren. Vielleicht kann mein Buch anderen Angehörigen psychisch kranker Menschen die Möglichkeit geben wenigstens mehr Verständnis zu zeigen, anstatt prekäre Situationen durch selbst auferlegte soziale Versagensängste zu verschlimmern. Meine Gedichte stammen aus einer Welt, in welcher charakterschwache Individuen nicht aufhören können, schlechte Entscheidungen zu treffen, weil sie für ihre abartigen Taten so lange belohnt werden bis sie den eigenen Bezug zur Realität verlieren. Tiermetaphern durchziehen mein Werk, die eine sich selbst kannibalisierende Natur zeigen, deren zerrissene Oberflächen alles Lebende verschlingt. Vom unsauber entfernten Fötus bis zum pädophilen Massenmörder: Ihre von der unbarmherzig rasenden Zeit zerfressenen Körper sickern in das exakt selbe Vakuum; in dieser Welt bin ich ausgebeuteter Zeitarbeiter, misshandelte Frau, gewaltsüchtiges Kind und jeder von ihnen teilt einen bestimmten gemeinsamen Weltschmerz, der in meinem Kopf in jedem ruhigen Moment Amok läuft. …“

Hier geht es zu den kompletten Interviews und Rezensionen.

Weitere Feedbacks gibt es zu Michael Schweßinger und zu unserem Verlag auf der Leipziger Buchmesse 2020:

Die „Mitteldeutsche Zeitung“ schreibt:

„Wort und Klang – so nennt sich die Veranstaltungsreihe, die Michael Schweßinger und seine Mitstreiter seit anderthalb Jahren in Zeitz anbieten. Der Name ist Programm: Einmal im Monat tritt ein Liedermacher oder eine Band auf, kombiniert mit einer Autorenlesung. Zuletzt las Schriftsteller Schweßinger Anfang Dezember selbst aus seinem Werk, zusammen mit den Autoren M. Kruppe und Ulf Torreck, die die Reihe über einen Verein gemeinsam veranstalten.

[…]

„Wir haben hier sehr positive Erfahrungen gemacht“, sagt Michael Schweßinger in Hinblick auf die Kulturreihe. Etwa 40 Besucher kommen jeweils zu den Veranstaltungen, die jedes Mal Musik und Literatur verschiedener Genres bieten. Damit ist Schweßinger recht zu zufrieden, in Leipzig sei es auch nicht so einfach, so viele Leute zusammen zu bekommen. Auch die Finanzierung auf Spendenbasis funktioniere gut. Für eine kleinformatige Kulturveranstaltung nicht selbstverständlich, findet der Autor. …“

Hier geht es zum kompletten Artikel.

Die Ostthüringer Zeitung schreibt:

„Viele der Autoren sind in der Subkultur verwurzelt“, sagt Rosenkranz. Wachsend sei auch die Fantasy-Sparte. „Druckfrisch können wir hoffentlich René Porschens Roman „Kokon“ vorlegen. Der Erfurter unternimmt eine Reise in ein schräges Paralleluniversum.“ Edition Outbird ist zum vierten Mal auf der Messe. […] Das dritte Jahr in Folge veranstaltet Edition Outbird den Literarischen Salon, in dem Autoren lesen. Er öffnet am 14. März in der Galerie Kunstraum 16 Connewitz, Werk 2, Beginn 19.30 Uhr.“

Hier geht es zum kompletten Artikel.
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„Sexualität ist so vielfältig und wandelbar wie die Menschen selbst.“ – Interview mit F. Appel & B. Schmidt zu „Fuck[dis]Ability“

Von Benjamin Schmidt und Franziska Appel erschien vor wenigen Tagen der illustrierte Erzählband „Fuck[dis]Ability„, der in vielen Facetten die Erlebenswelt behinderter Menschen bebildert, ihrer Lust, Begierde und Sexualität einen spannenden und – wie wir finden – bislang völlig unterbelichteten Resonanzraum gibt:

„… In euren Notizen zum Interview habt ihr beide Ursula Egglis „Herz im Korsett“. Seht ihr in diesem Themenfeld literarischer Aufarbeitung psychischer oder physischer Behinderung ein bisheriges Brachland?

Benjamin: Es kommt eben immer darauf an, wie. Aufarbeitungen gibt es ziemlich viele, aber wenig überzeugende. An Ursula Eggli gefiel mir die ungehemmte Ehrlichkeit, die so natürlich rüberkommt. Ihre Schreibe ist einfach so bescheiden offenherzig, das finde ich gut.

Franziska: Neben Literatur gibt es noch einige gute andere Formate wie Blogs, Podcasts etc. Es gibt da eine ganze Reihe an spannenden Menschen und Formaten, die in diesem Themenbereich sehr aktiv sind: Raul Krauthausen, Kübra Sekin, Ypsilon, 100percentme, PsychCast, sexabled, … Solche Formate bieten vor allem in Bezug auf Barrierefreiheit einige Vorteile gegenüber einem gedruckten Buch und sind so für Menschen mit den verschiedensten Behinderungen zugänglich. Sie sind aber auch Leuten zu empfehlen, die sich mit dieser Thematik bisher noch nicht intensiver auseinandergesetzt haben, da viele grundlegende Fragen aufgegriffen werden. …“

Buch im Verlagsshop: Bitte Cover anklicken.

Das gesamte Interview finden Sie in unserem Onlinemagazin „Outscapes„.

Bildnachweis: Franziska Appel, Edition Outbird
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Neu erschienen: Fanziska Appels & Benjamin Schmidts „Fuck[dis]Ability“

Das ein oder andere Bücherherz wird es schon vernommen haben, dass es in unserem Verlagsprogramm einen neuen, hinsichtlich der Thematik auf dem Büchermarkt bislang stiefmütterlich vernachlässigten Titel gibt. Franziska Appel und Benjamin Schmidt arbeiteten in den letzten Monaten mit viel Herzblut an dem illustrierten Erzählband „Fuck[dis]Ability„, der sich der sexuellen Erlebenswelt von Menschen mit Handicaps widmet. Frei von Tabus und Scheuklappen wird man als LeserIn rasch in eine Welt hineingezogen, die die Grenzen sexueller Normen auflöst und ganz nebenbei, neben den fesselnden Erzählungen und sensiblen Illustrationen, ein Wort für die sexuelle Selbstbestimmung behinderter Menschen wie auch der vielzitierten Inklusion spricht.

Das Vorwort für „Fuck[dis]Ability“ verfasste die Inklusionsbotschafterin, Autorin und Fernsehmoderatorin Jennifer Sonntag, die selbst, nicht zuletzt aufgrund ihres fehlenden Sehvermögens, seit vielen Jahren sehr engagiert für die Rechte von Menschen mit körperlichen oder seelischen Beeinträchtigungen eintritt.

Zitat:

„Ich erlebe die künstlerische Annäherung der beiden an die Thematik als hoch relevant, denn sie ist auch für mich ermutigend. Durch die beiden erfahre ich wertvolle Impulse zur selbstbestimmten Körperbildwahrnehmung und Erotikgestaltung von Menschen mit und ohne Behinderungen. Dabei betrachtete ich mich als alte Häsin auf diesem Gebiet. Seit nahezu zwanzig Jahren arbeite ich als selbst erblindete Sozialpädagogin mit blinden, sehbehinderten und ›anders‹ anderen Menschen.

[…]

„FuckDisAbility“ macht Einzigartiges und Eigenartiges spannungsvoll spür-, schmeck-, sicht-, erlausch- und erlebbar. Der Körper, der Geist, alles beginnt, sich neu zu verlieben, da ist diese Aufregung, etwas zu kosten, was sich jenseits abgedroschener Gewohnheiten entspinnt. Die Behinderung wird nicht als Einschränkung wahrgenommen sondern überhaupt erst als Möglichkeit betrachtet, einen Zugang zu echter erotischer Kreativität, tiefem Fallenlassen, wahrer Orgasmusfähigkeit zu schaffen. Viele vermeintlich freie Menschen erreichen das schwerlich, weil sie sich selbst nicht kennenlernen (müssen), keinen Weg der ehrlichen Kommunikation finden (müssen), keine echte Nähe aufbauen (müssen) und ihre inneren Lichtschalter nicht entdecken (müssen). Das Buch zeigt auf aufregende Art, was alles möglich ist und wer wir sein können, wenn der simple Weg mal nicht befahrbar ist. „Geht nicht“ gibt’s hier wirklich nicht.“

Jennifer Sonntags Vorwort finden Sie unter diesem Link, „Fuck[dis]Ability“ ist in unserem Verlagsshop erhältlich. Wir freuen uns über dieses neue, besondere Buch.
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Jennifer Sonntags Vorwort für Franziska Appels & Benjamin Schmidts „Fuck[dis]Ability“

Für den unlängst erschienenen Erzählband „Fuck[dis]Ability“ von Franziska Appel und Benjamin Schmidt, einem literarisch berührenden Augenöffner für die Welt der Begierde, Lust und Sexualität von Menschen mit Handicap, bedanken wir uns bei Jennifer Sonntag herzlich für ihr Vorwort:

Die Produktionsfirma hatte uns extra für den Dreh ein Ferienhaus mit Kamin und verheißungsvollem Tapetenrot gemietet. Themenschwerpunkt: Lebenslust, Sinnlichkeit, Kreativität. Na ok, das war die schöngeistige Variante. »Wie wir das mit dem Sex machen«, die ehrlichere. Da waren wir genau die passenden Figuren, bewegten wir uns in unserem Sein, Schaffen und Schreiben doch unverzagt in libidinösen Gestaltungsräumen. Auch wir Menschen mit Blessuren, mit Lebenslaufmaschen, wie ich sie liebevoll nenne, stehen in erotischer Hinsicht nicht im Dunkeln, wenn ich das als blinde Frau mal so sagen darf. Naja und das mit dem Stehen…: Benjamin sitzt ohnehin lieber. Generell sind wir aber nicht ›entweder-oder‹ sondern ›sowohl-als-auch‹.

Seit ich Benjamin Schmidts „Schon immer ein Krüppel“ erstmals gelesen hatte, stand dieser Autor als Interviewgast ganz oben auf meiner Wunschliste. Schließlich gewährte Benjamin innerhalb seiner Literatur aufwühlende Einblicke in das faszinierende Geschehen, was bei einem im Rollstuhl untenrum so abgeht und tat etwas gegen die ›Querschnittslähmungen‹, die viele von uns im Kopf haben.

Auch wenn wir privat inzwischen manch Umtrunk zusammen genommen, Absurditäten gefeiert und Abgründe seziert hatten, gemeinsam vor die Kamera hatte man uns noch nicht gelassen. Für öffentlich-rechtlich schwang nun deutlich Eros im Raum. Das lag nicht nur am Kaminfeuer, sondern auch an den expliziten Zeichnungen, die um uns herum inszeniert wurden, bereitgestellt von Franziska Appel, Benjamins Buchpartnerin, Illustratorin und Mitautorin des nun hier vorliegenden Werkes. Franziska ist als Lebenspartnerin eines sehbehinderten Mannes ziemlich erfahren mit allen Vorurteilen, die gesellschaftlich so aufgefahren werden, wenn Frau sich mit einem Gehandicapten paart. Auch noch ein besonderer Fall für die drei Fragezeichen: Ihr Partner ist Farbenblind und sie ist Malerin, aber ihre beiden Kinder sind nicht in schwarz/weiß geboren.

Apropos Farben. Passend zum Sendungsschwerpunkt hatte ich mir nicht nur meine roten ›Pornopuschel‹ an die Ohren gehängt, sondern auch ein ordentliches Spitzendekolleté gezaubert und mir High Heels mitgebracht, in die mich meine Maskenbildnerin hineinarbeiten musste. Als mich unser Tontechniker bat, noch einmal aufzustehen – beim besten Willen, diese Schuhe waren fürs Sitzen und Liegen gemacht – da dachte ich so im Stelzenstand: Meine Güte, ein übernächtigter Autor mit inkompletter Querschnittslähmung hält sich sicherer auf den Beinen, als eine Blinde auf High Heels.

Ich war zugegebenermaßen echt aufgeregt, hatte ich doch zwei mir ziemlich wichtige Menschen um mich drapiert: Benjamin Schmidt als Talkgast und Franziska Appel in Form ihrer Bilder, die zu uns und den Zuschauenden sprachen. Zudem erprobte ich ein neues Sendeformat. Vorher hatte ich zehn Jahre lang über achtzig prominente Gäste für mein Interviewfenster SonntagsFragen getroffen. Nun ging es um Menschen, die ›Mit anderen Augen‹ sehen und Freunde ins Fernsehen zu holen, das war mir nicht einerlei. Was wäre, wenn unsere Intension falsch verstanden würde, wir uns mit diesem Thema irgendwie peinlich abgebildet fühlten oder im Titel mal wieder der klassische Journalisten-Fettnäpfchen-Tapser »Sexualität trotz Behinderung« zu lesen war? Überraschung! Der war zu lesen. Aber der Beitrag schwang dann insgesamt doch sehr tiefsinnig und feinfühlig, was uns positiv erregte. Das mit dem ›Trotz‹ und das mit dem Sex mit uns darf man wohl noch ein bisschen üben. Franziska Appel und Benjamin Schmidt bieten mit „FuckDisAbility“ eine wunderbare ›Übungsanleitung‹, Berührungsängste, im wahrsten Wortsinn, zu durchbrechen und sich an ein Themenfeld heranzutasten, welches auf diese Weise literarisch und illustratorisch bislang ungesehen, ungelesen blieb.

Ich erlebe die künstlerische Annäherung der beiden an die Thematik als hoch relevant, denn sie ist auch für mich ermutigend. Durch die beiden erfahre ich wertvolle Impulse zur selbstbestimmten Körperbildwahrnehmung und Erotikgestaltung von Menschen mit und ohne Behinderungen. Dabei betrachtete ich mich als alte Häsin auf diesem Gebiet. Seit nahezu zwanzig Jahren arbeite ich als selbst erblindete Sozialpädagogin mit blinden, sehbehinderten und ›anders‹ anderen Menschen. Ich fragte mich schon als Sehende, wie wohl insbesondere blinde Frauen Schönheit, Sinnlichkeit und Sexualität erleben würden. Ich kenne also auch die andere Seite der Medaille, die Bedenken der Sehenden in mir, vielleicht auch, weil ich vor meiner Erblindung Angst davor hatte, Reizvolles nicht mehr so umfänglich erleben zu können. Heute kann ich sagen, dass ich es viel, viel intensiver erlebe. Diese Erkenntnisaugen wollte ich auch meinen Mitmenschen öffnen und ich wollte andere erblindende Frauen in ihrer Weiblichkeit und ihrem Erotikempfinden bestärken. Natürlich sind das Entwicklungen, Phasen, die auch von Schmerz, Loslassen und Neuorientierung geprägt sind. Ich habe dann in meinen Büchern vom Suchen und Finden der blinden Weiblichkeit erzählt, wozu auch das Suchen und Finden der Liebe und Schönheit gehörten. Das war sehr authentisch als Frau geschrieben, da ich ja nun mal selbst eine Frau bin, aber es fühlten sich immer wieder auch Menschen mit Lebensrissen angesprochen, mit oder ohne Behinderungen, da jeder von uns Verarbeitungsprozesse durchläuft. In einer Anthologie ließ ich später andere blinde Frauen zu Wort kommen, immer mit lebensechtem, sozialpädagogischem Hintergrund.

Ich merkte schnell, dass dieses Thema, wurde ich zu erotisch im Anklang, für viele Fachzeitschriften noch ein Tabu war. So sollte ich bspw. in den Überschriften das Wort ›Erotik‹ durch ›Schönheit‹ ersetzen. Behinderung und eine eigene Vorstellung der Lust, das bekam man nicht zusammen. Hier dachte man sehr konservativ. Über Sexualität äußerten sich in Publikationen allenfalls Fachleute über uns, die selbst keine Behinderung hatten. Das ärgerte mich oft, da ich die Texte, die da über uns und unser Sexleben in der Fachliteratur kursierten, als Betroffene nicht lesen konnte. Es gab sie nicht als Lesefassung für blinde Menschen. Schön, dass man sich diese spartanischen Gedanken über uns ohne uns gemacht hatte. Wenn sie doch wenigstens leidenschaftlich gewesen wären, hier fehlte nun wirklich das sinnlich-lustbetonte Gedankengut. Das schwoll dann umso stärker, in allen Ausformungen, in und an uns behinderten Sexualteilnehmenden, ganz von selbst heran. Was Franziskas und Benjamins Herangehen ausmacht? Ich versuche es mit einem Vergleich. In meinen literarischen Texten bin ich eher nicht blind und sehe durch die Augen meiner ProtagonistInnen. Somit verlerne ich das Sehen nicht und kann ungeniert überall, ja wirklich überall hinschauen, wo mir meine blinden Augen im wahren Leben Grenzen setzen würden. In meiner Fantasie bin ich ohne Blindenstock unterwegs, dazu zwinge ich mich nicht, es ist keine Verleugnung, es ist einfach so. Das scheint ein unbewusster Kontrast zu meinen eher fachlichen Auseinandersetzungen zu sein, in denen die Behinderung ja immer tragendes Thema ist. Und hier komme ich zu meiner Faszination für „FuckDisAbility“ und zu dem, was dieses Buch vermag. Franziska Appel und Benjamin Schmidt statten ihre Protagonistinnen bewusst schriftstellerisch und zeichnerisch mit ganz unterschiedlichen Behinderungen, nein, besser mit Markenzeichen aus. Als Makel erscheinen sie uns nicht. Interessant ist, für uns Betroffene ist es selbstverständlich, für die Umwelt noch nicht, dass beide im echten Leben inklusive Beziehungen führen. Franziska kennt innerhalb ihrer Partnerschaft den Blickwinkel der Nichtbehinderten, Benjamin in seinen Begegnungen und Beziehungen die andere Sichtachse. Dadurch entstehen auch innerhalb der künstlerischen Prozesse vielseitige Perspektiven, konventionelle Konstellationen werden erfrischend umgestaltet, ungeeignete Rollenmuster und Glaubenssätze über Bord geworfen.

„FuckDisAbility“ macht Einzigartiges und Eigenartiges spannungsvoll spür-, schmeck-, sicht-, erlausch- und erlebbar. Der Körper, der Geist, alles beginnt, sich neu zu verlieben, da ist diese Aufregung, etwas zu kosten, was sich jenseits abgedroschener Gewohnheiten entspinnt. Die Behinderung wird nicht als Einschränkung wahrgenommen sondern überhaupt erst als Möglichkeit betrachtet, einen Zugang zu echter erotischer Kreativität, tiefem Fallenlassen, wahrer Orgasmusfähigkeit zu schaffen. Viele vermeintlich freie Menschen erreichen das schwerlich, weil sie sich selbst nicht kennenlernen (müssen), keinen Weg der ehrlichen Kommunikation finden (müssen), keine echte Nähe aufbauen (müssen) und ihre inneren Lichtschalter nicht entdecken (müssen). Das Buch zeigt auf aufregende Art, was alles möglich ist und wer wir sein können, wenn der simple Weg mal nicht befahrbar ist. „Geht nicht“ gibt’s hier wirklich nicht.

Nach dem Lesen der Lektüre möchte ich fast fragen: »Wie ist denn erfüllender Sex ohne Behinderung überhaupt möglich?« Viel mehr aber verschwimmt dieses übliche Sortieren in Perfekt und Unperfekt in einem Schmelztiegel aus gegenseitigem Begehren und Bereichern.

Dieses Buch spricht Menschen an, die wachsen möchten, an sich, an ihrer Lust, an der Lust der/des anderen. Ich bin unendlich dankbar für das Sichtbarmachen wichtiger Rollenmodelle, ups, sorry Benjamin für das ›Rollenmodell‹, denn leider gibt es Menschen mit und ohne Behinderungen, die aus den verschiedensten Gründen ›noch‹ keine befriedigende Sexualität erleben. Folgt Franziska und Benjamin in ihre Geschichten und Bilder, werdet selbst erfinderisch, findet eure Liebeskunst, alles beginnt mit eurem persönlichen Blickwinkel, mit eigenen Gefühlen und Gedanken und dem, was ihr daraus entwickelt. Der Optimierungswahn ist eine Krankheit, die keine Krankheit zulässt. „FuckDisAbility“ lässt sie zu und veredelt jede Lage leidenschaftlich.

Das Buch kann in unserem Onlinestore bestellt werden. Herzlichen Dank!

Bildnachweis: Privat
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