Neue Besprechungen: „Kammerflimmern“

Zu Tomas Jungbluths im vergangenen Sommer veröffentlichter Novelle „Kammerflimmern“ kamen in der jüngsten Zeit einige Besprechungen rein, die wir Ihnen nicht vorenthalten möchten. Die Novemberausgabe des „Orkus“-Magazins schreibt:

„… Was wir hier vor uns haben ist eine Novelle, die von der ersten Seite an mit einer bildhaften und emotionalen Sprache und einer außerordentlichen Wortgewandtheit Barrieren zwischen Erzähler und Leser einreißt. Der Erzähler berichtet von einer gescheiterten Beziehung, von einer verlorenen Liebe, die so schön und zugleich so schmerzhaft war, dass sie viele Risse und Narben hinterließ. Man verliert sich in den Worten, in den Schilderungen, die uns von Beginn an teilhaben lassen an einer Liebe, die so echt, so von Leidenschaft durchdrungen war, und weil jeder das Gefühl der Sehnsucht in Kombination mit unerträglichem Schmerz kennt, wird man auch so schnell so tief in Jungbluths Strom gerissen, dass man nicht mehr an die Oberfläche kommt. …“

Jennifer Sonntag nimmt das Buch wie folgt wahr:

„… Das Buch kann etwas, was so viele Menschen leider nicht oder noch nicht können, es setzt sich mit unseren inneren Anteilen auseinander und bietet eine echte Chance des Wachsens und Entwickelns. Dabei ist es nichts für Anfänger, nichts für Menschen, die die Auseinandersetzung mit alten Mustern und Glaubenssätzen überflüssig finden, die nichts mit Emotionalität und „Psychokram“ zu tun haben wollen. Erst eine aufgeräumte Beziehung zu uns selbst, ein Verstehen unseres „inneren Teams“, kann uns auch in äußeren Beziehungsgefügen glücklich werden lassen. Man kann die Gefühlslagen dieses so tief liebenden und so tief verzweifelten Paares mit allen Sinnen spüren und will es gleichermaßen schützen, vor dem Leser, voreinander. Obwohl nur er erzählt, habe ich in hohem Maße ein starkes Bewusstsein für ihre Erlebenswelt entwickeln können. Auch dieses Paar ist kein Anfänger. Es ist in der Lage zu erkennen, welche Komplexe, welche inneren Kinder einander Wunden schlagen. Erkennen, Entwickeln, Wachsen – wir müssen dabei zusehen, wie das solch tiefgeistige und hochfliegende Menschen nicht schaffen. Nicht zusammen. Wenn das Bedauern des Lesers darüber schon so groß ist, wie groß muss dann das des Schreibenden gewesen sein? Ich empfinde den Erzähler, der ja einen Monolog führt, erstaunlicherweise nicht als Anklagenden. Abrechnung ist nicht das Interesse des Buches. …“

Tami Weissenberg schließlich fasst seine Empfindungen wie folgt zusammen:

„… Er spricht die Leserschaft unverschämt direkt an, zieht sie oftmals unangenehm nah an sich ran – und lässt sie dann wieder ins Unendliche treiben. Es wechselt ständig das Gefühl zwischen persönlicher Ansprache und Voyeurismus. Erschreckend was Worte und Sprache bewirken können. Die im Buch benannte Frau wird in allen Facetten der menschlichen Charakteristik beschrieben: kokett, lasziv, verspielt, adrett, abweisend, fordernd, warm, kühl, toxisch. Diese unverschämt anziehende Toxizität dieser Frau zieht Jungbluth sowie die Leserschaft stetig in einen Bann, teilweise in eine sich nicht zu entziehende Abhängigkeit. Das Buch beschreibt die Bindung zwischen zwei Seelen wie sie unterschiedlicher nicht sein können – und die sich dennoch anziehen, abstoßen, verzehren und wieder aufladen. Oftmals legt man das Buch beiseite, erträgt das eloquente aber dennoch verständliche Wort- und Sprachgefecht einfach nicht. Es wühlt auf, lässt innehalten, lässt schmunzeln und lachen und lässt bittere Gefühle aufkommen und diese teilweise konservieren.

Es scheint wie ein großer Liebesbrief, wie eine Rechtfertigung der jeweils begangenen Fehltritte und manchmal – so ahnt man es – sickert der Wunsch durch, diese Frau noch einmal an der Seite zu haben um so vieles besser zu machen. Ob nun Liebesbrief, Abrechnung, Reflektion oder eine eigene Art der Verarbeitung hinter dem Buch stehen mag – es ist etwas, ich nenne es mal „Beichte“, wie es direkter nicht sein kann. Vielleicht stellt es der Leserschaft eigene Weichen, vielleicht trägt es zur eigenen Reflektion bei. Vielleicht ist es der Schlüssel zum Gegengift der Toxizität zwischen Menschen.“

Für die Besprechungen bedanken wir uns herzlich. Die vollständigen wie auch weitere Buchbesprechungen entnehmen Sie bitte diesem Link.
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