„Wir bleiben hier“: Interviews mit Jennifer Sonntag, Dirk Rotzsch & David Gray

Nachfolgend verweisen wir auf die unlängst erschienenen Interviews der „Wir bleiben hier„-Initiative von Comiczeichner Schwarwel und Sandra Strauß, in denen auch unsere Autorin Jennifer Sonntag sowie die eng mit AutorInnen unseres Verlags befreundeten Schriftsteller David Gray und Dirk Rotzsch zu Kernthemen wie Demokratie, Rechtsruck, Einwanderung und ziviler Courage zu Wort kommen. Die Interviews sind in Gänze absolut lesenswert:

Jennifer Sonntag:

„… wbh: Was wünschst du dir für ein besseres menschliches Miteinander?

Keine Sprachlosigkeit, zu welchem Thema auch immer. Ich sehe allzu häufig, wozu Sprachlosigkeit, erlernte Hilflosigkeit und die erlernte Opferrolle über mehrere Generationen hinweg führen können. Wir brauchen das Gefühl, Konflikte aufmachen und überstehen zu können, wirksam zu sein und nicht den Umständen ausgeliefert. Das klingt abgedroschen und ist doch so schwer: Wir müssen miteinander in Kontakt kommen, die Klappe aufmachen, Ängste überwinden, Reibung auch mal aushalten, das können wir nur, wenn wir die Dinge bei Lichte betrachten und nicht im dunklen Keller verbergen. Die Lauten können das sicher besser als die Leisen. Aber die Lauten verstecken ja auch oft nur eine allzu menschliche Angst. Hier müssen wir gegenseitig ein bisschen besser aufeinander achten und jeder aber auch auf sich selbst, jeder muss für ein besseres Miteinander auch an sich arbeiten. Ich dachte immer Sozialkompetenz hätte ich ja nun genug, bis bei einem Test herauskam, dass Sozialkompetenz nicht Harmoniesucht ist. …“

Hier geht es zum kompletten Interview.

David Gray:

„… wbh: Warum haben deines Erachtens Menschen Angst vor „dem bösen schwarzen Mann“, vor MigrantInnen und Muslimen?

Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle. Einer davon ist zweifellos der: Zuwanderer werden von den Ureinwohnern als unwillkommene Boten aus einer für viele von ihnen zunehmend unübersichtlicher und damit bedrohlich gewordenen Restwelt wahrgenommen, die für sie zudem auch noch voller Gewalt und Konflikte zu sein scheint. Aber man nimmt die Fremden zugleich auch als ökonomische Bedrohung wahr. Denn eines der Paradoxe der Entwicklung in Ostdeutschland besteht ja auch darin, dass man hier viel härter auf die Anforderungen des Überlebens im Turbokapitalismus vorbereitet wurde als in den alten Bundesländern, wo noch man lange nach dem Übergang von der Bonner zur Berliner Republik einen Rest an sozialer Nestwärme bewahrte, der von Betrieben, Vereinen und Kollegenkreisen garantiert wurde. Im Osten hingegen wurden die Identifikationsmittelpunkte der Betriebe innerhalb von kürzester Zeit abgewickelt und man verordnete allüberall das Credo: Ab jetzt ist sich jeder erst mal selbst der nächste.
Das Ergebnis dieses Experiments in oft sträflich planlosem Plattmachen sehen wir heute im Umgang mit den Zuwanderern. …“

Hier geht es zum kompletten Interview.

Dirk Rotzsch:

„… wbh: Wie kann man Menschen, die sich benachteiligt und abgehängt fühlen, bspw. Menschen, die nach dem Mauerfall viel verloren haben, Angst um ihre Existenz und vor Überfremdung haben, erreichen und in die Gesellschaft zurückholen?

Mit Mathematik. Wie kann mensch in einem Landstrich, wie zum Beispiel der Altmark, Angst vor Überfremdung haben – wahrscheinlich ein Ausländeranteil von 1 Prozent. Oder Brandenburg. Oder wieviele Migranten leben im Vogtland? Da lacht der Ruhrpottler oder der Hamburger und schüttelt sein Ayran. Die Angst, in der Wüste zu ertrinken, ist eine eher abstrakte. In Görlitz und der Niederlausitz hat mensch eher Probleme mit EU-Bürgern aus Polen, aber die PIS Partei und die AfD sind ja gute Kumpels, da könnte man es ja auf dem kurzen Dienstweg klären … Die Ängste werden geschürt um abzulenken und es klappt ja immer prima. Der teuerste Wirtschaftsflüchtling ist immer noch der, der sein Liarjet mit der Nase gen Panama geparkt hat. …“

Hier geht es zum kompletten Interview.
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